Boxen/Kickboxen 27.04.2026

Battle of Barock V – Volle Halle, Emotionen und ein Abschied

Fulda – Von Silas Messing – Die Halle kochte, die Ränge bebten – und im Ring toppte ein Kampf den nächsten: Die fünfte Auflage des „Battle of Barock“ ließ am Samstagabend in der Esperantohalle keine Wünsche offen. Rund 2500 Zuschauer sorgten für eine elektrisierende Atmosphäre und erlebten einen Kampfabend, der sportlich wie emotional in Erinnerung bleiben wird. Besonders im Fokus: der Auftritt von Lokalmatador Sergej Braun – und zugleich sein letzter Kampf in Fulda.

Sergey Braun und der Kameruner Brice Romeal Kombou. Foto: Christine Görlich

Kurz vor Mitternacht folgte das große Highlight des Abends: Das Finale des Vier-Mann-Turniers, in dem sich der Ire Joshua Akingbade zum verdienten Sieger krönte.

Starker Auftakt am Nachmittag

Bevor am Abend die internationale Fightcard Fahrt aufnahm, wurde bereits am Nachmittag mit zahlreichen Kämpfern aus der Region ernst gemacht. Viele Duelle gingen über die volle Distanz – ein Zeichen für die Ausgeglichenheit der Paarungen und das insgesamt hohe Niveau.

Die Sieger hießen: Matwey Palze (3:0 gegen Elham Shukori), Simon Drosu (3:0 gegen Ramazan Melehchenko), Shejla Omeragic (3:0 gegen Kyra Garkavaya), Anis Alibegovic (3:0 gegen Janko Matic), Felix Bernhard (2:1 gegen Husain Rahman), Karl Sattler (3:0 gegen Jonas Kocevski), Sami Sidri (3:0 gegen Phil Bagoi), Emil Musayev (3:0 gegen Ibrahim Parwiz) und Justians Zelvys (3:0 gegen Leon Toteski).

Vorzeitig endeten zwei Kämpfe: Rodion Melehchenko gewann durch Aufgabe gegen Alex Videnin, während Samuel Jakobi nach 1:39 Minuten per Knockout gegen Christopher Würfel siegte.

Karate-Turnier sorgt für Tempo

Eine Neuerung sorgte in diesem Jahr für zusätzliche Aufmerksamkeit: das Kyokushin-Karate-Vier-Mann-Turnier. Schnell, direkt und kompromisslos – die Kämpfe zeigten eindrucksvoll, warum diese Disziplin ihren Platz im Programm verdient hatte.

Björn Herrmann und Leon Franco Vaquero setzten sich in den Halbfinals gegen Timur Bikchentaev und Edwin Wagner durch. Im Finale wurde es dramatisch: Nach einem unerlaubten Treffer zum Kopf ging Vaquero kurzzeitig zu Boden, dennoch entwickelte sich ein intensiver Kampf mit vielen Wendungen. Am Ende setzte sich Herrmann durch und sicherte sich den Gürtel.

Amateurkämpfe eröffnen den Abend emotional

Der Abend begann lautstark: Die Band „Church of Elder“ heizte die Menge an, bevor die Amateurkämpfe der Osthessen-Zeitung den sportlichen Auftakt machten .Angekündigt wurden die Kämpfer von Ringsprecher Eleftherios Mavros, der mit seiner Stimme durch den Abend führte, das Publikum immer wieder mitnahm und dafür sorgte, dass die Stimmung in der Halle zu keinem Zeitpunkt abebbte.

Albin Keune und Steffen Schäfer zeigten eindrucksvoll, was in sechs Monaten Vorbereitung möglich ist. Im Anschluss bestätigten Dogan Kilic und Viktor Schmidt diese Entwicklung. Schäfer (3:0) und Schmidt (2:1) setzten sich zwar durch – doch das Ergebnis war zweitrangig. Einsatz, Entwicklung und Emotionen standen im Vordergrund. Alle vier Kämpfer verließen den Ring mit erhobenem Haupt – getragen vom Applaus der Halle.

Braun scheitert emotional – Kombou eiskalt

Dann wurde es ernst: Das Vier-Mann-Turnier rückte in den Mittelpunkt – mit Sergej Braun als lokalem Aushängeschild. Im ersten Halbfinale ließ der Kameruner Brice Romeal Kombou keinen Zweifel an seinen Ambitionen und schickte den Italiener Renato Prenga bereits in der ersten Runde per Knockout auf die Matte.

