Polizeieinsatz und Anlass
Laut Angaben des Polizeipräsidiums Südosthessen habe es sich um einen Einsatz „zum Schutz privater Rechte – zum Vermitteln“ bei einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung gehandelt, heißt es auf Nachfrage bei der Pressestelle. Die Beamten sollen Gegenstände gesichert haben, bei denen unklar gewesen sei, wem sie gehörten. Die Maßnahme sei nicht gegen Personen gerichtet gewesen, sondern habe der Klärung von Eigentumsfragen dienen sollen.
Sicht des ehemaligen Betreibers
Eugen Leibman, Geschäftsführer der GET FIT Group GmbH, äußert sich gegenüber der Osthessen-Zeitung: „Es ging bei dem Einsatz nicht um Fitnessgeräte. In dem betroffenen Raum, der in den letzten drei Monaten eingerichtet wurde, hatten wir Matten und Spiegel aufgestellt, die von einer Tochterfirma gekauft und nachweislich bezahlt wurden. Wir wollten diese Gegenstände nur zurückholen, um sicherzustellen, dass niemand unberechtigt davon profitiert. Fitnessgeräte wurden zu keinem Zeitpunkt demontiert oder entfernt.“
Leibman beschreibt die Übergabe als angespannt: Flyer des neuen Betreibers wurden bereits vor der offiziellen Übernahme angebracht, Mitglieder direkt angesprochen, und es kam zu Konflikten trotz laufendem Betrieb. Um seine Mitglieder zu unterstützen, bot er ihnen an, ab dem 1. April zu einem vergünstigten Preis in anderen Standorten der Kette zu trainieren.
Er betont zudem die rechtliche Situation: „Wir haben den Kontakt zum neuen Betreiber aktiv gesucht, sogar angeboten, ein neues Schloss einzubauen. Diese Kontaktversuch waren aber erfolgslos. Der neue Betreiber erschien jedoch trotz Hausverbots an diesem Samstag. Es wurde von uns nichts entfernt, was im Gutachten aufgeführt war. Lediglich nachträglich von einer anderen Firma gekaufte Gegenstände, wie Matten und Spiegel, waren betroffen.“
Leibman kritisiert außerdem die Berichterstattung: Medienberichte hätten den Eindruck erweckt, dass er Fitnessgeräte entwendet habe, während die Darstellung der neuen Betreiber deutlich ausführlicher und teilweise werblich sei.
Sicht der neuen Betreiber
Tobias Garrison, Geschäftsführer von S-Fitness, erklärt gegenüber der Osthessen-Zeitung: „Wir wurden darüber informiert, dass Gegenstände abgeschraubt werden sollten – teilweise Fitnessgeräte, Spiegel und kleinere Materialien. Da diese Gegenstände nicht mehr Herrn Leibman gehörten, haben wir die Polizei informiert. Die Beamten sicherten die Gegenstände und klärten, dass Herr Leibman kein Recht hat, sie zu entfernen. Es wurden an diesem Samstag Sachen abgeschraubt und bereits aus dem Studio entfernt beziehungsweise entwendet. Wir gehen aber auch davon aus, dass bereits am Freitag die größere Anzahl an Gegenständen entwendet wurde.“ Die entwendeten Gegenstände befänden sich nach Angaben des neuen Betreibers derzeit noch nicht im Besitz des Eigentümers.
Garrison stellt klar, dass die Maßnahme rechtlich abgesichert war: Die Polizei soll laut Garrison ein Haus- und Platzverbot für Leibman ausgesprochen haben. Er betont außerdem, dass es sich nicht um einen Racheakt gehandelt habe, sondern um die ordnungsgemäße Sicherung der Gegenstände im Rahmen des Insolvenzverfahrens.
Zudem kritisiert er die Werbung des ehemaligen Betreibers, die Unruhe unter Mitgliedern erzeugt habe: „Es wurde über Sinntal-GET FIT kommuniziert, obwohl es das Studio nicht mehr gibt. Wir wollen, dass jetzt Ruhe einkehrt.“
Hintergrund zur Insolvenz
Das Sterbfritzer Studio habe bisher zur Get Fit GmbH mit Sitz in Wächtersbach gehört. Anfang Februar 2026 habe das Unternehmen Insolvenz beim Amtsgericht Hanau angemeldet. Laut Angaben der ehemaligen Betreiber führten Rückforderungen staatlicher Corona-Hilfen zu Liquiditätsproblemen und schließlich zur Zahlungsunfähigkeit.
Der Standort in Sterbfritz ist nun von den Garrisons übernommen worden. Das Studio bleibt bestehen. Seit April läuft das Fitnessstudio unter dem Namen S-Fitness. Geplant sind außerdem Renovierungen, Modernisierungen und neue Kursangebote, darunter Kraft- und Fitnesstraining, Rücken- und Beweglichkeitskurse sowie Functional- und Ausdauerkurse. Auch eine persönliche Eins-zu-eins-Betreuung ist vorgesehen.
Zusätzliche Vorfälle und Konflikte
Bereits Wochen vor der offiziellen Übernahme soll der neue Betreiber, laut Angaben von Leibman, als Mitglied im Studio aktiv gewesen sein und öffentlich kommuniziert haben, dass er den Standort übernehmen werde. In dieser Zeit sollen Flyer des neuen Betreibers im Studio verteilt und ohne Zustimmung angebracht worden sein, unter anderem an der Eingangstür. Daraufhin sei ein Hausverbot ausgesprochen worden.
Darüber hinaus soll der neue Betreiber auf seiner Website ein Musterschreiben zur Kündigung von Mitgliedschaften veröffentlicht haben, in dem der Name „GET FIT“ verwendet worden sei. Dies stehe demnach im Widerspruch zu bestehenden markenrechtlichen Schutzrechten und habe für weitere Unsicherheiten gesorgt.
Das Studio in der Bahnhofstraße 15 wird nun unter dem Namen S-Fitness geführt. Die Trainingsräume stehen weiterhin zur Verfügung, und es werden laufend Angebote und Kurse vor Ort durchgeführt.
