Den ersten Konzertteil gestalteten die jüngeren Ensembles unter der Leitung von Holger Fröhlich. Die Junior-Kicks und Junior-Voices überzeugten mit großer Spielfreude, stilistischer Vielfalt und bemerkenswerter Präzision. Bereits der Opener „One by One“ (Wayne Shorter) setzte ein klares Zeichen für das hohe Niveau, das sich durch den gesamten Abend zog. Auch klanglich differenzierte Stücke wie Maria Schneiders „Green Piece“ sowie Vokalarrangements wie „Evergreen“ und Irving Berlins „What’ll I Do?“ zeigten die musikalische Reife der jungen Musikerinnen und Musiker.
Ein besonderer Moment gelang bei „Alta Paz“: Die Dozentin und Gastsolistin Maxine Troglauer überzeugte mit einem ausdrucksstarken Posaunen-Solo und großer klanglicher Präsenz – ein Highlight des ersten Konzertteils.
Nach der Pause übernahmen die Kicks & Sticks gemeinsam mit den Kicks-Voices unter der Leitung von Ed Partyka die Bühne und setzten mit einem ebenso kraftvollen wie innovativen Programm neue Akzente. Besonders hervorzuheben sind zwei Uraufführungen, die eindrucksvoll die kreative Eigenständigkeit innerhalb des Orchesters unter Beweis stellten: „Swirling Darkness“ von Felix Zander sowie „Eklipse“ von Samuel Wahlandt, der sein Werk im Konzert sogar selbst dirigierte. Diese Arbeiten zeigen exemplarisch, wie das LJJO Hessen gezielt Raum für junge Komponistinnen und Komponisten schafft und deren musikalische Handschrift fördert.
Auch die Zusammenarbeit mit der renommierten Sängerin Efrat Alony als Vocal Coach für die Vokalensembles prägte das Programm maßgeblich. Mit „Overcast“ – einer Komposition von Ed Partyka mit Text von Efrat Alony – sowie „Silent Seekers“, einer Komposition Alonys in einem Arrangement Partykas, entstanden eindrucksvolle Klangbilder zwischen Bigband-Sound und vokaler Ausdruckskraft. Die Kicks-Voices überzeugten dabei mit Präzision, klanglicher Homogenität und großer stilistischer Flexibilität.
Diese Arbeitsphase war zusätzlich besonders, da alle vier Formationen des LJJO Hessen in der Woche danach im Studio sein werden, um einige der im Konzert präsentierten Titel aufzunehmen. Daraus wird eine Schallplatte entstehen, die die 40-jährige Geschichte des Ensembles feiert.
Das Programm spannte insgesamt einen weiten Bogen von Jazzklassikern bis hin zu zeitgenössischen Originalkompositionen. Gerade diese Mischung aus Tradition und Innovation machte den besonderen Reiz des Abends aus.
Mit diesem Konzert unterstrich das Landesjugendjazzorchester Hessen einmal mehr seinen Anspruch, jungen Jazz auf höchstem Niveau zu präsentieren und gleichzeitig neue künstlerische Impulse zu setzen. Die Verbindung aus exzellenter Nachwuchsförderung, professioneller Ensemblearbeit und kreativer Eigeninitiative machte den Abend zu einem eindrucksvollen Erlebnis und zu einem überzeugenden Ausblick auf die Zukunft des Jazz in Hessen.
