„Sie alle sind heute Abend Ehrengäste“, sagt Bürgermeister Dieter Hornung zur Begrüßung – und meint damit nicht nur die geladenen Gäste, sondern jene, die Burghaun Tag für Tag mitgestalten. Feuerwehrleute, Sportlerinnen, Kommunalpolitiker, Vereinsaktive. Menschen, „die mehr tun, als sie müssen“, wie später Gastredner Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident a.D., formuliert.
Demokratie beginnt vor Ort
Hornung spannt in seiner Rede den Bogen von der Kommunalwahl hin zum Ehrenamt. Stolz verweist er auf die hohe Zahl an Kandidatinnen und Kandidaten: „Für 84 Mandate hatten wir 144 Bewerber. Das zeigt: Demokratie beginnt hier – bei uns vor Ort.“ Gleichzeitig mahnt er: Beteiligung sei keine Selbstverständlichkeit. Sinkende Wahlbeteiligungen seien ein Warnsignal. „Wenn nur noch jeder Dritte wählen geht, dann ist unsere Demokratie tatsächlich gefährdet.“
Doch trotz aller politischen Einordnung bleibt die Botschaft klar: Dieser Empfang ist ein Dankeschön. „Es ist wichtig, nicht zu viele gleichzeitig zu ehren, damit das jahrzehntelange Wirken des Einzelnen nicht in der Masse untergeht“ erklärt der Bürgermeister.
„Der Kitt unserer Gesellschaft“
Mit Volker Bouffier betritt ein erfahrener Beobachter der politischen Landschaft die Bühne – und wird persönlich. „Ich war lange in der Kommunalpolitik – meistens in der Opposition. Das zählt doppelt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Sein Blick auf das Ehrenamt ist klar und eindringlich: „Ich war immer überzeugt: Das Ehrenamt ist der Kitt unserer Gesellschaft.“
Bouffier beschreibt eine Zeit großer Veränderungen – und wachsender Unsicherheit. Umso wichtiger sei das Engagement vor Ort: „Ehrenamt und Vereine machen aus einer anonymen Gesellschaft eine Gemeinschaft. Man kennt sich, man hilft sich, man geht gemeinsam durchs Leben.“ Dabei gehe es nicht nur um Organisation oder Struktur, sondern um Haltung: „Stellen Sie sich vor, jeder würde nur das machen, was er muss. Dann wäre diese Gesellschaft nicht nur ärmer – sie wäre kälter.“
Besonders hebt er diejenigen hervor, die Verantwortung übernehmen – auch in der Kommunalpolitik: „Es gibt viele, die sagen: ,Man müsste mal‘. Aber entscheidend ist doch: Wer macht es am Ende? Sie tun es.“ Und weiter: „Ehrenamtliche Kommunalpolitiker sind unverzichtbar. Sie investieren Zeit, Kraft und oft auch Nerven – und bekommen dafür nicht immer nur Applaus.“
Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche brauche es Orientierung und Zusammenhalt: „Wenn sich so vieles gleichzeitig verändert, suchen Menschen Halt. Und diesen Halt finden sie oft genau hier – in der Gemeinschaft vor Ort.“ Seine Botschaft an die Geehrten ist eindeutig: „Sie stehen heute im Mittelpunkt. Es ist Ihr Abend.“
Feuerwehr, Sport und Engagement im Alltag
Der Abend gehört den Geehrten. Im Bereich Feuerwehr werden Markus Scheu, Jörg Lindemann, Werner Maul und Thomas Schmidt für jahrzehntelangen aktiven Dienst ausgezeichnet – gemeinsam stehen sie für weit über ein Jahrhundert Einsatz für die Allgemeinheit.
Auch im Sport zeigt sich die Vielfalt des Engagements: Katharina Werthüller, Thea-Maria Link, Amalia Teckie, Clara Weber, Lukas Fischer, Daniel Knoth und Alexander Röller werden für ihre sportlichen Erfolge geehrt.
Darüber hinaus werden weitere engagierte Persönlichkeiten gewürdigt: Gerda Golbach für ihr jahrzehntelanges Engagement bei den Landfrauen, sowie Steffen Landsiedel mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen.
Auszeichnungen für ein Lebenswerk
Mit der höchsten Auszeichnung der Gemeinde, dem „Zinntaler“, wird Werner Fritsch geehrt, der sich insbesondere um die Partnerschaft mit Doberschütz verdient gemacht hat. Ein besonderer Moment ist die Ernennung von Gertraud Pfingstgräff zur Gemeindeältesten. „Ich habe das immer gern gemacht“, sagt sie – und blickt zugleich nach vorn: „Ich wünsche mir, dass die Jüngeren es genauso weiterführen.“ Ebenfalls ausgezeichnet wird Mathias Rauschenberg, der zum ersten Ehrenvorsitzenden der Gemeindevertretung ernannt wird – eine Würdigung seines jahrzehntelangen kommunalpolitischen Engagements.
Ein Abend, der bleibt
Am Ende bleibt das Bild eines Abends, der mehr ist als ein offizieller Empfang. Es ist ein Spiegel dessen, was eine Gemeinde zusammenhält: Engagement, Verantwortung und Gemeinschaft. Oder, wie Bouffier es zusammenfasst: „Gemeinsam statt einsam – das ist der Kern des Ehrenamts.“
Und mit einem letzten Appell richtet er sich an die Anwesenden: „Bleiben Sie engagiert. Bleiben Sie dieser Gemeinschaft treu.“ Als das Orchester den musikalischen Ausklang einleitet und die Gäste zum gemeinsamen Essen übergehen, wird deutlich: Hier wurde nicht nur geehrt – hier wurde sichtbar gemacht, was oft im Verborgenen geschieht. Ein Abend für die, die Burghaun tragen. Tag für Tag. Ohne großes Aufheben. Aber mit großer Wirkung.