Im zweiten Halbfinale betrat Sergej Braun unter tosendem Applaus die Bühne. Die Halle kochte, als er auf den Iren Joshua Akingbade traf. Drei intensive Runden lieferten sich beide einen offenen Schlagabtausch – doch am Ende musste sich Braun mit 0:3 geschlagen geben.

Im Anschluss zeigte sich der Fuldaer offen und selbstkritisch: „Ich habe mich eigentlich gut gefühlt, das Training lief gut. Aber als ich hier stand und gesehen habe, wie voll die Halle ist, hat mich das emotional komplett gepackt“, erklärte Braun. „Das darf man im Kampfsport nicht zulassen – das ist eine Lehre für mich.“ Trotz der Niederlage überwog bei ihm nicht die Enttäuschung: „Die Leute hatten Spaß, wir haben super Feedback bekommen. Es war eine geile Veranstaltung.“

Gleichzeitig bestätigte er, dass es sein letzter Kampf in Fulda gewesen ist: „Ich werde zwar weiterkämpfen – aber nicht mehr hier zu Hause.“

Hochklassige Duelle bis in die Nacht

Auch nach den Halbfinal-Begegnungen blieb das Niveau hoch. Beim einzigen Frauenkampf des Abends setzte sich Hedil Nour knapp mit 2:1 gegen Alice Minich durch.

Danach gewannen Max Bauer (3:0 gegen Yasim Uachikh) und Emin Demir (3:0 gegen Marcel Minich) souverän. Anton Kremer setzte ein klares Ausrufezeichen und schickte Johann Kappes nach nur 46 Sekunden per Knockout aus dem Ring. Marcel Steidle überzeugte ebenfalls mit einer kontrollierten Leistung und gewann klar mit 3:0 gegen Joel Abramsen.

Profi-Boxen als weiterer Höhepunkt

Im Anschluss wurde es noch einmal offizieller: Zwei Kämpfe unter Aufsicht des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) lieferten Boxsport auf hohem Niveau.

Oleksij Atahmanchuk setzte sich im Rematch erneut gegen Damian Gurtek durch – wie schon bei einer der ersten Auflage des Events. Im zweiten Kampf begeisterte Domenik Arnold das Publikum mit Schnelligkeit und Präzision. Gegen Issam Faiz entwickelte sich ein intensiver Fight auf Augenhöhe, der bis zur letzten Sekunde offen blieb. Am Ende setzte sich Arnold durch – sehr zur Freude des Publikums. Der Kampf wurde später zum „Fight of the Night“ gekürt.

Finale krönt einen intensiven Abend

In der Schlussphase ging es in die entscheidende Phase des Turniers. Abdekaki Elhessaini (3:0 gegen Ibrahim Abdul-Malak) und Mesud Selimovic (3:0 gegen Nikolay Nikov Varna) bereiteten die Bühne für das große Finale.

Dort trafen Brice Romeal Kombou und Joshua Akingbade aufeinander. Drei Runden voller Tempo, Härte und Spannung – beide Kämpfer sahen sich nach dem Schlussgong als Sieger. Doch die Punktrichter entschieden zugunsten des Iren. Der Sieger des Abends: Joshua Akingbade.

Franz: „Gänsehaut-Moment und ein geiles Event“

Organisator Patrick Franz zog ein rundum positives Fazit: „Die Halle war voll, die Stimmung war überragend. Es waren viele Kämpfe auf Augenhöhe dabei – genau das, was wir wollen.“ Besonders emotional wurde es für ihn in einem Moment abseits der Kämpfe: „Als wir oben im Ring standen und gesehen haben, wie voll die Halle ist, da sind die Emotionen rausgekommen. Da fällt einfach alles ab.“ Auch sportlich zeigte er sich zufrieden: „Es gab kaum einseitige Kämpfe. Genau das macht den Reiz aus – ehrlicher Sport auf Augenhöhe.“ Mit Blick in die Zukunft bleibt das Event fest im Kalender: „Wir haben Ideen für die nächste Ausgabe. Das Format kommt an – und das ist das Wichtigste.“

Am Ende bleibt ein Kampfabend, der sportlich wie emotional Maßstäbe gesetzt hat – mit vollen Rängen, intensiven Duellen und Momenten, die über den Ring hinausgehen. Und eines steht bereits fest: Die Geschichte geht weiter. „Wir planen auf jeden Fall weiter – 2027 wird es wieder stattfinden“, blickt Organisator Patrick Franz voraus. Ein Versprechen an die Fans – und die nächste Bühne für neue Geschichten im Ring.

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