Lokales FD 27.04.2026

Seltene Auszeichnung: Dorflinde Harbach ist Nationalerbe-Baum

Hilders (sk) – Insgesamt soll es in Deutschland nur 100 Bäume geben, die Nationalerbe-Baum werden. Am Samstag wurde in dem kleinen Hilderser Ortsteil Harbach die dortige Dorflinde offiziell als Nummer 57 ernannt. Die Plakette dazu wurde vom ältesten Harbacher Emil Vogler enthüllt.

Die Dorflinde in Harbach ist einer von nur 100 Nationalerbe-Bäumen, die es in Deutschland geben soll. Foto: Stefan Krug.

Von links: Alexandra Ballweg, Thorsten Raab, Hermann Müller, Andreas Roloff und Ronny Günkel.

Harbach besteht aus etwa zehn Höfen und Häusern, es gibt keine Straßennamen – aber eine außergewöhnlich aktive Dorfgemeinschaft und nun auch ein Nationalerbe. Mitten im Dorf steht, seit hunderten Jahren, die jetzt offiziell auch so benannte Dorflinde. Ausgesucht werden die geplant 100 Nationalerbe-Bäume von Prof. Andreas Roloff, der die Linde mit ihren acht Meter Stammumfang einen „wahrlich würdigen Prachtbaum” nannte. Das Alter des innen hohlen Baums wurde von ihm auf rund 500 Jahre geschätzt. Verbunden mit der Anerkennung ist auch eine finanzielle Förderung für Erhalt und Pflege. Weitere Nationalerbe-Bäume im näheren Umkreis wird es nicht geben – die rund 100 geplanten Bäume, werden räumlich gleichmäßig verteilt über alle Bundesländer und es gibt deutlich mehr Landkreise als Nationalerbe-Bäume.

Der Hilderser Bürgermeister Ronny Günkel begrüßte die vielen Gästen, die gekommen waren, „um einen Baum zu würdigen und herauszustellen”. Er beschrieb den Weg dazu aus Sicht der Gemeinde, die auch Besitzer des Grundstücks ist. Bei Roloff, der in Deutschland für die Auszeichnungen verantwortlich ist, angemeldet hatte den Baum eine Familie aus Meißen in Brandenburg. Der spätere Kontakt mit Roloff sei sehr angenehm gewesen berichtete Günkel und dankte: „Ihre Weitsicht und Ihr Engagement waren stets spürbar.” Er freute sich, dass durch die Auszeichnung auf Hilders aufmerksam gemacht werde, und verband es mit der Hoffnung auf viele Besucher.

Kreisbeigeordneter Hermann Müller zeigte sich stolz über die Auszeichnung: „Nationalerbe-Bäume sind in der Regel Uralt-Bäume. Solch einen beeindruckenden Baum haben wir hier. Das er hier steht zeugt auch von der Pflege durch die Harbacher.” Thorsten Raab, Geschäftsführer des Biosphärenreservats Rhön, nannte den Baum auch für das Biosphärenreservat etwas Besonderes: „Er steht auch für unser Motto: Mensch und Natur im Einklang. Das ist hier gelungen.” Er wünschte, dass viele die Auszeichnung zum Anlass nehmen, bewusst zu kommen und ihn anzuschauen.

Für die umliegenden Bürgermeister und die Tourismus-AG sprach Alexandra Ballweg (Poppenhausen). Schon auf ihrem Hinweg mit dem Fahrrad habe sie bewusst bei weiteren Bäumen angehalten: „Wir haben hier viele wunderschöne Bäume. Es freut mich, dass jetzt viele kommen, um die Wunder der Natur zu respektieren.” Sebastian Müller, im Landtag auch forstpolitischer Sprecher lobte die Harbacher: „Die jahrhundertelange Pflege zeigt, dass hier Dorfgemeinschaft funktioniert. Auch die heutige Veranstaltung zeigt, dass man in Harbach zusammenhält.”

Dem schloss sich Roloff an, der sich erfreut zeigte über das bisher größte Besucherinteresse bei seinen bisher zehn Ernennungen. Dass es in Deutschland so wenige alte Bäume gebe, er nannte als Vergleich über 100 tausendjährige Exemplare in England und mittlerweile gerade einmal vier in Deutschland, führte er auf die Mentalität zurück, zum Beispiel übertriebenen Rückschnitt aus Gründen der Verkehrssicherheit: „Wollten sie diesen Baum hundertprozentig sicher machen, wäre er nur noch die Hälfte.”

Er habe die Linde von Anfang an sehr spannend gefunden. Der Baum stehe markant erhöht auf einer Böschungsnase mit einer 70 Zentimeter hohen Mauer, der Stammfuß sei darum etwa 1,50 Meter erhöht über der Hauptstraße und einer Hofeinfahrt, und der Baum wirke dadurch noch gewaltiger als er mit seinen über acht Metern Stammumfang sowieso sei: „Der Baum ist eine Sommer-Linde mit sehr dickem Stamm. Seriöse Altersangaben zum Baum – wie fast immer alles Schätzungen, da die Pflanzung nicht dokumentiert ist und man keine Jahrringe zählen kann, denn der Baum ist komplett hohl, sind Angaben von 400 bis 600 Jahren, wir landen in der Mitte bei etwa 500 Jahren, da der Baum auf einer erhöhten Böschungsnase steht mit begrenztem Wurzelraum und wenig Wasser.  Die große Besonderheit neben ihrer Dimension ist die Verwachsung zweier dicker Äste auf der Hinterseite der Krone, die sich vor langer Zeit ständig berührt und bei Wind etwas aneinander gescheuert haben, um dann in der Folge miteinander zu verwachsen. Das sieht heute wie eine umgekehrte Astgabel aus, die sich nicht wie üblich nach oben teilt, sondern wo der Wasserstrom sich aus zwei Ästen vereinigt und gemeinsam weiter zu den Blättern fließt. Eine sehr interessante baumbiologische Erscheinung, die in dieser Dimension mit über zehn Zentimetern Astdicke sehenswert ist.” Besonders lobte Roloff auch die bisherige Baumpflege, seit 2015 ausgeführt von Stefan Maiwald aus Eckweisbach, der auch der einzige Baumsachverständige im Landkreis ist. Die Linde soll zukünftig als Beispiel zur Baumpflege und -erhaltung dienen. Wie Roloff erläuterte, sind viele der uralten Bäume in schlechten Zustand, bei manchen mussten Rettungsmaßnahmen ergriffen werden.

Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag vom Musikverein Lyra Eckweisbach und auf der vollen Straße wurde noch länger, nicht nur von den Harbachern, welche ein großes Fest organisiert hatten, gefeiert.