Gelernt hat Andreas Kugler das Handwerk bei seinem Onkel. Nach dem Besuch der Meisterschule folgte schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit. „Selbstständig arbeiten war immer meins“, betont Kugler rückblickend.
Sein Arbeitsalltag folgt zumeist einem festen Rhythmus. Das Entfernen alter Sohlen, das Anfügen neuer Rahmen sowie das Aufsetzen frischer Sohlen gehören ebenso zu seinem Repertoire wie das Einsetzen von Futter oder verschiedene Näharbeiten an Schuhen. Auch Ledertaschen oder Gürtel sind bei ihm gut aufgehoben. Die größte Freude bereitet ihm dabei die Restauration. Am meisten Spaß mache ihm, wenn er einen totgeglaubten Schuh neu restaurieren könne und den Kunden damit überrasche. Besonders auf Wanderschuhe hat er sich spezialisiert. Zahlreiche Kunden lassen ihr Schuhwerk bei ihm für große Vorhaben wie eine Alpenüberquerung oder den Jakobsweg instandsetzen.
Für die Langlebigkeit von Schuhen hat der erfahrene Fachmann einen klaren Rat parat: „Wenn es möglich ist, würde ich den Kunden immer raten, den Qualitätsschuh zu kaufen.“ Als Beispiel führt er die „Handmacher Schuhe“ an, die er auch in seinem Geschäft anbietet. Diese seien durch die hohe Qualität zwar etwas teurer, doch die Investition lohne sich auf Dauer deutlich mehr als die kostengünstigere Variante. Billige Modelle müssten oft frühzeitig nachgekauft werden. Bei den hochwertigen Schuhen hingegen, die er eigens für seinen Laden konfigurieren und anfertigen lässt, ist eine Erneuerung der Sohle jederzeit sinnvoll. Sollte die Entscheidung dennoch auf kostengünstigere Schuhe fallen, wäre zumindest wichtig, dass eine „gescheite Einlegsohle“ benutzt werde. „Das Wichtigste ist es eigentlich, Schuhe abwechslungsreich zu tragen“, so der Schuhmacher. Er rät dazu, das Schuhwerk innerhalb der Woche häufig zu wechseln.
„Ich bin der einzige Schuhmacher in Fulda“, stellt der Betreiber fest. Den Begriff „der Letzte“ möchte er dabei bewusst nicht verwenden, da dies nach einem endgültigen Ende klinge. „Mein Sohn macht das sehr wahrscheinlich weiter“, so Kugler. Das Viertel rund um seinen Laden gilt traditionell als Schuhmacherviertel – eine Historie, die damit auch in Zukunft aufrechterhalten wird. „Früher gab es Schuhmacher in jedem Dorf, so wie es auch Metzger oder Bäcker gab“, erinnert er sich. Dass dies heute anders ist, liegt unter anderem an der Flut von Billigschuhen, bei denen eine professionelle Restaurierung kaum noch notwendig ist, da die neue Sohle meist mehr als der Schuh koste. Auch dass lange Zeit nicht mehr auf Lederschuhe gesetzt wurde, habe dem Geschäft zusätzlich wehgetan.
Dagegen sieht der erfahrene Schuhmacher aber wieder einen Trend zurück: „Die Moderatoren im Fernsehen tragen wieder feine Schuhe und weniger Sneakers“, schmunzelt Kugler. Auch auf Hochzeiten sei dieser Stil wieder im Kommen. Mit Blick auf die ausbleibende Konkurrenz zeichnete er ein klares und realistisches Bild: Wenn es noch weitere drei Schuhmacher in der Stadt gäbe, müssten alle zumachen. „Für mich alleine ist es ausreichend“. Und abwechslungsreich: Er bearbeitet Aufträge, die sich alle in Art und Aufwand unterscheiden.
