Matiullah Jabarkhel, ein 19-jähriger Geflüchteter aus Afghanistan, wurde am 13. April 2018 bei einem Polizeieinsatz in Fulda erschossen. Auch Jahre später bleibt für die Organisatoren die Frage: „Was geschah mit Matiullah?“. Für die Veranstalter der diesjährigen Mahnwache ist sein Tod kein isolierter Einzelfall, sondern das Ergebnis eines tiefgreifenden Systemversagens. Matiullah sei 2015 gesund und voller Ziele nach Deutschland gekommen. Er habe Arzt werden und sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen wollen. „Doch innerhalb weniger Jahre führten soziale Isolation, mangelhaft ausgebaute Hilfsstrukturen und die ständige Unsicherheit seines Aufenthaltsstatus dazu, dass er schwer psychisch erkrankte“, so die Veranstalter: „Das Gedenken soll dazu dienen, auf tief verwurzelte Probleme in Politik und Exekutive hinzuweisen.“ In einer Zeit, in der das Asylrecht verschärft wird und rechtsextreme Kräfte erstarken, sei ein würdevoller Umgang mit Geflüchteten wichtiger denn je. Konkret fordern die Veranstalter unter anderem eine unabhängige und lückenlose Aufklärung von Fällen rassistischer polizeilicher Gewalt durch externe Ermittlungsbehörden, bessere Schulungen für Beamte im Umgang mit psychischen Ausnahmesituationen und den konsequenten Einsatz ziviler Krisenteams sowie eine Migrationspolitik, die die Würde des Menschen ins Zentrum stellt, statt auf Repression zu setzen. Die Kundgebung auf dem Uniplatz soll ein Ort des stillen Andenkens, aber auch ein klares politisches Signal sein: Gegen das Vergessen und für eine gerechtere Gesellschaft.
