Lokales FD 18.04.2026

Ein Ort der Gastlichkeit kehrt zurück: Milseburghütte eröffnet – Fotos

Hofbieber (pk/pm) – Die Freude ist groß in der Gemeinde Hofbieber, und zwar auf genau 823 Metern Höhe: Nach sechseinhalb Jahren Pause wird die neue Milseburghütte, eines der beliebtesten Ausflugsziele der Rhön, feierlich eröffnet. Mit ihr kehrt ein besonderer Ort der Begegnung, Erholung und Gastlichkeit zurück. Das Festwochenende startete am Freitag mit der offiziellen Einweihung und einer Andacht mit geladenen Gästen. Am Samstag ab 11 Uhr folgt der öffentliche Festakt mit der feierlichen Schlüsselübergabe an die neue Pächterfamilie Golbach.

Fotos: Paul Kukula

Foto: Paul Kukula

Foto: Paul Kukula

Landrat Bernd Woide überreichte der neuen Pächterin Heike Goldbach und ihrem Mann Matthias ein Präsent zur Einweihung. Foto: Paul Kukula

Es war eine Einweihung, die dem bedeutenden Ausmaß des Projekts gerecht wurde. Mit einer feierlichen Andacht, musikalisch begleitet von der eigens für diesen Anlass ins Leben gerufenen „Milseburgkapelle“, wurde das neue Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben. Nach der Segnung durch die Pfarrer Christian Roth und Willi Schmitt blickte Bürgermeister Markus Röder auf ein Projekt zurück, das er mit viel Herzblut begleitet hatte. Röder eröffnete seine Ansprache mit einem bekannten Sprichwort: „Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Für die Region und insbesondere für die Gemeinde Hofbieber sei dies ein großartiger Tag.

Der Bürgermeister betonte, dass der Weg zum Ziel kein einfaches Unterfangen war. Vor allem die Bohrungen entwickelten sich zu einem regelrechten „Krimi“: „Über 400 Meter Länge und dabei über 100 Höhenmeter zu überwinden, ist eine Herausforderung für sich“, so Röder. Mit dem Abschluss des wohl spannendsten und zugleich herausforderndsten Bauprojekts der Gemeinde gebe es nun allen Grund, diesen für Hofbieber einzigartigen Moment gebührend zu feiern. Sein Dank galt allen Beteiligten, bevor sein Zitat vom Beginn wieder aufgriff und schloss: „Heute ist alles gut.“

Auch Landrat Bernd Woide ließ es sich nicht nehmen, ein Grußwort an die Gäste zu richten. Die Milseburg liege ihm persönlich am Herzen, da ihn das Projekt bereits seit 20 Jahren begleite. Rückblickend auf die Entscheidung für den Neubau stellte er klar: „Wenn wir etwas machen wollen, das Hand und Fuß hat, dann bleibt nur eins: Wir müssen die Hütte abreißen, so schade es auch ist, und eine neue bauen.“ Woide kritisierte zudem Stimmen, die die Notwendigkeit der Hütte infrage gestellt hatten. Dies sei „grundsätzlich falsch“, denn die Milseburg sei ein Berg für die Menschen der Region. „Auf solche Ideen kann man eigentlich nur kommen, wenn man nicht aus der Region ist“, betonte der Landrat.

Kassels Regierungspräsident Mark Weinmeister, der den Ort bereits seit seinem ersten Besuch im Jahr 1977 kennt, unterstrich ebenfalls die besondere Verbindung zur Milseburg. Er betonte die emotionale Tragweite des Neubaus für die Menschen vor Ort: „Das ist nicht nur eine Hütte, das ist nicht nur ein Ausflugsort – das ist ein Stück Identität, ein Stück Heimat“, so Weinmeister.

