Moderatorin Sabine Steinbeck begrüßte rund 100 Gäste – überwiegend Frauen, aber auch Männer – und zeigte sich erfreut über die vielen neuen Gesichter. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie ein ähnliches Format mit großem Erfolg initiiert, nun setzte sie den Impuls fort. Ihr Anliegen formulierte sie deutlich: „Wir wollen einen Raum schaffen, in dem Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven möglich werden.“ Die Atmosphäre war von Beginn an offen, lebendig und zugewandt – beste Voraussetzungen für einen intensiven Abend.
Sichtbarkeit beginnt lange vor 50
Den Auftakt machte Prof. Dr. Claudia Kreipl von der Hochschule Fulda. „Sichtbarkeit ist kein Zufall und fängt nicht mit fünfzig an“, erklärte sie: „Sie entwickelt sich über die Zeit, wenn man Erfahrung sammelt und Selbstbewusstsein gewinnt.“ Dabei sei es entscheidend, Verantwortung zu übernehmen und Position zu beziehen. „Wenn Frauen sich in einem gesicherten Raum fühlen, haben sie überhaupt keine Probleme zu sagen: ‚Ich habe gestern eine Fehlentscheidung getroffen, aber ich kann daraus lernen.‘“ Kreipl hob hervor, dass gute Teamarbeit auf gemeinsamen Zielen, geteilten Werten und Vertrauen basiere. „Authentisch sein heißt, sich nicht zu verstellen, sondern die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und bewusst einzubringen“, so die Professorin.
Vielfalt als Schlüssel zur Arbeitswelt von morgen
Den Blick auf die Arbeitswelt weitete Denise Otto von der IHK Fulda. „Nicht der Lauteste gewinnt, sondern die beste Idee“, betonte sie und plädierte für mehr Diversität in Unternehmen. „Diverse Teams bringen Innovation und schaffen Zukunftsfähigkeit. Wir brauchen Menschen, die auf Augenhöhe kommunizieren und keine Angst haben, ihre Perspektive einzubringen.“ Otto machte deutlich, dass Vielfalt weit über das Geschlecht hinausgehe: „Es geht um unterschiedliche Herkunft, Erfahrungen, Kulturen und Sichtweisen – nur so entsteht eine Arbeitswelt, die allen gerecht wird.“
Erfahrung als Antwort auf den Fachkräftemangel
Katharina Henkel von der Agentur für Arbeit schilderte die drängende Realität des Fachkräftemangels: „Wir haben in der Region Fulda 35.000 Menschen zwischen 55 und 65, aber nur 25.000 zwischen 15 und 25. Rein rechnerisch fehlen uns einfach Arbeitskräfte.“ Ihre klare Botschaft: Frauen über 50 seien eine oft unterschätzte, aber dringend benötigte Ressource. „Wenn Unternehmen die Potenziale dieser Frauen erkennen und die Frauen selbst ihren Wert darstellen, haben wir eine Win-Win-Situation.“ Henkel betonte: „Wir brauchen alle, die da sind. Jede Hand, jede Frau, jeder Mann – alle sind wichtig.“
Hinschauen, handeln, Haltung zeigen
Einen eindringlichen Akzent setzte Sarah Muth vom Frauenhaus Fulda. „Gewalt an Frauen ist kein Randproblem, sie geschieht täglich unter uns – in Partnerschaften, in Familien, im öffentlichen Raum“, warnte sie. „Wir brauchen Solidarität für die Betroffenen. Scham muss die Seite wechseln – weg von den Betroffenen, hin zu den Tätern.“ Muth unterstrich, dass Gewalt alle Altersgruppen betreffe und dass gesellschaftliche Verantwortung und Mut notwendig seien, um Veränderungen zu bewirken: „Jeder kann Teil der Lösung sein.“
Was diese Veranstaltung besonders machte, war nicht nur die Vielfalt der Themen, sondern vor allem die Offenheit im Raum. Zwischen den Impulsen entwickelte sich ein lebendiger Austausch, Fragen wurden gestellt, Erfahrungen geteilt und neue Kontakte geknüpft. Auch nach dem offiziellen Teil blieb man bei Getränken und kleinen Speisen noch lange zusammen, diskutierte weiter und ließ den Abend gemeinsam ausklingen.
So wurde auf dem Frauenberg nicht nur über Sichtbarkeit gesprochen – sie wurde spürbar gelebt. Der Abend zeigte eindrucksvoll, dass Frauen über 50 weder unsichtbar noch am Rand stehen. Im Gegenteil: Sie sind ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft und der Arbeitswelt – mit Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen, die dringend gebraucht werden.
