Der Bad Salzschlirfer, der einst Zweiradmechaniker werden wollte, weil er sich für Mopeds und Autos begeistere und dies immer noch tut, sei froh, dass es letztlich ein anderer Weg wurde. „Man hatte Träume, aber man hatte nicht so die Wahl“. Der geburtenstarke Jahrgang 1964 brachte viele Azubis hervor, für die es gar nicht genügend Ausbildungsplätze gab. Und Göbel kam über seinen Vater, der als Versandleiter des heutigen Unternehmens „Emod“ aus Bad Salzschlirf Kontakte zu Logistikern hatte, schließlich zu Zufall.
Er begann seine Ausbildung zum Speditionskaufmann, wurde durch die Hallen geführt und angelernt. „Eine Auszubildende im dritten Lehrjahr hat mir dann den Einstieg sehr erleichtert“, spricht Göbel von Ellen Barchewitz, die ihn letztlich über 40 Jahre lang begleitete und bis vor wenigen Jahren als Assistentin tätig war.
Sein Steckenpferd hatte der 62-Jährige damals mit dem Import schnell gefunden – und auch einen Platz, der dort passenderweise frei wurde. Göbel stieg später in die Niederlassungsleitung ein, leitete diese dann mit Stellvertreter Michael Hamperl, und wechselte vor fünf Jahren dann in die zentrale Geschäftsleitung, in der er für 1200 Mitarbeiter und alle Standorte zuständig war. „Es gab nie einen Grund zum Wechseln“, sagt er – stellvertretend für seine Mitarbeiter. Denn viele gehen ihren eigenen Weg im Unternehmen, das mittlerweile eine vielfältige Bandbreite vorweisen kann. „Wir sind ein starker Ausbildungsbetrieb“, ist Göbel stolz. Zehn bis zwölf Azubis pro Lehrjahr hatte Zufall in den besten Zeiten, fast 100 Prozent wurden übernommen. Einige entschieden sich danach auch für ein Studium – und Göbel selbst setzte sich dafür ein, dass auch das duale Studium heute gut angenommen werde. Göbel ist Vorsitzender des Fördervereins der Hochschule Fulda, und spricht von einem engen Draht zur Hochschule. Gerade in Sachen Deutschlandstipendium ist der Verein engagiert. „Und letztlich profitieren beide davon“, so Göbel: „Die Studierenden bekommen finanzielle Sicherheit und einen Job nach dem Studium – wenn sie wollen“.
„An etwas festhalten“
Für die heutigen Azubis, die natürlich eine gänzlich andere Ausbildung durchlaufen, als sie noch vor 40 Jahren aussah, hat Göbel einen Wunsch: „Ich würde mir dieses Gen wünschen, an etwas festzuhalten, und nicht die Flinte ins Korn zu werfen, wenn es mal Gegenwind gibt. Kaufmännische Ausbildungen sind heutzutage immer noch wertvolle Werdegänge, und jemand, der in der Praxis Fuß gefasst hat, hat es hinterher auch viel leichter in einem Studium“.
Schwierige Zeiten machte Göbel natürlich auch in all den Jahren durch: Er berichtet von einem Auftragsvolumen, das während der Finanzkriese 2008 rapide sank. „Da haben wir zum ersten Mal von dem Wort Kurzarbeit gehört“. Noch früher, als es eine Textil-Krise gab und viele Kunden gen Osten abgewandert seien, waren wiederum Ideen gefragt, denn die Einnahmen schrumpften: „Wir haben eine Flipchart genommen und Ideen gesammelt. So entstand das Zusatzprodukt Kontaktlogistik“, erklärt Göbel. Für Unternehmen und ihre Produkte aus Korea oder dem europäischen Ausland war Zufall der „Verteiler“ hierzulande, beispielsweise für Roller aus Italien wie die „Vespa“. „Das war der Beginn einer neuen Geschäftsausrichtung“, blickt der 62-Jährige zurück. Damit einher ging der Bau von größeren Lagern, die mittlerweile in Großenlüder, Flieden oder Lauterbach stehen. Außerdem brauchte es mehr Logistiker, und auch IT-ler, und neue Arbeitsfelder waren geschaffen. „Das war ein richtiger Sog – und es war gut für den regionalen Arbeitsmarkt“.