Zum Abschluss hob der heimische Landtagsabgeordnete Sebastian Müller ebenfalls die tiefe emotionale Bedeutung des Berges hervor: „Viele Menschen aus der Region suchen ganz bewusst den Weg auf die Milseburg, wenn sie eine herausfordernde Situation bewältigen müssen oder über etwas nachdenken wollen.“ Die neuen Pächter, Familie Golbach, haben eine klare Vision: Die Milseburghütte soll ein Ort sein, an dem Menschen zur Ruhe kommen, die Seele baumeln lassen und ein Stück Heimat erleben können. Diese Haltung spiegelt sich auch im Logo wider, in dem „Heimat“ in dekorativer Schrift zu lesen ist. Die angebotene Küche setzt auf regionale, qualitativ hochwertige und zugleich bodenständige Speisen – passend zur Umgebung und zum Charakter des Berges. „Wir sind überwältigt von dem großen Interesse, das uns seit Bekanntwerden unserer Pacht entgegengebracht wurde. Das Telefon stand kaum still – das hat uns tief berührt“, sagt Heike Golbach.

Bereits von außen fügt sich die neue Milseburghütte harmonisch in die Landschaft ein. Die beiden Gebäudeteile, verbunden mit einem Durchgang, wirken zurückhaltend und naturnah. Regionale Materialien wie massives Fichtenholz und wiederverwendeter Phonolith für den Kellersockel schaffen einen direkten Bezug zur Umgebung. Die nachhaltige Bauweise mit Holzelementen, Lärchenholzverschalung und großzügigen Panoramafenstern eröffnet beeindruckende Fernblicke – ein Markenzeichen der Milseburg. Im Inneren erwartet die Gäste ein heller, moderner Gastraum mit klarer Gestaltung und natürlichen Materialien. Ein zentraler Kachelofen sorgt für Wärme und Behaglichkeit. Rund 60 Sitzplätze bieten Raum für Geselligkeit und laden zum Verweilen ein.

Eine besondere Neuerung ist die sogenannte „Keltenstube“, ein direkt an den Gastraum angeschlossener Ausstellungsraum. Hier werden die Besonderheiten der Milseburg durch einen abwechslungsreichen Mix aus analogen und digitalen Elementen erlebbar gemacht. Keltische Fundstücke kehren an ihren ursprünglichen Fundort zurück, ergänzt durch Informationen zu der einzigartigen Natur und Geologie der Milseburg. Die Tourist-Information Hofbieber stellt Informationen zu touristischen Zielen der Region vor. Zu den Highlights zählen eine interaktive 3D-Installation („Vistela“), die Besucherinnen und Besucher auf eine Reise durch Raum und Zeit mitnimmt, sowie lebensgroß projizierte Erzählerinnen und Erzähler aus der Region, die ihre persönlichen Geschichten – teilweise im Rhöner Platt – zum Besten geben. Im Untergeschoss befinden sich Vorratsräume und sanitäre Anlagen. Eine besondere Herausforderung während der Bauphase stellte der rund 411 Meter lange Bohrkanal der Versorgungsbohrung von Danzwiesen zur Hütte dar, der den Zeitplan mehrfach beeinflusste. Das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen: Die Milseburghütte ist heute an Wasser, Abwasser, Strom und Internet angebunden und somit zukunftssicher aufgestellt.

Anlässlich der Eröffnung veröffentlicht die Tourist-Information Hofbieber die Broschüre „Die neue Milseburghütte und ihr beliebter Berg“. Sie beleuchtet die Geschichte der alten Hütte, stellt den Neubau vor und gibt Einblicke in die Herausforderungen des Bauprojekts. Darüber hinaus widmet sie sich den Besonderheiten der Milseburg – ihrem ökologischen Wert im Unesco-Biosphärenreservat Rhön, ihrer Sagenwelt, religiösen Bedeutung und dem keltischen Erbe. Die Broschüre ist bei der Eröffnungsfeier am 18. April sowie anschließend in der Tourist-Information Hofbieber gegen eine Schutzgebühr von zwei Euro erhältlich. Ein besonderes Erinnerungsstück ist zudem der „Erinnerungsrahmen Eröffnung 2026“, der mit Bohrklein aus der Versorgungsbohrung gefüllt ist und die Herausforderungen des Bauprojekts symbolisiert. Der Rahmen ist auf 180 Exemplare limitiert und kann ebenfalls bei Eröffnungsfeier erworben werden.