Lokales FD 11.04.2026

Landwirtschaft schlägt Alarm: Hohe Spritpreise fressen Gewinne auf

Osthessen (pk) – Die immens hohen Spritpreise bestimmen bereits seit mehreren Wochen die Schlagzeilen in der gesamten Republik. Doch nicht nur die Portemonnaies der Bürger in Osthessen bluten an den Zapfsäulen – für die Landwirtschaft entstehen daraus mittlerweile existenzielle Probleme.

Symbolfoto: Pascal Fischer

Die hohen Kraftstoff-Preise belasten die Landwirtschaft, erklärt Kreisbauernverbands-Geschäftsführer Sebastian Schramm. Foto: Chrsitine Görlich

Gerade in der Produktion, die im Frühjahr mit voller Intensität anläuft, treffen die drastisch erhöhten Preise die Betriebe besonders hart. Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, erläutert die prekäre aktuelle Situation. Durch die Preissteigerungen ergebe sich „ein riesiges Problem“, zumal es schlichtweg keine kurzfristigen Alternativen zu den herkömmlichen Kraftstoffen gebe. Ausgerechnet im Frühjahr herrscht der Hauptdieselverbrauch vor, da momentan die wichtigste Zeit für die Aussaat – beispielsweise von Mais – sowie für umfangreiche Düngemaßnahmen ist. „Der ein oder andere hat vielleicht einen Vorvertrag für Diesel abgemacht“, so Schramm mit Blick auf die unterschiedlichen Ausgangslagen der Landwirte. Während manche Betriebe eventuell noch über Vorräte verfügen, traf die Erhöhung viele andere unvorbereitet, da mit einem derart rasanten Anstieg in diesem Ausmaß nicht zu rechnen war.

Dünger ein weiterer Kostenfaktor

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Belastungsfaktor sind die Kosten für Düngemittel und weitere benötigte Rohstoffe. „Dünger ist ein enormer Faktor“, betont der Geschäftsführer. Auch in diesen Bereichen, vor allem bei mineralischem Dünger, sind gigantische, teilweise sogar verdoppelte Preissprünge zu verzeichnen, die den Landwirten das Wirtschaften zusätzlich erschweren. Da die Preise für Erzeugnisse auf dem Markt aktuell zu niedrig ausfallen, ergibt sich für die Landwirte kaum noch ein wirtschaftliches Plus.

Forderung an die Politik

Von der Politik wünscht sich der Kreisbauernverband Unterstützung für die Betriebe, bewertet die Lage jedoch realistisch. „Natürlich hoffen wir, dass da etwas kommt“, so Schramm. Ein konkreter Wunsch wäre die Aussetzung der Mineralölsteuer für die Landwirtschaft. „Es ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. Er signalisiert Verständnis dafür, dass bei einer potenziellen Aussetzung auch andere kraftstoffabhängige Branchen, wie etwa Speditionsunternehmen, ähnliche Maßnahmen fordern würden. Ob der Staat dies finanziell auffangen könne, bleibe fraglich. Dennoch sei die Situation kritisch und ein „relativ zügiges“ Handeln erforderlich.

Aktuelle keine Proteste wie 2024

Proteste wie vor zwei Jahren („Traktordemos“), als es insbesondere um die Abschaffung der Steuervergünstigungen beim Agrardiesel ging, gibt es aktuell nicht. „Wenn sich die Situation weiter verschärft, kann man es nicht ausschließen“, so Schramm. Er betonte jedoch erneut den Charakter als allgemeines gesellschaftliches Problem. „Damals war es nicht so einschneidend wie aktuell“, vergleicht Schramm die Lage. Es sei zu differenzieren, dass die aktuelle Erhöhung marktbedingt sei, während die damalige Situation direkt von der Politik gesteuert wurde.