Boxen/Kickboxen 24.04.2026

Amateurkämpfer beim Battle of Barock: Vom Casting bis Kampf

Fulda (sim) – Bevor am Samstagabend internationale Kämpfer, Titelduelle und das große Turnier die Esperantohalle prägen, gehört die Bühne zunächst vier Männern aus der Region. Sie eröffnen den Abend vom „Battle of Barock V“ und stehen damit für einen Weg, der bereits Monate zuvor begonnen hat – vom Casting im vergangenen Jahr bis hin zum ersten großen Auftritt im Ring vor Publikum. Für sie ist es nicht nur ein Kampfabend, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses aus Training, Disziplin und persönlicher Entwicklung.

Die vier ausgewählten Amateur-Kämpfer mit den Initiatoren und Trainern. Foto: Natalia Lindt

Die Osthessen-Zeitung hat die vier Amateurkämpfer über Wochen hinweg begleitet. Was im vergangenen Jahr erstmals initiiert wurde, hat sich inzwischen zu einem festen Bestandteil des Events entwickelt. Für die Teilnehmer bedeutet die Teilnahme nicht nur sportliche Herausforderung, sondern auch ein intensives Projekt, das sie körperlich und mental an ihre Grenzen gebracht hat und sie Schritt für Schritt auf den großen Abend vorbereitet.

Der Anfang: 23 Kandidaten, vier Plätze

Der Startpunkt dieser Reise lag bereits im November 2025, als im Brauns Gym das große Casting für die Amateurkämpfe stattfand. Insgesamt 23 Kandidaten stellten sich dort der Herausforderung, um einen der vier begehrten Plätze auf der Fightcard des „Battle of Barock V“ zu ergattern. Schon damals war klar, dass nur ein kleiner Teil den Sprung in das offizielle Event schaffen würde – entsprechend hoch war die Intensität der Auswahl.

Für die Organisatoren war dieser Prozess besonders anspruchsvoll. „Für uns war das der schwierigste Teil“, erklärte Ralph Görlich von der Osthessen-Zeitung bereits beim Casting. Gemeinsam mit Sergej Braun, Patrick Franz, Thorsten Czynski sowie den Trainern Alex Hergert und Johann Gildenberg wurde letztlich entschieden, welche vier Kämpfer den Weg in den Ring antreten dürfen. Am Ende fiel die Wahl auf Steffen Schäfer und Albin Keune im Mittelgewicht sowie Viktor Schmidt und Dogan Kilic im Schwergewicht. Ein ursprünglich geplanter Frauenkampf musste aufgrund fehlender passender Paarungen verworfen werden, da sportliche Fairness und gesundheitliche Aspekte im Vordergrund standen.

Monate der Vorbereitung

Mit der Entscheidung begann für die vier Athleten ein komplett neuer Abschnitt. Seitdem prägen Trainingseinheiten im Brauns Gym, technische Entwicklung, körperliche Anpassung und mentale Vorbereitung ihren Alltag. Der Weg zum Kampf wurde dabei Schritt für Schritt intensiver, je näher der Event rückte, und die Belastung stieg kontinuierlich an.

Begleitet werden die Kämpfer von zwei erfahrenen Coaches: Alex Hergert übernimmt die Betreuung von Schmidt und Schäfer, während Johann Gildenberg für Kilic und Keune verantwortlich ist. Beide Trainer legten in den vergangenen Wochen besonderen Fokus auf Technik, Kondition und Kampftaktik. „Wir haben viel an Tempo und Präzision gearbeitet. Die Entwicklung ist klar sichtbar“, sagt Hergert rückblickend. Auch Gildenberg bestätigt die Fortschritte seiner Schützlinge: „Gerade in den letzten Wochen haben sie sich nochmal deutlich gesteigert – sowohl körperlich als auch im boxerischen Bereich.“ Die Entwicklung sei dabei nicht nur sportlich, sondern auch mental deutlich spürbar geworden.

Schäfer gegen Keune: Respekt und Anspruch

Den ersten Kampf des Abends bestreiten Steffen Schäfer und Albin Keune im Mittelgewicht (-88 Kilogramm) – ein Duell, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional eine besondere Bedeutung hat. Für Schäfer ist es ein spezieller Moment, da er in den vergangenen Jahren bereits hinter den Kulissen Teil des Events war und nun erstmals selbst im Ring steht.

„Wir eröffnen den Abend, wir setzen die Maßstäbe für den Abend“, sagt er mit einem Lachen, betont aber gleichzeitig die Ernsthaftigkeit der Aufgabe. Die Situation sei kaum vorher vollständig greifbar: „Man muss das einfach auf sich zukommen lassen. Viele sagen, es läuft wie ein Film an einem vorbei.“ Trotz der Lockerheit bleibt das Ziel klar definiert: „Definitiv gewinnen.“ Gleichzeitig sieht er die Teilnahme bereits jetzt als Erfolg: „Wir haben uns durchgebissen, trainiert und uns nichts vorzuwerfen.“

Sein Gegner Albin Keune geht ebenfalls mit großer Konzentration in den Kampf. „Am Montag war die letzte intensive Einheit, aktuell freue ich mich auf die Regenerationsphase. Am Freitag ist dann das Wiegen“, beschreibt er die aktuelle Phase. Körperlich spüre er die Belastung noch, aktuell vor allem Muskelkater, das Lampenfieber sei aber noch gering – „das kommt am Tag des Kampfes“, so Keune. Nun stünden vor allem organisatorische Dinge im Fokus, bevor der Kampf selbst in den Mittelpunkt rücke. „Ich bin topfit und vorbereitet fürs Wiegen. Wir haben uns etwas für Samstag einfallen lassen – da kann sich die Menge auf etwas freuen“, sagt er. Für ihn ist es der erste Kampf: „Vielleicht bleibt es auch der erste. Da möchte man wenigstens einmal glänzen.“ Unabhängig davon wolle er mit dem Sport weitermachen.

