Ursprünglich hatte der heute 42-jährige Familienvater Koch gelernt und in der Kantine von Goodyear gearbeitet. Nach einer Ausbildung zum Anlagen- und Maschinenführer begann vor 14 Jahren seine Karriere in der Produktion, mit laufendem Schichtbetrieb. Er kann sich noch gut an die „Hiobsbotschaft“ Ende 2023 erinnern, als die Schließung des Standorts mitgeteilt wurde: „Da guckst du dumm aus der Wäsche.“ Besonders bitter sei den Mitarbeitenden aufgestoßen, dass nach dem vorherigen Abbau von 400 Stellen im Jahr 2020/21 die übrigen Arbeitsplätze als gesichert galten: „Man hat sich verarscht gefühlt.“ Wie Böhmer hervorhebt, hätten die Teams bis heute im Werk dennoch ihr „Ticket erreicht“, also die Produktion aufrechterhalten: „Wir haben alles gemacht, was von uns verlangt wurde.“
Das langsame Ende der „Gummi“ in Fulda sei für viele im Betrieb sehr schmerzhaft gewesen, gibt der 42-Jährige an. Einige seiner Kollegen hätten seit 40 Jahren bei Goodyear gearbeitet. Anfang des Sommers sei die Produktion durch eine erste Kündigungswelle bereits merklich zurückgefahren worden. Danach begann der Abbau von Maschinen und Produktionsstraßen: „Plötzlich war das Werk so leer. Es sah aus, als ob wir die Letzten hier wären.“ Böhmer erzählt, dass er und die Kollegen in den Schichten der vergangenen Wochen, wenn die Produktion abgeschlossen war, noch ein wenig Zeit miteinander verbracht hätten: „Nochmal zusammensitzen, in Ruhe Kaffee trinken.“ Am Dienstag hatte der Maschinenführer dann seinen letzten Arbeitstag, den er als sehr emotional beschreibt. In den kommenden Monaten wolle Böhmer zunächst eine Auszeit nehmen und Zeit mit der Familie verbringen. Der eigenen beruflichen Zukunft blickt er positiv entgegen: „Es geht eine Tür zu und eine andere geht auf.“
Ein Fulda ohne die „Gummi Werke“, das kann sich der 42-Jährige noch nicht so richtig vorstellen. Die Marke „Fulda Reifen“ solle zwar fortbestehen, das Werk in Osthessen aber nicht: „Meines Erachtens wird es in Fulda definitiv fehlen.“ In den vergangenen Jahrzehnten hätten zahlreiche Menschen bei Goodyear ihr Geld verdient und sich dadurch Existenzen aufgebaut: „Das hat der Region gutgetan.“
