Tischtennis 02.04.2026

World Cup – Starker Mittwoch: Ovtcharov erreicht das Achtelfinale

Macau (pm/pf) – Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska sorgten mit Erfolgen über die chinesischen Stars Liang Jingkun und Zhou Qihao für den perfekten Abschluss eines aus deutscher Sicht fast perfekten dritten Vorrundentages beim World Cup der Damen und Herren in Macau (30. März bis 5. April). Auch Dang Qiu zog mit einem Sieg über einen weiteren Chinesen, Chen Yuanyu, in das Achtelfinale des Prestigeturniers ein, was außerdem den Damen Sabine Winter (gegen die Waliserin Anna Hursey) und Ying Han (gegen die Französin Prithika Pavade) gelang. Allein Benedikt Duda verhinderte mit dem vergebenen Matchball gegen den Franzosen Thibault Poret den Clean Sweep der Deutschen, die nun fünfmal im Achtelfinale gefordert sind.

Dimitrij Ovtcharov. Foto: Christine Görlich

Ovtcharov nimmt gegen Liang Jingkun Revanche

Die größte Aufmerksamkeit erhielt der Sieg von Dimitrij Ovtcharov über Liang Jingkun, einen der Superstars aus dem Team Chinas. Das Duell zwischen dem deutschen World-Cup-Sieger von 2017 und dem viermaligen WM-Dritten war wie das letzte Aufeinandertreffen der Routiniers 2025 in Singapur reich an Spannung, Dramatik und spielerischer Klasse: Nachdem Ovtcharov zuletzt die Gunst mehrerer Matchbälle nicht zu nutzen wusste, drehte der ehemalige Weltranglistenerste diesmal den Spieß um und wehrte einen Matchball des Chinesen ab, bevor er zwei Ballwechsel später als jubelnder Sieger die Box verließ.

Nachdem der Chinese zunächst die beiden ersten Durchgänge gewann, wurde der Deutsche besser und besser. Ovtcharov verrät: "Ich habe heute auch schon in den verlorenen ersten beiden Sätzen gut gespielt, aber Liang hat sehr stark begonnen. Danach habe ich taktisch etwas gewechselt und meinen Aufschlag umgestellt, habe mehr mit der Vorhand serviert. Ich bin froh, dass es nach meinen vergebenen Matchbällen beim letzten Mal heute zum Sieg gereicht hat. Es ist ein toller Sieg für mich gegen Liang Jingkun und ich bin happy, wieder ins Achtelfinale eingezogen zu sein." Im Kampf um den Einzug in das Viertelfinale trifft der zweimalige Europameister nun auf den Slowenen Darko Jorgic.

Auch Patrick Franziska macht es spannend

Patrick Franziska machte es ähnlich spannend wie Dimitrij Ovtcharov, mit dem er 2023 mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Doppel bei den Weltmeisterschaften in Durban einen seiner größten Erfolge gefeiert hatte. Der Saarbrücker musste gegen den ungemein aggressiv attackierenden Chinesen Zhou Qihao sein entscheidendes Einzel in der Gruppe 16 bestreiten. Den kurzzeitigen Rückstand steckte Franziska gut weg, ging selbst mit 2:1 in Führung, bevor Zhou noch einmal der Ausgleich gelang. Im vierten Satz dominierte jedoch nach einem Blitzstart nur der Europe-Top-16-Sieger von 2021.

Franziska, der im Achtelfinale auf seinen Saarbrücker Teamkollegen Truls Möregardh (Schweden) trifft, war sehr zufrieden mit seiner Leistung: „Das war ein toller Sieg für mich. Ich habe gut gespielt und mich gut bewegt. Es war ganz schön laut in der Halle, weil neben mir Dima gegen Liang spielte und die Zuschauer sehr auf dieses Match fixiert waren. Jetzt gegen Truls – ich werde versuchen, alles zu geben.“

Dang Qiu erstmals in der Endrunde des World Cups

Mit einer überaus starken Vorstellung hat der Düsseldorfer Dang Qiu die Endrunde des World Cups erreicht. Der Europameister von 2022 ließ im „Finale“ der Gruppe dem bis dahin ebenfalls noch ungeschlagenen Chinesen Chen Yuanyu keine Chance. Der Weltranglistenelfte spielte seine Mischung aus aggressivem Tischtennis, variantenreichen Tempowechseln und millimetergenauen Platzierungen nahezu fehlerfrei und ließ den Asiaten nie zu seinem gefährlichen System finden. Am Ende setzte sich Dang Qiu mit 11:7, 11:8 und 11:3 gegen den Chinesen durch.

