Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Rede des Theologen und Friedensaktivisten Eugen Drewermann, der sich eindringlich an die Versammelten wandte: „Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens. So muss ich Sie anreden dürfen, denn Sie stünden heute nicht hier, wenn es nicht so wäre.“ Deutlich kritisierte er die gesellschaftliche Wahrnehmung von Friedenspositionen: „Wer heute von Frieden redet, wird oft beschimpft. Aber wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen..“ Seine Kritik richtete sich grundlegend gegen militärisches Denken: „Stärke bedeutet, dass ich im Töten von Menschen effizienter bin als mein potenzieller Gegner.“
Dabei blieb es nicht bei grundsätzlicher Kritik. Drewermann sprach auch über die Strukturen hinter militärischer Ausbildung und fand klare Worte: „Gehorsam ist das Hauptproblem auf jedem Kasernenhof. Er besteht darin, dass man die Seele aus dem Körper schraubt.“ Die Geschichte der Menschheit beschrieb er als von Gewalt geprägt: „Die gesamte Geschichte der Menschheit ist eine einzige Geschichte von einem Krieg nach dem anderen.“ Gleichzeitig warnte er vor den Folgen aktueller sicherheitspolitischer Strategien: „Mit der Politik des Schreckens, mit der Politik der Abschreckung machen wir die gesamte Welt unsicher.“
Auch die Organisatoren machten deutlich, warum der Ostermarsch weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Matthias Marterer vom Organisationsteam erklärte im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung: „Es ist ja eine Tradition, der Ostermarsch, auch hier in Fulda. Und den führen wir fort, weil wir es für wichtig erachten in diesen Zeiten.“ Weiter sagte er: „Wir sind gegen jegliche Kriege und Gewalt und von daher äußern wir uns in der Art und Weise hier auch dieses Jahr wieder.“ Mit Blick auf die Wirkung nach außen ergänzte er: „Ich hoffe, es setzt ein Zeichen, dass andere Leute, die ähnlich denken, sich anstecken lassen und sich vielleicht auch trauen, mal laut zu werden.“
Während sich der Demonstrationszug durch die Innenstadt bewegte, wurde immer wieder gesungen und diskutiert. Die Atmosphäre war zugleich ruhig und bestimmt – getragen von dem gemeinsamen Anliegen, öffentlich für Frieden einzutreten. Am Universitätsplatz angekommen, fand die Abschlusskundgebung statt, bei der die Redebeiträge noch einmal die zentralen Forderungen unterstrichen. Zum Ende seiner Rede formulierte Drewermann einen persönlichen Appell, der vielen in Erinnerung bleiben dürfte: „Ich werde niemals lernen, wie man auf Befehl Menschen tötet.“
Der Ostermarsch knüpft damit an eine jahrzehntelange Tradition der Friedensbewegung an. Auch in diesem Jahr wurde deutlich: Für die Teilnehmenden ist er nicht nur ein politisches Signal, sondern Ausdruck einer Haltung, die auf Gewaltverzicht und Menschlichkeit setzt.
