Die MT legte los wie die Feuerwehr. Die Energie auf dem Spielfeld übertrug sich direkt auf die Ränge in der Rothenbach-Halle. 1.617 Zuschauer machten Alarm, als seien die Ränge rappelvoll. Und die MT-Fans trieben ihre Mannschaft an, die auf Aaron Mensing verzichten musste, der mit muskulären Problemen im Oberschenkel zu kämpfen hat. Als Dainis Kristopans nach gut neun Minuten auf 5:2 stellte und sein Team erstmals mit drei Treffern in Führung brachte, da war spätestens klar: Heute geht was, das kleine Handballwunder könnte klappen.
Die quirligen Gäste aus Dänemark ließen sich allerdings nicht abschütteln. Adam Ljungquist glich zum 6:6 aus (17. Minute). Mit der Hereinnahme von Amine Darmoul bekam die MT-Offensive frische Impulse – der Tunesier traf selbst zum 12:8 (25.). Und die Gastgeber legten in den Schlussminuten der ersten Hälfte sogar noch eine Schippe drauf. Zweimal Vlad Kulesh unwiderstehlich aus der Distanz, Erik Balenciaga mit einer tollen Einzelaktion und kurz vor der Sirene David Mandic: Die leidenschaftlichen Nordhessen gingen mit einer 17:12-Führung in die Pause.
Aus sechs Treffern, die aufzuholen waren, war nach 30 Minuten nur noch einer geworden. Nach dem Wechsel dauerte es keine drei Minuten, bis Kristopans mit seinem Wurf zum 19:13 den Ausgleich in der Gesamtwertung aus Hin- und Rückspiel herstellte. Alles wieder bei null, und die Stimmung in der Rothenbach-Halle auf dem Höchstwert.
Dass Simic einen Siebenmeter parierte und Darmoul im Anschluss auf 23:16 erhöhte (41.), trieb den Geräuschpegel weiter in die Höhe. Niemanden hielt es mehr auf den Sitzen. Die MT brannte. Ein Tempogegenstoß von Timo Katening, ein Doppelschlag von Darmoul – die MT zog auf 28:19 davon (46.). Und Simic entschärfte den zweiten Siebenmeter, dieses Mal von Adam Ljungquist (47.). Wahnsinn.
Das war großes Kino, was die Nordhessen ihren Fans boten. Der bärenstarke Darmoul läutete mit seinem siebten Treffer zum 29:21 (50.) die Schlussphase ein. Und in der ließ der Handball-Bundesligist nicht locker. Im Gegenteil. Kastening schraubte den Vorsprung auf zehn Tore – 32:22 (55.), Kristopans ebenso – 33:23 (56.), und Simic, der war überhaupt nicht mehr zu bremsen. Mandic machte mit seinem Tor zum 35:25 (60.) endgültig den Deckel auf einen denkwürdigen Europokalabend – und die MT-Spieler tanzten die Humba und feierten mit ihren Fans den Einzug ins Viertelfinale der EHF European League.
