Lokales FD 04.04.2026

Vom geknickten Herz zur Hoffnung: Kreuzweg in Fulda – Fotos

Fulda – Von Silas Messing – Ein grauer Himmel, kühle Luft und eine besondere Stille über der Stadt: Der Karfreitag zeigte sich in diesem Jahr ganz in seiner eigenen Atmosphäre. Und doch war vor dem Dom spürbar Leben – knapp 200 Menschen, darunter viele Familien und Kinder, hatten sich versammelt, um gemeinsam den Kreuzweg zu gehen.

Foto: Silas Messing.

Mit einem großen Holzkreuz voran setzte sich die Prozession in Bewegung. „Mit Jesus wollen wir gehen“, klang es durch die Straßen – erst vorsichtig, dann immer sicherer. Der Weg führte vom Dom durch die Innenstadt bis zur Stadtpfarrkirche, begleitet von Gebeten, Liedern und Momenten der Stille.

Stadtpfarrer Stefan Buß machte gleich zu Beginn deutlich, warum dieser Weg jedes Jahr aufs Neue gegangen wird: „Kreuzwege sind heute noch hochaktuell“, sagte er. „Wenn wir auf unsere Welt schauen – Krieg, Hass, Verleumdung –, dann begegnet uns vieles von dem, was auch Jesus erlebt hat.“ Der Kreuzweg sei daher mehr als Tradition: „Das soll für uns ein Ansporn sein, unseren Alltag anders zu gestalten und besser miteinander umzugehen.“ Gleichzeitig lud er dazu ein, den Weg auch persönlich zu gehen: „Man kann das, was einen belastet – Sorgen, Nöte, Fragen des Lebens – heute mit Jesus ans Kreuz geben.“

Im Mittelpunkt des diesjährigen Familienkreuzwegs stand das Symbol des Herzens. Jeder Teilnehmer erhielt ein kleines rotes Papierherz. „Ein Herz bringt die Liebe“, hieß es in der Einführung. „Aber unser Herz kann auch verletzt werden, sich schwer anfühlen.“

Bei der ersten Station, der Verurteilung Jesu, wurde das konkret erfahrbar. Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihr Herz zu knicken. „So fühlt es sich an, wenn unser Herz verletzt ist“, wurde erklärt. „Es ist nicht kaputt, aber es hat einen Knick.“

Besonders die Kinder reagierten unmittelbar. Viele meldeten sich, als nach eigenen Erfahrungen gefragt wurde. „Das war total unfair“, schilderte ein Kind eine Situation aus dem Alltag. Die Verbindung zur biblischen Geschichte wurde so greifbar. „Jesus weiß genau, wie sich Ungerechtigkeit anfühlt“, hieß es. „Er ist unschuldig – und trotzdem schreien die Menschen: ‚Kreuzige ihn!‘“

An der zweiten Station stand das Tragen des Kreuzes im Mittelpunkt. „Was ist manchmal schwer für dich? Was trägst du wie ein Kreuz mit dir herum?“, lauteten die Fragen. Streit, Angst oder Sorgen wurden benannt – leise, aber deutlich.

Dann folgte eine eindrückliche Geste: Die Teilnehmenden konnten ihre Herzen an das große Holzkreuz heften. „Wenn dir gerade etwas auf dem Herzen liegt, dann darfst du es jetzt an das Kreuz bringen“, wurde dazu eingeladen. Nach und nach füllte sich das Kreuz mit den kleinen roten Herzen – ein stilles, aber starkes Zeichen.

Immer wieder wechselten sich Gesang und Gebet ab. „Bleibet hier und wachet mit mir“ erklang an den Stationen, während die Prozession dazwischen weiterzog. Passanten blieben stehen, schauten zu – der Kreuzweg wurde so auch im öffentlichen Raum sichtbar.

Auffällig war die große Beteiligung von Familien. Für viele Kinder war es ein erster bewusster Zugang zur Bedeutung des Karfreitags. Dabei wurde deutlich, dass die Themen des Kreuzwegs auch in ihrem Alltag präsent sind. „Diese Erfahrungen machen auch Kinder schon“, sagte Buß. „Und vielleicht kann man ihnen so auch sagen: Versuch, deinen Weg im Leben anders zu gehen.“

Das Motiv des Herzens zog sich durch den gesamten Weg und darüber hinaus. Es steht in diesem Jahr auch im Zusammenhang mit dem Leitwort des Hessentages „Im Herzen eins“. „Jesus verschenkt sein Herz für uns“, erklärte Buß. „Und wir sollen auch füreinander ein Herz haben.“

Gleichzeitig weist das Symbol über den Karfreitag hinaus: Das Herz wird gebrochen – und an Ostern wieder zusammengesetzt. „Das Herz wird geheilt“, so die Hoffnung.

So endete der Kreuzweg nicht in Dunkelheit, sondern bewusst „im Übergang“ – zwischen Leid und Hoffnung, zwischen Karfreitag und Ostern. Ein Weg, der nicht nur durch die Straßen Fuldas führte, sondern auch viele Menschen innerlich berührte.