Zwangsvereinigung 1946
Zwanzig Plakate dokumentieren mit zahlreichen historischen Alltagsaufnahmen – unter anderem den legendären Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker – sowie knappen, erklärenden Texten ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte: von der Zwangsvereinigung der SPD mit der Kommunistischen Partei (KPD) in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) am 21./22. April, also vor achtzig Jahren, bis zum Untergang der SED in den Wendejahren. Die Ausstellung ist eine Kooperationsveranstaltung der Katholischen Akademie des Bistums Fulda mit der Fuldaer Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) sowie dem Landesverband Hessen des Deutschen Journalistenverbands.
Akademiedirektor Gunter Geiger erklärte zur Eröffnung, dass die Katholische Akademie mit der Schau die Mechanismen eines totalitären Systems wie der DDR sichtbar machen und zur kritischen Auseinandersetzung anregen wolle. Besonders im Umbruch von 1989 würden Bespitzelung, Kontrolle und fehlende Eigenverantwortung sichtbar, die ein Klima von Abhängigkeit und Opportunismus geschaffen hätten. Zugleich verdeutliche die Ausstellung die Widersprüche zwischen Überzeugung und Anpassung im Alltag der Diktatur. Geiger betonte, dass die Präsentation auch der wachsenden DDR-Nostalgie und Desinformation entgegenwirke, denen durch Aufklärung begegnet werden soll.
SED-Hymne
Konzeption und Texte der Ausstellung stammen von dem Historiker Dr. Stefan Wolle, bis 2024 wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin. Zur Eröffnung erinnerte er an die Entstehungsgeschichte des Lieds „Die Partei hat immer recht“, dem die Ausstellung ihren Titel verdankt. Der deutsch-tschechische Schriftsteller und Diplomat Louis Fürnberg komponierte und textete das Lied. Ab 1950 wurde es zur offiziellen Hymne der SED, der alles bestimmenden Staatspartei der DDR. Die SED war Ausdruck eines allgegenwärtigen Herrschafts- und Wahrheitsmonopols. Ihre Macht sicherte sie durch Polizei, Justiz und Staatssicherheit. Gleichzeitig schuf sie ein System sozialer Abhängigkeiten und Gewöhnung.
Kritik galt als Verbrechen
Laut Wolle wurde der Liedtitel von der Bevölkerung im Laufe der Zeit immer häufiger „ironisch und hämisch“ verwendet. Zweifel oder gar Kritik an der marxistisch-leninistischen Ideologie waren trotz vieler Widersprüche verboten. Die Lehre hatte kanonischen Charakter und durfte nur von zuständigen Parteiinstanzen interpretiert werden. Zweifeln gleichzusetzen mit „Ketzerei“ galt als Verbrechen und wurde auch so behandelt.
Zweifler am Marxismus/Leninismus – der nach SED-Lesart „einzigen wissenschaftlichen Weltanschauung“ – und Andersdenkende galten als „Feinde der Gesellschaft und Handlanger des Imperialismus“. Geistige Grundlage der SED war der Antifaschismus, eine demokratische Legitimation durch die Bevölkerung entfiel. Das eigentliche Machtzentrum war nicht das Parlament, die Volkskammer, sondern das Politbüro – ein „kleiner Kreis von alten Männern“.
Mit den Jahren zeigte sich, dass die Partei-Parole „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“ ins Leere lief. Die Führungs- und Mittelschicht der SED war bei der Wende orientierungslos und empfand die politische Entwicklung als „bösen Traum“. Wolle: „Im Oktober unter SED-Generalsekretär Egon Krenz war der Zug abgefahren… Die Macht zerfiel ihnen unter den Händen.“
Erinnern
„Erinnerung wachhalten und ein Stück Erinnerungskultur leisten“ – dafür stehen GSP und DJV, betonte GSP-Sektionsleiter und DJV-Fachausschussvorsitzender Michael Schwab. Mit Dr. Stefan Wolle wurde für die Eröffnung nicht nur ein renommierter Historiker, sondern auch ein wichtiger Zeitzeuge gewonnen. Die Ausstellung stößt auf reges Interesse: Bei der Bundesstiftung gibt es bereits eine beeindruckende Zahl an Vorbestellungen, was laut Schwab zeigt, dass thematisch ein „Nerv“ getroffen wurde.
