Im Mittelpunkt standen die Ausgestaltung der im Koalitionsvertrag erwähnten Förderinstrumente für HAWs sowie deren finanzielle Ausstattung. Im Rahmen von Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen wurden durch die Hochschulleitungen konkrete Positionspapiere entwickelt und verabschiedet. Der Fuldaer Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar, Bundessprecher der deutschen HAWs in den Jahren 2016 bis 2022, war mit einem Vortrag und der Leitung eines Workshops maßgeblich daran beteiligt. „Die HAWs hatten zur Tagung Bundesforschungsministerin Bär, die wissenschaftspolitischen Sprecherinnen und Sprecher aller Fraktionen im Deutschen Bundestag sowie weitere Expertinnen und Experten aus dem Wissenschaftsbereich eingeladen“, berichtete Khakzar.
Die Tagung bot somit die Möglichkeit, die Positionen der HAWs mit Bundesministerin Dorothee Bär zu diskutieren, die in ihren Grußworten an die Hochschulleitungen die Bedeutung der HAWs für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft unterstrich und ihre Unterstützung unter anderem durch die Gründung einer Deutschen Anwendungsforschungsgemeinschaft, kurz DAFG, in Aussicht stellte. Konkrete Zusagen über Fördersummen konnte sie bisher jedoch nicht geben. Khakzar nutzte das Gespräch, um die Vorschläge der HAWs zu erläutern und insgesamt für eine bessere Förderung der HAWs zu werben.
Rolle der HAWs als Innovationsmotoren in ihren jeweiligen Regionen
An HAWs sind inzwischen über eine Million Studierende eingeschrieben, mehr als 21.000 Professorinnen und Professoren lehren und forschen an diesem Hochschultyp. Bei der Anwendung neuer Erkenntnisse aus der Forschung in der Praxis wirken HAWs auf Grund ihrer guten Verankerung in den jeweiligen Regionen und den etablierten Kontakten zu kleinen und mittleren Unternehmen als wichtige Innovationsmotoren. Nach Auffassung der HAWs sind ihre Potenziale jedoch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Seit Jahren fordern die HAWs deshalb bei Bund und Ländern eine deutlich bessere Förderung von Forschung und Transfer, um ihrer Rolle als Treiber von Innovationen auch vollumfänglich gerecht zu werden und damit auch einen wichtigen Betrag zum lang ersehnten Wirtschaftsaufschwung leisten zu können.
„Während die Universitäten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit jährlich rund vier Milliarden Euro gefördert werden, existiert eine vergleichsweise gut ausgestattete Fördereinrichtung für HAWs nicht. Seit Jahren kritisieren wir dieses Missverhältnis“, betonte der Fuldaer Hochschulpräsident. Auf Drängen der HAWs hatte die Ampelregierung die Gründung einer Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) angekündigt. Dann ließ die Umsetzung jedoch lange Zeit auf sich warten, und die DATI wurde mit dem Scheitern der Ampelregierung – zum großen Bedauern der HAWs – ad acta gelegt. Die amtierende Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD vereinbarte schließlich 2025 in ihrem Koalitionsvertrag die Gründung einer neuen Deutschen Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG), deren Fokus sich in erster Linie auf HAWs richten soll. Laut Bundesregierung soll die DAFG das neue Dach für bereits bestehende und bewährte Förderprogramme für HAWs darstellen, die bisher befristet sind und zum Großteil spätestens 2028 auslaufen. Darüber hinaus plant die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag neue Förderformate für Transferaktivitäten.
Hochschule Fulda profitierte bisher stark von den Förderprogrammen von Bund und Ländern
Die Hochschule Fulda hat sich bisher sehr erfolgreich an Ausschreibungen von Bund und Ländern beteiligt. So wurde die Gründung eines regionalen Innovationszentrums für Gesundheit und Lebensqualität Fulda (RIGL Fulda) über fünf Jahre mit insgesamt rund zehn Millionen Euro gefördert. Auch ein wichtiges Projekt zur Gewinnung von Professorinnen und Professoren an der Hochschule Fulda mit dem Namen ProGEPP wurde mit insgesamt 7,4 Millionen Euro unterstützt. „Von beiden Förderlinien hat die Hochschule Fulda profitiert und erfolgreich Strukturen an der Hochschule und in der Region aufbauen können“, fasst Khakzar zusammen.
Die beiden Förderprogramm von Bund und Ländern sind jedoch inzwischen ausgelaufen, beziehungsweise laufen Anfang 2027 aus. Der Hochschulpräsident weiter: „Die Gründung einer neuen DAFG gäbe der Hochschule Fulda die Perspektive, die wichtige und erfolgreiche Aufbauarbeit fortzusetzen und zu verstetigen und letztendlich auch die Innovationskraft der Region zu stärken.“ Im Gespräch mit Bundesministerin Bär wies Khakzar auf die Dringlichkeit neuer Förderprogramme hin, die idealerweise eine nahtlose Fortsetzung etablierter Initiativen ermöglichen. Inzwischen wurde von Bund und Ländern eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie soll bis Sommer die Eckpunkte entwickeln, so dass noch in diesem Jahr eine verbindliche Bund-Länder-Vereinbarung zur Gründung einer DAFG unterzeichnet werden kann.
Gespräche mit Verteidigungsminister Pistorius über die Rolle von Hochschulen
Im Anschluss an die Tagung der HAWs gab es für einige Präsidentinnen und Präsidenten, darunter auch Hochschulpräsident Khakzar, die Gelegenheit zu einem Austausch mit dem Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius, über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Hochschulen. Die Hochschulleitungen berichteten über Erfahrungen mit der Durchführung von Dual-Use-Forschung – also sicherheitsrelevanter Forschung –, die Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Projekte zur Verteidigungsforschung. Der Austausch sollte den Auftakt für weitere Gespräche zum Beitrag der Hochschulen in der sicherheitsrelevanten Forschung bilden. Verteidigungsminister Pistorius wünsche sich zukünftig mehr Engagement der Hochschulen, um Deutschland vor dem Hintergrund der globalpolitischen Herausforderungen besser auf die Zukunft vorzubereiten. Es bestand Einigkeit, dass die im Grundgesetz garantierte Freiheit von Forschung und Lehren keinesfalls in Frage gestellt werden dürfe.