Schmidt gegen Kilic: Schwergewicht mit Geschichte

Im zweiten Amateurkampf treffen Viktor Schmidt und Dogan Kilic im Schwergewicht (+100 Kilogramm) aufeinander – ein Duell, das vor allem durch seine persönliche Dimension geprägt ist. Für Schmidt erfüllt sich mit der Teilnahme ein lang gehegter Traum. „Es war schon immer ein kleiner Traum für mich“, sagt der 24-Jährige bereits beim Casting, der für ihn überraschend und emotional zugleich war: „Ich war schon ein bisschen schockiert – im positiven Sinne.“

Mit zunehmender Nähe zum Kampf wächst auch bei ihm die Anspannung. „Es geht einem alles durch den Kopf, aber man kann sich das nicht richtig vorstellen.“ Dennoch überwiegt die Vorfreude auf den Moment im Ring: „Ich will den Moment genießen. Nicht jeder hat die Chance, auf so einer Bühne zu stehen.“

Die Vorbereitung ist inzwischen weit fortgeschritten, die letzten intensiven Trainingseinheiten sind absolviert, nun folgen nur noch leichtere Einheiten bis zum Kampf. „Ich fühle mich sehr fit und die Anspannung wird von Tag zu Tag mehr“, sagt Schmidt. „Jetzt darf es auch endlich losgehen.“ Sportlich ist der Fokus klar: „Auf jeden Fall liegt der Fokus aufs Gewinnen. Dennoch möchte ich den Moment auch genießen“

Dogan Kilic blickt der Begegnung gelassen, aber fokussiert entgegen. Die Woche sei ruhiger geworden, es gehe vor allem um Abläufe und Regeneration. „Aktuell bin ich noch nicht nervös, aber das wird noch kommen. Die Vorfreude ist definitiv da“, sagt er. Er fühle sich fit und sei froh, dass der Kampf nun endlich bevorsteht.

Das Einlaufen möchte er genießen, danach gilt voller Fokus dem Duell im Ring. „Das Ziel ist es, zu genießen, Spaß zu haben, das umzusetzen, was man gelernt hat – und natürlich zu gewinnen.“ Ihm ist bewusst, dass es kein leichter Abend wird: „Ausdauer wird ein Thema. Im echten Kampf ist das etwas anderes als im Training. Es wird sicherlich kein Zuckerschlecken. Samstag geht es über die Bühne, egal was ist. Ich habe Bock – die Nervosität kommt bestimmt aber noch.“

Trainerblick: Entwicklung und Nervosität

Auch aus Trainersicht ist die Entwicklung der vier Kämpfer deutlich sichtbar. Alex Hergert hebt vor allem die technische und taktische Verbesserung hervor: „Gerade im Bereich Timing und Technik haben sie sich stark verbessert.“ Gleichzeitig sei die steigende Anspannung ein normaler Bestandteil des Prozesses: „Man merkt jetzt, dass es ernst wird. Sie sind fokussierter, konzentrierter – das gehört einfach dazu.“

Auch Johann Gildenberg zieht ein positives Fazit der Vorbereitung. Die Entwicklung sei nicht nur körperlich, sondern auch mental deutlich erkennbar. Beide Trainer erwarten deshalb intensive und ehrliche Kämpfe, die den Auftakt des Abends prägen werden. „Ich bin guter Dinge, dass das richtig gute Duelle werden“, fasst Hergert zusammen.

Mehr als nur ein Auftakt

Auch wenn die Amateurkämpfe formal den Beginn des Abends markieren, sind sie weit mehr als nur ein Vorspiel für das Hauptprogramm. Sie stehen für einen kompletten Weg – vom Casting über monatelanges Training bis hin zum ersten großen Auftritt vor Publikum. Für die vier Kämpfer ist dieser Kampf nicht nur ein sportlicher Moment, sondern der Höhepunkt eines langen und intensiven Prozesses, der sie geprägt hat. Oder wie Steffen Schäfer es selbst zusammenfasst: „Wir haben jetzt schon alle gewonnen.“ Am Samstagabend zeigt sich dann im Ring, wie sich dieser Weg tatsächlich auszahlt.

 

Battle of Barock V am 25. April 2026

Vorverkaufsstellen:

Alte Schule Fulda, Goldene Nadel Fulda, Goldene Nadel Hünfeld, Easy Burger Lauterbach, Seize Fulda, Sporthaus im Kohlhäuser Feld Fulda, Nahkauf Petersberg, Brauns Gym Fulda, Prime Fitness Club Schlüchtern.

Ticketpreise:

Blöcke A bis C: 49 bis 59 Euro

Blöcke D bis I: 39 Euro

Online-Tickets: www.eventim.de/event/battle-of-barock-v-esperantohalle-21089082/

 

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