Lokales FD 24.04.2026

MIT setzt auf Dialog: „Gemeinsam Mensch“ im Antonius-Café

Fulda – Von Silas Messing – Gespräche, leises Stimmengewirr, ein offenes Miteinander: Im Antonius-Café in Fulda-Maberzell wurde am Donnerstagabend nicht nur informiert, sondern auch zugehört. Unter dem Leitmotiv „Gemeinsam Mensch“ hatte die MIT eingeladen, um Einblicke in die Arbeit der Stiftung Antonius zu geben – und um zu zeigen, wie sich Inklusion in der Region konkret entwickelt.

Foto: Silas Messing.

Zum Auftakt begrüßte Marc Dechant aus dem Präsidium der MIT die Gäste. „Herzlich willkommen bei Antonius – Gemeinsam Mensch ist unser Motto heute Abend“, sagte er. Ziel sei es, nicht nur über Projekte zu sprechen, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen.

Dabei wurde schnell deutlich: Für Dechant ist das Thema mehr als ein Programmpunkt. Seit vielen Jahren ist er in unterschiedlichen Funktionen mit der Stiftung verbunden, seit rund fünf Jahren auch im Stiftungsrat. „Bei einer internen Tagung haben wir selbst festgestellt, wie groß diese Entwicklung eigentlich ist“, sagte er. „Wir waren überrascht, wie viel Geschichte und Wandel in Antonius steckt.“

Wie dieser Wandel konkret aussieht, erläuterte im Anschluss Geschäftsführer Rainer Sippel. Seine Darstellung machte deutlich, dass hinter der heutigen Struktur ein langer Prozess steht. „Von Anfang an gab es eine große Vision – auch wenn die Mittel damals sehr begrenzt waren“, sagte er. Trotz Krisen habe sich Antonius stetig weiterentwickelt und verstehe sich heute als inklusiver Träger mit klarer gesellschaftlicher Haltung. Dabei gehe es um mehr als Unterstützung: „Behinderung ist keine Krankheit, sondern eine soziale Frage“, betonte Sippel. Entscheidend sei, Teilhabe im Alltag und im Arbeitsleben konsequent zu ermöglichen.

Ein zentraler Baustein dafür ist der Bereich Bildung und Arbeit. Kinder mit Behinderung könnten heute selbstverständlich Regelkindergärten besuchen – ein Fortschritt, der vor einigen Jahren noch nicht selbstverständlich gewesen sei. Auch im Arbeitsleben setzt Antonius auf neue Wege: Projekte wie „Perspektiva“ oder Teilqualifizierungen im gastronomischen Bereich sollen individuelle Stärken in den Mittelpunkt stellen. „Jeder Mensch soll die Chance haben, dort zu arbeiten, wo seine Fähigkeiten liegen“, so Sippel.

Was das konkret bedeutet, zeigte ein persönlicher Beitrag: Teilnehmer Samuel berichtete von seinem eigenen Weg in die Selbstständigkeit. „Ich wohne jetzt eigenständig und muss alles selbst organisieren – vom Kochen bis zum Waschen“, sagte er. Derzeit absolviert er Praxistage im Café Ideal und befindet sich im sogenannten Startbahnjahr mit dem Ziel einer Teilqualifizierung in der Gastronomie.

Neben bestehenden Angeboten wurden auch zukünftige Projekte vorgestellt. Dazu gehört unter anderem „er:wachsen“, der geplante Bau einer Bio-Gemüsegärtnerei als barrierefreier Arbeitsort in Fulda. Auch die Weiterentwicklung des Frauenbergs sowie das Fuldaer Entenrennen im Rahmen des Hessentags 2026 waren Thema des Abends. Ergänzend wurde der „Fuldaer Weg“ beleuchtet – ein Ansatz, der die besondere Ausrichtung inklusiver Projekte in der Region beschreibt.

Doch bei aller inhaltlichen Dichte blieb der Abend nah an seinem eigentlichen Anspruch: Begegnung zu schaffen. Zum Abschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit, bei Getränken und Snacks ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Eindrücke zu vertiefen. So wurde aus einer Informationsveranstaltung mehr als ein Überblick über Projekte. Es war ein Abend, der zeigte, wie viel Bewegung in einem Thema steckt, das oft abstrakt bleibt – und wie konkret Inklusion werden kann, wenn Menschen sie gemeinsam gestalten.

„Gemeinsam Mensch“ von der MIT im Antonius-Café. Fotos: Silas Messing.