Dang Qiu: „Mein bestes Spiel beim World Cup bisher“

Mit seinem Sieg über Chen Yuanyu gelang dem Deutschen erstmals der Sprung in die Endrunde des World Cups, in der nun im Achtelfinale der Weltranglistenvierte Tomokazu Harimoto (Japan) sein Gegner sein wird: „Ich freue mich riesig, dass ich nun bei meiner dritten Teilnahme erstmals das Achtelfinale erreicht habe. Das war heute ein gutes Spiel von mir und definitiv das beste, das ich bisher bei meinen World-Cup-Starts gemacht habe.“

Hart umkämpfter Auftakt – Winter dreht Satz eins

Als erste Deutsche hatte in der Nacht zum Mittwoch Sabine Winter das Achtelfinale erreicht. Nach ihrem Auftaktsieg gegen die Ägypterin Mariam Alhodaby gab sich die Europe-Top-16-Siegerin Sabine Winter auch im entscheidenden Einzel um den Sieg in Gruppe 2 im Ergebnis keine Blöße, hatte diesmal aber hartnäckige Gegenwehr gegen die ungemein sicher agierende Anna Hursey zu brechen. So hätte nicht viel gefehlt, und die Bayerin wäre gegen ihre für den ESV Weil in der Bundesliga spielende, 19 Jahre alte Gegnerin in Rückstand geraten. Nach ausgeglichenem Verlauf des ersten Durchgangs sah sich Winter plötzlich mit einem 8:10- und 10:11-Rückstand und insgesamt drei Satzbällen der Waliserin konfrontiert.

Starke Nerven in der Druckphase

Bemerkenswert, wie die Deutsche in dieser Drucksituation agierte: Als es ganz besonders darauf ankam, koordinierte Winter ihre besten Waffen – die Vorhand und die vielleicht schnellsten Beine im Damen-Tischtennis weltweit – zu nicht retournierbaren Topspinschlägen. Nach ihrer 1:0-Führung hatte die heute als taktisches Mittel ihren Antitopspinbelag im offenen Spiel seltener einsetzende Winter nur noch eine brenzlige Situation zu überstehen, als die U19-Weltmeisterin im Doppel (mit der Berlinerin Mia Griesel) nach 4:8 drei Punkte in Serie markierte und noch einmal gefährlich nahe kam. Doch Winter holte sich den zweiten Durchgang mit 11:9 und war beim abschließenden 11:5 die allein dominierende Spielerin am Tisch.

Sabine Winter: „Meine Beine haben sich heute gut bewegt“

Winter erklärte anschließend: „Ich habe heute in den Ballwechseln etwas weniger mit dem Anti gespielt, weil mein Block mit diesem Belag nicht die gewohnte Qualität hatte und etwas unsicher war. Dafür haben sich meine Beine gut bewegt, und die Vorhand war sehr gut. Das war heute meist die bessere Option gegen Hursey.“

Mit Rückenwind in die K.o.-Runde

Sabine Winter steht im Achtelfinale der Chinesin Qin Yuxuan gegenüber. Erst einmal in ihrer Karriere erreichte die zweimalige Deutsche Meisterin beim World Cup das Viertelfinale, 2016 in Philadelphia. Als Debütantin sorgte sie damals für Aufsehen, indem sie ihre Gruppe gewann und später das Viertelfinale erreichte. Damals war dies eine kleine Sensation. Zehn Jahre später wäre ein solches Ergebnis der mittlerweile auf Platz 12 im ITTF-Ranking etablierten weltbesten Antitopspin-Spielerin allerdings mitnichten eine Überraschung.

Ying Han wird ihrer Favoritenrolle gerecht

Nach ihrem Auftakterfolg über die Neukaledonierin Maylis Giret wurde Ying Han auch im entscheidenden Match um den Endrundeneinzug ihrer Favoritenrolle gegen Frankreichs Nummer eins Prithika Pavade vollauf gerecht und erreichte ohne Satzverlust das Achtelfinale. Dort wartet nun Südkoreas Star Shin Yubin auf die Deutsche.

Benedikt Duda vergibt Matchball

Der Weltranglistenzwölfte Benedikt Duda hat den anvisierten Einzug in die Runde der besten 16 Spieler verpasst. Der Bergneustädter, der nach seiner späten Anreise am Sonntag bereits gegen den Kanadier Eugene Wang mit Jetlag-Problemen zu kämpfen hatte, fand auch im entscheidenden Gruppenspiel gegen den stark aufspielenden Poret nicht zu seiner Bestform. Der EM-Zweite von 2024 erarbeitete sich dennoch seine Chance auf den Einzug in die Endrunde: Nach einem 7:9-Rückstand im Entscheidungssatz erspielte er sich mit drei Punkten in Folge einen Matchball, ließ diesen jedoch ungenutzt. Zuvor hatte Duda einen 0:1-Satzrückstand in eine 2:1-Führung gedreht und dabei im dritten Durchgang einen Satzball des Franzosen abgewehrt.

Duda zeigte sich nach der Niederlage verständlicherweise enttäuscht: „Leider konnte ich meinen Matchball nicht nutzen, das ist bitter. Ich war leider aufgrund der späten Anreise bei diesem Turnier nicht in allerbester körperlicher Verfassung.“