Neben den drei Wohnhäusern gibt es in der Lebensbrücke noch eine Tagesstätte, in welcher die Klienten der Einrichtung tagsüber handwerklich oder kreativ tätig sein können. Die Plätze könnten alle belegt sein, wie die Leiterin Tina Werrbach berichtete, fehlt es aber teilweise an Fachkräften zur Betreuung. Geschäftsführer Stefan Burkard konnte sogar von einer langen Warteliste berichten, auch weil die Einrichtung in ihrer Form sehr selten, wenn nicht sogar einmalig in Deutschland sei. Hier wohnen nur Menschen mit Autismus, die ganz besondere Ansprüche an ihr Umfeld haben. In anderen Einrichtungen, so auch in Tann unter gleicher Trägerschaft, seien Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen untergebracht.
Stefan Burkard, Geschäftsführer der Tanner Diakonie, konnte zur Namensgebung kurz nach dem Welt-Autismustag, neben Bewohnern und Mitarbeitern auch Bürgermeister Dr. Steffen Korell begrüßen. Nicht nur an diesen richtete er seine Worte. Seit sieben Jahren seien die Häuser nun schon bewohnt und Burkard lobte auch die Umgebung: „Es ist mir wichtig dankeschön zu sagen, wie gut wir von der Stadt und den Bürgern angenommen wurden.” Nachdem jetzt jahrelang nur von Haus 2, Haus 3 und Tagesstätte gesprochen wurde, sei es endlich gelungen, den Häusern einen Namen zu geben. Dazu seien Bewohner und Mitarbeiter aufgefordert worden, Vorschläge zu machen. Nur wenige Anforderungen, wie eine leichte Aussprache oder ein biblischer Kontext hätten die Kreativität eingegrenzt. Aus mehr als 30 Vorschlägen pro Haus wurde eine Vorauswahl getroffen. In der folgenden Abstimmung seien 92 Stimmen abgegeben worden: „Die hohe Beteiligung zeigt das Interesse, welches sie an ihren Häusern haben.”
Auch der Gersfelder Bürgermeister Dr. Steffen Korell lobte die Zusammenarbeit zwischen der Einrichtung, der Stadt und der Bevölkerung: „Während meiner gesamten Amtszeit habe ich noch nicht eine kritische Stimme zu ihrer Einrichtung gehört. Wir sind froh, dass sie da sind.” Dies gelte nicht nur wegen der Arbeitsplätze. Immerhin arbeiten siebzig Personen in der Lebensbrücke: „Ihre Klienten sind eine echte Bereicherung für die Stadt Gersfeld.”
Als Fachbereichsleiterin der Lebensbrücke übergab Tina Werrbach dann die Schilder an die Gruppen. Teamleiter Lukas Moeller vom bisherigen Haus 3 erhielt das Schild mit „Haus Gabriel“ und erläuterte: „Gabriel bedeutet ‚Gott ist meine Stärke’. Das können wir gut gebrauchen”. Haus 2 heißt ab jetzt „Haus Johanna“. Teamleiter Sebastian Wagner freute sich, da es auch sein Vorschlag war: „Mit Johanna haben wir jetzt auch einen weiblichen Namen. Die Bedeutung ‚Gott ist gnädig’ spüren wir hier jeden Tag.” Für die Tagesstätte erhielt Teamleiterin Nadja Köhler das Schild mit dem neuen Namen „Haus Arche“: „Arche steht für Zusammenkommen. Und genau dieser Ort ist unser Haus Arche.”
Am Rande der Veranstaltung führte Lukas Moeller durch die Räumlichkeiten, die alle auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Autismus ausgerichtet sind: „Wir arbeiten sehr viel mit Bildkarten. Das Leben ist für unsere Klienten sehr strukturiert und nach Plan.” Jeder der Klienten hat ein eigenes Zimmer, individuell nach seinen Bedürfnissen eingerichtet und es gibt einen gemeinsamen Wohn- und Essbereich. In der Tagesstätte stehen ein Kreativraum, ein Klangraum, eine Holzwerkstatt und ein Musikraum zur Verfügung. Die dort geschaffenen Werke werden auch außerhalb angeboten, beispielsweise auf dem Gersfelder Weihnachtsmarkt. Abschließend erklärte Moeller: „Letztlich geht ein großer Dank an die Kollegen, die hier Tag für Tag schwierige Situationen meistern und Entscheidungen treffen müssen.” Es sei aber auch eine tolle Aufgabe. Es würde häufig unterschätzt, was Tag für Tag geleistet werde. Moeller weiter: „Diagnose Autismus bedeutet auch, dass sich die Klienten schwer mit Sozialkontakten tun. Sie brauchen viel Assistenz. Mit den Bewohnern gehen wir jede Woche einkaufen in die Stadt, wo diese sich ihren persönlichen Bedarf in den Geschäften besorgen. Wir nutzen den Schlosspark, wir gehen in den Tierpark und versuchen auch an öffentlichen Veranstaltungen mit dabei zu sein. Wir merken, dass sich Gersfeld mit auf den Weg macht und wir auf viel Verständnis treffen. Viele kennen uns nach der Zeit und grüßen freundlich. Insgesamt fühlen wir uns in Gersfeld gut aufgenommen.”
