Die Franziskaner hätten seit mehr als 400 Jahren das Leben auf dem Frauenberg geprägt, erklärt Bruder Markus Fuhrmann, zuständiger Provinzialminister des Ordens. Er hebt hervor: „In enger Zusammenarbeit mit antonius: gemeinsam Mensch hat unser Wirken dort in den vergangenen Jahren neue Impulse erhalten – diese erfolgreiche Kooperation wollen wir fortsetzen.“ Fuhrmann bestätigt, dass die derzeitigen Verträge mit dem Bistum Fulda und antonius im Frühjahr 2027 enden würden. Der Provinzialminister erzählt: „Schon 2023 habe ich Bischof Gerber signalisiert, dass wir Franziskaner auch darüber hinaus in Fulda präsent bleiben möchten.“ Er habe dem Bischof im gleichen Gespräch jedoch ebenfalls mitgeteilt, dass die Franziskaner künftig nicht mehr die Baulast für die Immobilie tragen können.
Wie Fuhrmann mitteilt, gebe es seit Herbst 2024 bereits intensive Gespräche zwischen Franziskanern, der Stadt Fulda und dem Bistum Fulda. Ziel sei es, eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Frauenbergs zu finden: „Ende Juni hat mir das Bistum mitgeteilt, dass eine Einigung in greifbare Nähe rückt.“ Als weiteres Zeichen für die Erhaltung des Standorts in Fulda habe der Orden außerdem personelle Veränderungen geplant, so der Provinzialminister: „Um unsere Präsenz zu stärken, wird unser Bruder Michael im Oktober von Großkrotzenburg nach Fulda wechseln.“ Er ergänzt: „Wir sind zuversichtlich, auch nach 2027 auf dem Frauenberg leben und wirken zu können. Vertragliche Vereinbarungen dazu stehen jedoch noch aus." Der Frauenberg sei ein geistlicher Ort mit besonderer Ausstrahlung, macht Fuhrmann deutlich. Auf der Spitze würden sich Tradition und Innovation fruchtbar verbinden: „Diesen Ort möchten wir erhalten – und wir wissen Bischof Gerber in diesem Anliegen an unserer Seite.“
Ähnlich positiv zur aktuellen Kooperation äußert sich Guardian Pater Cornelius Bohl, der auf dem Frauenberg aktiv ist: „In vielen Jahren ist ein selbstverständliches und gutes Miteinander im Alltag gewachsen. Aus unterschiedlicher Perspektive leisten wir Franziskaner und antonius gemeinsam das, was wir uns vorgenommen haben: den Frauenberg als einen besonderen geistlichen Ort zu erhalten und zu gestalten.“ Das Engagement von antonius passe sehr gut zu den Zielen der Franziskaner: „In der Nähe zu den Menschen etwas von der Nähe Gottes erfahrbar zu machen.“ Er beschreibt die Zusammenarbeit als eine win-win-Situation für beide Seiten. Die Kooperation werde zudem von sehr vielen Menschen als kreative und hoffnungsvolle Perspektive für die Zukunft wahrgenommen: „In Zeiten zunehmender wachsender Spannungen, in denen in rechten Kreisen auch Ausgrenzung und Diskriminierung wieder zunehmen, hat diese Kooperation nicht nur eine spirituelle, sondern in gewisser Weise auch eine politische Botschaft.“
Alexander Gies, Leiter der Kommunikation bei antonius, zieht ebenfalls ein durchweg positives Resümee: „Dank der Kooperation ist es gelungen, das Kloster zu beleben und den Fuldaer Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen von außerhalb zugänglich zu machen - als geistliches Zentrum und einmaligen Ort der Spiritualität, Inklusion und Gemeinschaft.“ Er verweist unter anderem auf das Tagungshaus, die verschiedenen Veranstaltungen wie Klostermärkte und Terrassenkonzerte sowie das Flora Klostercafé, welche sehr gut angenommen werden: „Auch der gemeinsam gestaltete (und erfreulicherweise stets gut besuchte) monatliche Hoch-oben-Gottesdienst ist ein Erfolg und macht Kirche und Zusammenhalt auf lebendige Art erfahrbar.“
Gies hebt hervor, dass die Verbindung zwischen den Franziskanern und antonius nicht erst seit 2017 bestehe, sondern seit mehr als 120 Jahren eine enge Verbundenheit vorhanden sei: „Seit 1908 waren 21 Brüder seelsorgerisch bei antonius tätig, aktuell bereichert Pater Thomas unsere Gemeinschaft mit seiner seelsorgerischen Arbeit.“ Das Leben oben auf dem Frauenberg gehe Hand in Hand und sei jederzeit von Offenheit und Herzlichkeit geprägt, erläutert der Leiter der Kommunikation: „Mittlerweile arbeiten 112 Menschen auf dem Frauenberg. Alleine diese Zahl verweist auf die große Bedeutung, welche die Kooperation über die Jahre hinweg entwickelt hat.“ Entsprechend biete die Kooperation diesen 112 Personen die Chance auf ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben: „Es würde einen großen Verlust bedeuten, könnte dieses Projekt nicht fortgesetzt werden. Weil die Kooperation aber von allen Seiten positiv betrachtet wird, sind die Franziskaner und auch antonius optimistisch, dass ein Weg gefunden wird, sie fortzusetzen.“
Wie Gies mitteilt, würden viele Bürgerinnen und Bürger, darunter auch die über 200 Mitglieder des Fördervereins „Freunde des Frauenbergs“, bestätigen, dass sie sich eine Zukunft des „inklusiven Frauenbergs“ wünschen würden. „Darüberhinaus setzt antonius mit dem Projekt "WeltRaum Frauenberg" ein Zeichen für eine vielfältige und zukunftsfähige Arbeitswelt. Dabei wohnen junge Menschen aus aller Welt mit im Kloster, die bei antonius einen Freiwilligendienst absolvieren“, berichtet er und ergänzt: „Die Teilnehmenden werden sprachlich, kulturell und sozial eng begleitet - auch um sie dauerhaft als Fachkräfte in die Region zu integrieren.“ An der Fortsetzung der Kooperation sei antonius dementsprechend ganz klar interessiert.
