Die Rhönhalle ist weit mehr als nur ein Gebäude. Für viele Bürgerinnen und Bürger in Tann ist sie ein Ort der Begegnung, der Erinnerungen und des gesellschaftlichen Lebens. Doch der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen. Seit geraumer Zeit wird darüber diskutiert, wie es mit der in die Jahre gekommenen Halle weitergehen soll – eine Debatte, die immer wieder für großes Interesse sorgt. Dieses zeigte sich auch bei einer jüngsten Sitzung, bei der Matthias Gelbe erstmals konkrete Überlegungen zur Zukunft der Rhönhalle vorstellte. Gemeinsam mit einem Architekturbüro wurde ein umfassendes Konzept erarbeitet. „Zusammen mit dem Architekturbüro Dorbritz und entsprechenden Fachplanern wurde ein Konzept zur Sanierung der Rhönhalle entwickelt“, erläutert Gelbe. Grundlage seien unter anderem Ergebnisse aus Bürgerbeteiligungen sowie zusätzliche Anforderungen der Stadt gewesen.
Der Zustand des Gebäudes lässt dabei kaum Spielraum für Untätigkeit. „Der bauliche Zustand ist dramatisch“, macht der Bürgermeister deutlich. Vor allem Undichtigkeiten im Dach, Probleme bei Fenstern und Elektrik sowie fehlende Barrierefreiheit erschwerten den Betrieb zunehmend. Hinzu komme, dass die Halle nicht mehr den aktuellen Brandschutzvorgaben entspreche. „Ein Betrieb ist eigentlich nur noch schwer darstellbar“, so Gelbe. Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Szenarien geprüft – von einer umfassenden Sanierung über Abriss und Neubau bis hin zu einem möglichen vollständigen Rückbau. Eine klare Richtung gibt es bislang jedoch nicht. „Hier kann ich absolut keine Aussage treffen“, sagt Gelbe mit Blick auf die politische Diskussion. Die Entscheidung solle bewusst den neu gewählten Stadtverordneten überlassen werden. Klar sei lediglich: „Ein Weiter-so habe ich nicht wahrgenommen.“
Im Zentrum der bisherigen Planungen steht eine umfassende Modernisierung der bestehenden Halle. Neben baulichen Verbesserungen soll auch das Nutzungskonzept erweitert werden. „Besonders hervorzuheben ist, dass künftig auch eine Nutzung in Teilbereichen möglich wäre“, erklärt Gelbe. So könnten kleinere Feiern mit bis zu 30 oder 60 Personen stattfinden, während größere Veranstaltungen weiterhin im Saal Platz finden. Gerade solche Angebote fehlten bislang in der Kernstadt. Die geschätzten Kosten für eine Sanierung liegen bei rund 4,2 Millionen Euro – eine enorme Summe für die finanziell angespannte Kommune. Eine Umsetzung sei daher nur mit Unterstützung durch Förderprogramme möglich. „Eine Sanierung wäre nur über die Verknüpfung verschiedenster Fördertöpfe zu realisieren“, betont Gelbe. Zwar verfüge die Verwaltung über Erfahrung bei entsprechenden Anträgen, doch Unsicherheiten bleiben. „Im langfristigen Trend müssen wir von steigenden Baukosten ausgehen“, so der Bürgermeister. Konkrete Schritte wurden bereits eingeleitet. So sei ein Förderantrag für weitere Planungsleistungen gestellt worden, um rechtzeitig die Voraussetzungen für mögliche Zuschüsse zu schaffen. Denn ein wichtiger Stichtag rückt näher: Spätestens im März 2027 muss ein Antrag im Rahmen des IKEK-Programms eingereicht werden. Erst danach könnte – bei positiver Entscheidung – ein Baustart erfolgen.
In der Bevölkerung wird die Diskussion aufmerksam verfolgt. Trotz des schlechten Zustands genießt die Rhönhalle weiterhin große Wertschätzung. „Ich nehme zum Großteil Unterstützung für die Sanierungspläne wahr“, sagt Gelbe. Gleichzeitig gebe es berechtigte Sorgen. „Die Kritik zielt häufig auf die Finanzierbarkeit ab – und diese Bedenken nehme ich sehr ernst.“ Bereits jetzt sei der Haushalt stark belastet. Persönlich spricht sich der Bürgermeister für den Erhalt der Rhönhalle aus. Für ihn ist das Gebäude mehr als nur funktionale Infrastruktur. „Die Architektur macht sie zu einem unverwechselbaren Einzelstück in der Region“, betont er. Auch die besondere Akustik und die Geschichte des Hauses seien Argumente für eine Sanierung. „Viele Menschen verbinden persönliche Erinnerungen mit der Rhönhalle – das würde bei einem Neubau verloren gehen.“
Wann eine endgültige Entscheidung fällt, ist derzeit noch offen. Gelbe hofft auf Klarheit in den kommenden Monaten: „Ich hoffe auf eine Entscheidung in den kommenden Sommer-Sitzungen.“ Sicher ist jedoch schon jetzt: Die Zukunft der Rhönhalle wird die Stadt Tann weiterhin intensiv beschäftigen.
