Benjamin Tschesnok, 41 Jahre alt, Jurist und amtierender Bürgermeister, nutzte die Gelegenheit, um seine bisherige Arbeit sowie seine Vorstellungen für die Zukunft der Konrad-Zuse-Stadt darzulegen. „Ich gestalte Hünfeld mit Herz, Verstand und Erfahrung“, so Tschesnok, der seine politische Laufbahn bereits 2006 als Stadtverordneter begann. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem im Ausbau der digitalen Verwaltung, in der Stärkung der Ortsteile sowie im weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Mario Wagner, 48 Jahre alt, Oberstudienrat arbeitet als Lehrer für Latein, Religion und Ethik. Er stellte sich als engagierter Sozialdemokrat vor, der sich insbesondere für Bildung, Ehrenamt und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Er lebt im Stadtteil Großenbach und betonte, wie wichtig ihm das Vereinsleben und die Nähe zu den Menschen sind: „Ich möchte Ansprechpartner sein und gemeinsam mit den Hünfeldern neue Impulse setzen.“
Ein zentrales Thema des Abends war der angespannte Wohnungsmarkt in Hünfeld. Wagner forderte mehr Tempo und Engagement beim Bau bezahlbarer Wohnungen: „Gerade in Hünfeld brauchen wir dringend mehr bezahlbaren Wohnraum.“ Tschesnok verwies auf konkrete Maßnahmen, wie das Neubaugebiet „Molzbacher Höhe“ mit Reihen- und Doppelhäusern, die Vergabe von Erbbaurechten sowie drei größere Bauprojekte mit insgesamt 44 geplanten Sozialwohnungen. Auch Themen wie Nachverdichtung und die Renovierung bestehender Gebäude wurden diskutiert, ebenso wie die Rolle städtischer Fördermittel und Landesprogramme.
Auch die Zukunft der Innenstadt wurde thematisiert. Beide Kandidaten sehen einen Wandel – weg vom klassischen Einzelhandel, hin zu mehr Aufenthaltsqualität, Gastronomie und kultureller Nutzung. Tschesnok nannte Beispiele wie eine geplante Skybar, einen Künstlergarten oder ein Familiencafé. Wagner plädierte für eine stärkere Einbindung der Bürger in die Entwicklung neuer Nutzungskonzepte und kritisierte Leerstände: „Wir brauchen kreative Ideen für eine lebendige Innenstadt.“ Trotz Haushaltsdefiziten durch Sondereffekte – etwa Rückzahlungen bei der Gewerbesteuer – sieht Tschesnok die Stadt finanziell auf einem soliden Kurs: „Wir haben die Rücklagen deutlich erhöhen können, ohne die Handlungsfähigkeit zu verlieren.“ Wagner betonte, dass finanzielle Mittel zielgerichtet und mit sozialer Verantwortung eingesetzt werden müssten. Beide Kandidaten sprachen sich für eine nachhaltige Haushaltsführung aus, bei der Subventionen und Investitionen regelmäßig überprüft und priorisiert werden sollten.
Im Bereich Gesundheitsversorgung zeigten beide Kandidaten Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung. Trotz ausreichender Arztsitze fehle es vor allem an Haus- und Kinderärzten. Tschesnok berichtete von städtischen Bemühungen, medizinische Versorgungszentren (MVZ) am Helios-Krankenhaus anzusiedeln. Wagner forderte verstärkte Anreize für junge Ärzte, sich in Hünfeld niederzulassen. Auch der öffentliche Nahverkehr und die Verkehrsinfrastruktur wurden lebhaft diskutiert. Die Themen reichten vom Mangel an Taxis über die Rolle des Citybusses bis hin zu On-Demand-Verkehrsmodellen. Beide Kandidaten waren sich einig, dass das Radwegenetz weiterentwickelt werden müsse, allerdings unter Berücksichtigung finanzieller und baulicher Möglichkeiten.
Bürgerfragen zu vielfältigen Themen
Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten, wie groß das Interesse an konkreten kommunalen Themen ist. Besonders kritisch äußerte sich ein Bürger zur schleppenden Umsetzung des Photovoltaik-Projekts der Stadtwerke, bei dem trotz großer Nachfrage kaum Fortschritte sichtbar seien. Bürgermeister Tschesnok räumte Verzögerungen ein und sprach von internen Verbesserungen, betonte aber auch, dass viele Bürger inzwischen eigene Lösungen gefunden hätten. Weitere Fragen betrafen unter anderem Leerstände im Hünfelder Norden, die als unzureichend empfundene ärztliche Versorgung, die Zukunft des Taxiverkehrs und die Verkehrsanbindung während der Baustelle am Hallenbad.
In vielen grundsätzlichen Fragen herrschte an diesem Abend Einigkeit – etwa beim Bedarf an mehr Wohnraum, nachhaltiger Finanzpolitik oder einer lebendigen Innenstadt. Unterschiede wurden vor allem in der Herangehensweise deutlich: Während Tschesnok auf Erfahrung, Kontinuität und langfristige Planung setzt, wirbt Wagner für neue Impulse, soziale Akzente und stärkere Bürgerbeteiligung.
