Lokales 24.04.2026

Tegut-Übernahme: Entscheidung verzögert sich – Vertiefte Prüfung

Osthessen (jah) – Die geplante Übernahme zahlreicher tegut-Märkte durch Edeka tritt in eine entscheidende Phase ein. Wie das Bundeskartellamt mitteilte, wurde am 21. April 2026 ein sogenanntes Hauptprüfverfahren eingeleitet. Damit verlängert sich die Frist für eine Entscheidung um mehrere Monate – aktuell wird nun bis zum 24. August 2026 geprüft.

Symbolfoto: Görlich Media

Hintergrund sind weitergehende Untersuchungen zur Wettbewerbssituation im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Die Behörde analysiert dabei nicht nur die Auswirkungen auf nationaler Ebene, sondern insbesondere auch regionale Marktverhältnisse. Im Fokus steht die Frage, ob sich durch eine Übernahme die Marktmacht einzelner Anbieter vor Ort zu stark konzentrieren könnte. Neben bereits laufenden Befragungen von Handelsunternehmen sollen auch Lieferanten stärker einbezogen werden. „Unmittelbar nach der Anmeldung des Zusammenschlussvorhabens Edeka/tegut haben wir umfangreiche Ermittlungen eingeleitet“, erläutert Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, gegenüber Osthessen-Zeitung: „Neben der bereits laufenden Befragung aller relevanten Unternehmen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, bereiten wir derzeit auch eine Befragung der Lieferanten des Lebensmitteleinzelhandels vor. Angesichts der hohen Marktkonzentration untersuchen wir die Branche besonders intensiv.“

Edeka hatte die Übernahmepläne bereits Ende März offiziell angemeldet. Bestandteil des Vorhabens ist ein umfangreiches Paket aus 202 Filialen der Marke tegut. Hinzu kommen die „teo“-Märkte, Produktions- und Logistikstandorte sowie weitere Immobilien. Ursprünglich hatte Edeka Interesse an einer vollständigen Übernahme signalisiert, das Paket im laufenden Verfahren jedoch reduziert – auch aufgrund einer möglichen Ablehnung des Antrages durch das Bundeskartellamt.

Während die wettbewerbsrechtliche Prüfung läuft, kommt Bewegung in den Markt: Auch Rewe hat Interesse an einem Teil der Standorte angemeldet und plant, einen Teil der Märkte selbst zu betreiben, während andere an die Discount-Tochter Penny gehen könnten. Darüber hinaus werden weitere Interessenten wie Aldi Nord oder regionale Konzepte gehandelt. Welche Filialen langfristig bestehen bleiben, ist derzeit offen – erste Schließungen einzelner Standorte stehen bereits im Raum.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens laufen im Hintergrund bereits Vorbereitungen. Edeka hat angekündigt, Gespräche mit Beschäftigten von tegut aufzunehmen. Florian Kramm, Geschäftsführer von Edeka Hessenring, betonte, dass der Kontakt zu den Mitarbeitern zeitnah gesucht werde, um Perspektiven aufzuzeigen und Unsicherheiten zu klären. Ziel sei es, frühzeitig Orientierung zu geben – unabhängig davon, ob einzelne Standorte tatsächlich übernommen werden.

Auch bei den Kunden sorgt die Situation für Aufmerksamkeit. Viele fragen sich, ob ihre gewohnten Märkte erhalten bleiben und wie sich das Sortiment verändern könnte. Besonders das ausgeprägte Bio-Angebot von tegut steht dabei im Fokus. Edeka hatte bereits signalisiert, erfolgreiche Produkte genau zu prüfen und das Angebot gegebenenfalls anzupassen.

Fest steht: Eine schnelle Entscheidung ist nicht in Sicht. Die kommenden Monate dürften entscheidend dafür werden, wie sich die Handelslandschaft – insbesondere in Regionen wie Osthessen – künftig aufstellt.