Fußball 08.04.2026

Regionalliga – Barockstadt-Lehrstunde in Sachen „Spirit“

Fulda (pf) – Enge Spiele bietet die Regionalliga Südwest Woche für Woche, doch im Moment nimmt die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz aus solchen jene Punkte mit, die dafür sorgen, dass auch nächste Saison Regionalliga-Fußball in der Johannisau gespielt wird. In der aktuellen Form und nach zwei Erfolgen gegen Kickers Offenbach ist die Brust noch breiter, sodass sich aktuell wohl niemand um die SGB sorgen muss.

Auch etwas artistisch erkämpften sich Hans Nunoo Sarpei und die SGB den Heimsieg gegen Offenbach. Foto: Christine Görlich

Es war ein runder Nachmittag in der Johannisau: Familientag mit regem Betrieb, die Sonne kam während des Spiels auch raus, und nach einem zähen Ringen glückte Tobi Göbel der Siegtreffer gegen die Kickers aus Offenbach vor über 2700 Zuschauern. Es war der zweite Triumph gegen den OFC nach dem Sieg im Hessenpokal-Halbfinale anderthalb Wochen zuvor. Zwei Pflichtspiel-Siege in Serie gegen Offenbach hatte noch kein Team aus Osthessen jemals zustande gebracht. „Das Historische ist natürlich schön, aber für uns am Ende zweitrangig. Wir wollen weiterhin erfolgreich sein und unseren Weg weitergehen“, unterstreicht Trainer Daniyel Cimen.

Und der richtige Weg scheint gefunden: Die SGB ist mit 22 Punkten in zehn Partien Dritter der Rückrundentabelle, besser sind nur die beiden verbliebenen Aufstiegskandidaten Freiberg und Großaspach. Defensiv hielt Fulda nun zweimal gegen Offenbach über 90 Minuten die Null. Nicht zuletzt deshalb hatten sich Cimens Jungs zwei freie Ostertage verdient. „Die Mannschaft hat sich einfach belohnt“, freut sich der Trainer, ist aber auch realistisch: „Das war so ein 50:50-Spiel, was auch Offenbach letztlich gewinnen kann. Viele solcher Spiele haben wir in der Hinrunde unentschieden gespielt, aber momentan ziehen wir sie. Das ist natürlich schön, gerade auch vor der Kulisse“. Ein Etappenziel, das sich die Barockstadt im Winter gesteckt hatte, war eine erfolgreichere Heimbilanz. Der Start gegen Schott Mainz ging zwar schief, doch seither gab es drei Heimsiege in Folge.

Werbung für das Hessenpokalfinale gegen Wehen Wiesbaden macht die SG Barockstadt derzeit also genug. Werbung für sich selbst wollte aber auch Kevin Hillmann machen, der nur wenige Wochen nach seinem Bruch im Ellbogen von Anfang an auf dem Rasen in der Johannisau stand und den angeschlagenen Sebastian Schmitt bravourös ersetzte. Der Verein hatte die Vertragsverlängerung erst im Februar verkündet, dort sagte Patrick Schaaf über Hillmann, er stehe sinnbildlich für die charakterlichen Eigenschaften, die im Team erwartet werden. Und der Linksverteidiger kämpfte sich nicht nur schnell, sondern auch stark zurück: „Es ging früher als gedacht, aber es war auch kein so großer Bruch, sondern nur ein kleiner Knochen. Natürlich kann da wieder was passieren, wenn man blöd darauf fällt. Aber er hatte in der Woche davor nicht den Eindruck gemacht, dass es ihn beeinflusst, und war nochmal bei einem Kontroll-MRT: Es ist alles zusammengewachsen“, berichtet Trainer Cimen.

Ein Lob für die Fuldaer gab es auch schon nach Abpfiff von OFC-Seite: Chefcoach Mark Zimmermann bedauerte auf der Pressekonferenz, dass er den „Spirit“ auf Barockstadt-Seite unabhängig vom Heimvorteil etwas mehr gespürt habe, als beim eigenen Team, und war selbst enttäuscht, dass die Offenbacher nicht an das 2:0 gegen Sandhausen anknüpfen konnten: „Das beschäftigt mich schon, weil wir innerhalb einer Woche eine 180-Grad-Drehung hingelegt haben, was Leidenschaft, Intensität und Gier angeht“. Die fehlende Konstanz war auch vor seinem Amtsantritt am Bieberer Berg immer wieder Thema rund um den Traditionsclub. „Wir haben das Tor nicht erzwungen. Wenn das nicht fallen will, musst du dein Tor mit Leidenschaft verteidigen. Dann spielen wir halt 0:0, aber beim Gegentor haben wir auch schlecht verteidigt“.