Am 8. April findet international der Tag der Provenienzforschung mit zahlreichen Veranstaltungen statt. Das Vonderau Museum nutzt das Objekt des Monats, um eine Quelle hierzu vorzustellen: Auktionskataloge sind eine wichtige Quelle für die Provenienzforschung, die nach der Herkunft eines Objektes fragt. Der Katalog listet die einzelnen Kunstobjekte auf und dient vor der Versteigerung zur Information, während der Auktion für Notizen und Gebote. Der Auktionator führt entweder ein eigenes Protokoll oder nutzt das sogenannte Handexemplar des Auktionskatalogs, um die Käufer und erzielten Preise zu notieren.
In diesem Fall handelt es sich um ein historisches Handexemplar des Auktionskatalogs, den das renommierte Kunst- und Auktionshaus Hugo Helbing am 27., 28. und 29. Mai 1935 in München durchführte. Auf dem Umschlag findet sich das Kürzel MD der Comptoristin bei Helbing, „Fräulein“ Marie Ducrue (*1875). Der jeweilige Katalogeintrag nennt die Nr. des Objektes, gibt eine Kurzbeschreibung sowie Maße an. Die kleine Zahl in Klammern verweist auf den Verkäufer, dessen Name verschlüsselt wurde. Die handschriftlichen Bemerkungen wiederum nennen den Käufer und den Preis: Für die beiden Objekte aus Fuldaer Porzellan oder Fayence Nr. 307 (zwei Vasen) und Nr. 310 (zwei Porzellanleuchter) wird der Verkäufer unter der Nr. 13505 „E.M.“ genannt. Vergleicht man die Information mit einem weiteren Handexemplar Helbings, dann findet sich dort Ernst Maier (Fulda). Der Käufer wiederum ist ein Herr Bayerlein. Damit werden für diese beiden Objektgruppen die Provenienz ersichtlich, und es kann geklärt werden, ob das Objekt Raubkunst sein könnte, also NS-verfolgungsbedingt entzogen wurde.
Das Handexemplar ist insofern besonders, als der Gründer des Auktionshaus Hugo Helbing (1863-1938) während des Nationalsozialismus als Jude verfolgt, schwer misshandelt an seinen Verletzungen 1938 starb. Seine gesamten Geschäftsunterlagen und Handexemplare der Auktionen verschwanden zunächst spurlos, ehe ein Großteil 2016 als private Schenkung an das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München gelangten. Zusammen mit der Universität Heidelberg wurden diese wichtigen Quellen digitalisiert und online gestellt. Auch Bücher wie hier ein Auktionskatalog haben ihre eigene Geschichte. In der Nachlassbibliothek Kramer finden sich drei Handexemplare aus dem Auktionshaus Helbing. Einer trägt den Stempel der Polizeidirektion München, wodurch die Beschlagnahme 1938 deutlich wird. Das hier ausgestellte Handexemplar wird mittelfristig an die Erben nach Helbing restituiert werden können, und als Digitalisat der internationalen Provenienzforschung zur Verfügung gestellt.
