Lokales FD 24.04.2026

„Lebendige Spuren - Jüdisches Leben entdecken“ - Neue Ausstellung

Fulda (pm/gü) – Unter dem Titel „Lebendige Spuren – Jüdisches Leben entdecken“ ist ab dem 6. Mai bis Ende September eine ganz besondere Ausstellung an verschiedenen Orten der Fuldaer Innenstadt zu erleben. Sie rückt zwölf jüdische Persönlichkeiten aus den 1920er- und 1930er-Jahren in den Mittelpunkt, die das Leben in Fulda in Wirtschaft, Kultur, Sport, Politik und Religion maßgeblich mitgestaltet haben. Sie zeigt eindrucksvoll, wie sehr die Stadt durch diese Menschen geprägt wurde. Die Eröffnung findet am Mittwoch, 6. Mai, um 18 Uhr auf dem Universitätsplatz statt.

Foto: Stadt Fulda/studio frost

Vom 6. bis 11. Mai sind die lebensgroßen Silhouetten auf dem Universitätsplatz zu sehen, bevor sie an ihre Standorte in der Innenstadt wandern und dort bis Ende September erlebbar bleiben. Jede Silhouette ist mit einem QR-Code versehen, der den Besucherinnen und Besuchern Zugang zu weiterführenden Informationen, Bildern und Dokumenten bietet. Die Ausstellung verzichtet bewusst darauf, die Personen auf ihre Verfolgung oder Opferrolle zu reduzieren, und zeigt sie als facettenreiche Persönlichkeiten mit ihren Talenten, Träumen und beruflichen Meilensteinen. Historische Originalfotos wurden mit moderner Technik lebendig rekonstruiert, um eine Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen. Die Ausstellung erinnert daran, dass jüdisches Leben seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil Fuldas ist. Die NS-Zeit versuchte, diese Präsenz auszulöschen – „Lebendige Spuren“ holt diese Menschen und ihre Geschichten zurück ins öffentliche Bewusstsein und würdigt ihre prägenden Beiträge für die Stadtgesellschaft.

Die Idee zu diesem Projekt stammt von Anja Listmann, die für die fachliche Kuratierung und Zusammenstellung verantwortlich zeichnet. Dr. Thomas Heiler, ehemaliger Leiter des Kulturamts und langjähriger Stadtarchivar, unterstützte das Vorhaben beratend und organisatorisch. Die Gestaltung übernahm Reini Biensteiner von „Studio Frost – branding & communication“. Zur „Ausstellung im Freien“ gehört auch ein Rahmenprogramm mehreren Kuratorinnenführungen, auch im Rahmen des Hessentags. Nach Ende der Ausstellung im September kann die Wanderausstellung von Schulen, Vereinen und Gemeinden ausgeliehen werden.

 

Erste Reaktionen zur Ausstellung

Ofra Givon, Enkelin der porträtierten Lina Flörsheim, beschreibt das Ausstellungskonzept als „ein echtes Wow-Erlebnis“, das die Menschen fast lebendig erscheinen lässt. Sie empfindet es als große Ehre, dass ihre Großmutter, obwohl sie keine herausgehobene Rolle in der Gemeinde hatte, Teil der Ausstellung ist. Für sie bedeutet die öffentliche Anerkennung eine wichtige Würdigung ihrer Familie als festen Teil der Gemeinschaft. Ethan Bensinger, Verwandter von Dr. Abraham Trepp, freut sich über die öffentliche Würdigung der jüdischen Gemeinde in Fulda. Es sei keine Ausstellung, die sich ausschließlich auf die Besten und Klügsten der jüdischen Bürgerinnen und Bürger konzentriert. Vielmehr wirft jede Silhouette ein Licht auf die Geschichte einer Person, die auf ihre eigene Weise eine prägende Spur im Gefüge der jüdischen Gemeinde Fuldas im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hinterlassen hat.

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hebt hervor, wie innovativ die Ausstellung mit künstlicher Intelligenz arbeitet, um historische Fotos realistisch zu rekonstruieren. Die Ausstellung macht sichtbar, wie tief verwurzelt jüdische Familien in Fulda sind und zeigt sie als festen Bestandteil der Stadtgesellschaft. Sie regt dazu an, jüdisches Leben nicht nur als Vergangenheit, sondern als lebendigen Teil der Gegenwart zu begreifen. Die 20-jährige Leni Manthey (Projektgruppe Jüdisches Leben) ergänzt, dass die Ausstellung die ganze Bandbreite jüdischen Lebens zeigt – von Gemeinschaft und Fürsorge bis zu Ängsten und Verfolgung. Besonders berührt hat sie die Geschichte von Dina Feldheim, deren Mut und Großzügigkeit auch in dunklen Zeiten strahlen.

Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.lebendige-spuren.de.