„Einzelkämpfer sind fehl am Platz“
Auch die Corona-Pandemie sei eine spannende Zeit gewesen: „Wir waren krisenrelevante Infrastruktur, da wurde natürlich nichts geschlossen. Aber wir mussten die gesamte Belegschaft nach Hause verlagern, haben unzählige Laptops angeschafft. Es gab einen Umbruch hin zum virtuellen Arbeiten, aber die Mitarbeiter haben mitgezogen. Es war früher unvorstellbar, aber das hat alles funktioniert“. Auch heute gebe es noch teilweises Home-Office-Arbeiten im Unternehmen, aber immer auch Präsenztage für den „Teamgeist“.
Womit Göbel sportlich wird: „Spedition ist ein Teamsport“, macht er deutlich und dankt allen Weggefährten – ob im Lkw, in den Hallen, in der Zentrale, am Schreibtisch oder unterwegs. „Unser Geschäft lebt davon, dass es viele Hände hat. Einzelkämpfer sind fehl am Platz“. Und seine Mitarbeiter hätten genau so Spaß, wie er in all den Jahren. Göbel erzählt von privaten Freundeskreisen, die sich gebildet haben, oder gemeinsamen Hobbys. Jährlich ist Zufall mit einem starken Team beim Challenge-Lauf oder dem Fulda Marathon vertreten. Und gemeinsamer Spaß bedeute gute Arbeit: „Diese Gleichung geht schon immer auf“.
Nachfolgerin gefunden
Mit 60 habe Göbel schon überlegt, aufzuhören. „Damals war die Situation aber noch nicht da“. Nun ist sie da – und eine Nachfolgerin gefunden: Johanna Broese, 40 Jahre jung und gerade aus der Elternzeit zurück, wird in Göbel Fußstapfen treten. Sie bringt viele Jahre Erfahrung aus der Geschäftsführung von VTL – Vernetzte-Transport-Logistik mit und ist seit gut zwei Jahren Teil des Zufall-Unternehmens. Göbel wiederum blickt nach seinem Ende im Unternehmen zurück: „Ich bin natürlich in den Positionen extrem getrieben gewesen vom Kalender, hatte mal zehn bis zwölf Termine am Tag – und dann kamen noch Dinge, die einfach so passieren“. Nun kann sich der passionierte Skifahrer und „Autospinner“ privaten Dingen und seiner Familie widmen. Eigene Kinder gebe es keine, aber viele Neffen und Nichten – „noch“ keiner in der Speditionsbranche, schmunzelt er. In seiner kleinen Werkstatt zuhause werde er an Autos herumbasteln, und zum Beginn des Ruhestands eine Schottland-Reise mit einem Schmuckstück machen.
Ehrenamtlich ist Göbel in seiner Heimatgemeinde tätig: Er wohnt in Bad Salzschlirf und ist nach der vergangenen Kommunalwahl Erster Beigeordneter als CDU-Mitglied. „Ich habe eine neue Rolle gesucht und gefunden, so kann ich dem Ort auch etwas zurückgeben. Es braucht kreative Ideen, und wir wollen Bad Salzschlirf wieder etwas mehr Leben einhauchen“.
Ganz aus der Zentrale in Fulda verabschiedet hat er sich nicht und werde ab und an vorbeischauen. Einen Punkt, den Göbel weit vorangetrieben hat, ist die Nachhaltigkeit. „Auch dank eines Gesellschafters, der früh auf E-Mobilität setzen wollte, haben wir da schon richtig gute Erfahrungen gemacht und wollen unseren Fußabdruck weiter verringern“. Alle Firmenwagen sind auf Elektro umgestellt, und im Bereich Lkw wolle das Unternehmen „genauso hart“ vorgehen. Viele fahren schon durch den Fuhrpark, doch die Anschaffung eines E-Lkw liege bei rund 300.000 Euro – und damit das Doppelte von einem Diesel. Strom sei zwar günstiger, auch die Maut falle weg, „aber es reicht noch lange nicht“, so Göbel. Die Förderungen seien zurückgegangen, doch zumindest die Fahrer seien begeistert: „Erst muss man sie überzeugen, dann wollen sie gar nicht mehr aussteigen“, lacht er: „Die Lkw sind leise und geben diese Ruhe auch an den Fahrer weiter“. Lediglich der Gesetzgeber müsse noch nachsteuern, denn hier und da gebe es Probleme mit Ladesäulen-Belegung und Einhaltung der Pausenzeiten. Auch die Technik entwickele sich noch, doch Zufall werde weiter konsequent den Plan verfolgen, die eigene Flotte, und die seiner Partner, umzustellen. Ohne Göbel an der Spitze, der abschließend zurückschaut: „Es gab immer Herausforderungen, aber ich hatte immer große Freude“.
