Armin Beck, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), erklärt: „Bereitschafts- und Rettungsdienst werden im SaN-Projekt bei der Akut- und Notfallversorgung endlich so verzahnt, dass der medizinische Bedarf im Vordergrund steht und der Patient in die richtige Versorgungsebene gesteuert werden kann.“ Gesundheitsministerin Diana Stolz betont: „Mit dem neuen System kommen Patienten direkt an die richtige Stelle – damit werden Rettungsdienst und Notaufnahmen entlastet.“
In Hessen startet das SaN-Projekt nun in drei Pilotlandkreisen in den Echtbetrieb. Voraussetzung ist ein durchgehend digitaler Prozess, der eine Fallübernahme und -übergabe zwischen den Leitstellen des Rettungsdienstes und der Disposition des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ermöglicht. „SaN“ steht für „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“ und soll die Patientensteuerung in der Akut- und Notfallversorgung verbessern.
Die Ministerin erklärte bei einem Termin in der Rettungsleitstelle in Hofheim am Taunus: „Hinter dem SaN-Projekt steckt eine einfache Idee: Wer medizinische Hilfe braucht, soll künftig schneller an die richtige Stelle geleitet werden. So bekommen Patienten die passgenaue Hilfe, die sie brauchen – bei gleichzeitiger Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen.“
Vor Ort informierten sich unter anderem Gesundheitsministerin Diana Stolz, KVH-Vorstand Armin Beck, Prof. Steffen Gramminger (Hessische Krankenhausgesellschaft) sowie Claudia Ackermann (vdek) über den Ablauf des Projekts. Auch Vertreter der beteiligten Landkreise sowie der Rettungsdienste waren anwesend.
Bislang sei es häufig so, dass Patientinnen und Patienten direkt den Rettungsdienst (112) wählen oder in die Notaufnahme gehen, obwohl eine ambulante Behandlung ausreichend wäre. Das führe zu steigenden Einsatzzahlen, überfüllten Notaufnahmen und einer hohen Belastung des medizinischen Personals.
„Rettungsdienst und Notaufnahmen dürfen nicht mit Fällen überlastet werden, die dort nicht hingehören“, so Stolz. „Umgekehrt müssen Patienten nicht mehr stundenlang an der falschen Stelle warten und werden richtig gelotst.“
Auch Armin Beck hebt die neue Struktur hervor: „Die zentrale Innovation des Projektes ist das Denken der medizinischen Versorgung von Not- und Akutfällen als Ganzes, ganz unabhängig davon, welche Anlaufstelle eine Hilfe suchende Person zuerst kontaktiert. Egal ob der Rettungsdienst über die 112, der Akut- und Terminservice der KVH über die 116117 oder die Notaufnahme eines Krankenhauses: im SaN-Projekt werden die Dringlichkeit und der Versorgungsbedarf der Hilfesuchenden qualifiziert ersteingeschätzt und diese so in die bedarfsgerechte medizinische Versorgung gesteuert. Das kann die rettungsdienstliche Versorgung im kritischen Notfall sein, das kann kurzfristig eine geeignete Praxis, aber auch die hausärztliche Versorgung am nächsten Tag sein, je nach festgestelltem, tatsächlichem Bedarf. Und da die Prozesse jetzt durchgängig digitalisiert sind, können Patientinnen und Patienten in diesem Steuerungsprozess auch nicht mehr „verloren gehen“.“
Prof. Dr. Steffen Gramminger bezeichnet das Projekt als wichtigen Schritt hin zu einer besseren Zusammenarbeit der Versorgungsbereiche. Entscheidend sei jedoch, dass die Rahmenbedingungen auch langfristig stabil bleiben.
Claudia Ackermann ergänzt: „Mit dem SaN-Projekt wird erstmals eine durchgängige, patienten- und bedarfsorientierte Steuerung möglich. Hilfesuchende werden gezielt dorthin geleitet, wo sie medizinisch richtig aufgehoben sind. Patientinnen und Patienten, die keine stationäre Behandlung benötigen, können direkt in einer niedergelassenen Arztpraxis behandelt werden, ohne dass ein Transport in ein Krankenhaus notwendig ist.“
Die Ersteinschätzung erfolgt dabei im Rettungsdienst und in der Notaufnahme über das digitale Medizinprodukt „SmED“ (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland), das eine einheitliche Bewertung der Dringlichkeit ermöglicht.
Das Projekt läuft aktuell in den Landkreisen Main-Taunus, Main-Kinzig und Gießen. Alle Beteiligten begrüßten den Start der Praxisphase. Ministerin Stolz dankte abschließend allen Partnern für die Zusammenarbeit: „Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn alle Akteure im Gesundheitswesen partnerschaftlich an einem Strang ziehen.“
