Tennis 13.09.2025

Technik auf dem Court: Chinesischer Roboter-Prototyp in Fulda getestet

Fulda (sim) – Ein fahrbarer Tennis-Roboter, ausgestattet mit Kamera, App-Steuerung und Künstlicher Intelligenz – was klingt wie Zukunftsmusik, wurde nun in Fulda Realität. Im Tennis- und Squashcenter in der Weichselstraße wurde der neuartige Prototyp aus China erstmals in Deutschland getestet. Kein Publikum, keine große Show – dafür volle Konzentration auf Technik, Ballgefühl und Funktion. Entwickelt für Einzeltraining ohne Partner, analysiert der Roboter Spielsituationen und bewegt sich eigenständig auf dem Platz. Noch ist er nicht serienreif, aber der erste Eindruck: vielversprechend.

Von Links: Kiano Litz, Sarah Amelie Popovici, Noell Marie Popovici, Uli Fromm und Kasper Fromm. Fotos: Silas Messing

Joseph Law und Richard Mou gehören zum Entwickler-Team in China und vertreten den Roboter vor Ort.

Der Roboter sieht aus wie ein kompakter Kasten auf Rädern mit Fangnetz – unscheinbar, bis er sich plötzlich in Bewegung setzt. Mit Hilfe mehrerer Kameras erkennt er Positionen, analysiert das Spiel und spielt Bälle variabel zurück, indem er einen neuen Ball ausschießt – mit anpassbarem Tempo, Spin und Richtung. Gesteuert wird er per App, über die sich Schlagvarianten und Zielzonen festlegen lassen. Noch ist nicht alles perfekt: Bei extremen Winkeln oder Stopps reagiert der Prototyp etwas langsam, und auch die App funktioniert noch nicht vollständig stabil. Doch genau darum ging es beim stillen Test in Fulda – um Beobachtung, Feedback und technische Feinarbeit.

Im Gegensatz zu klassischen Ballmaschinen steht der Roboter nicht an einem festen Punkt, sondern bewegt sich flexibel über das Feld. Das macht ihn besonders wertvoll für realitätsnahe Übungsszenarien. Spieler können längere Trainingsphasen absolvieren, ohne Bälle einsammeln zu müssen. Die Batterie hält rund zwei Stunden, mit optionalem Zweitakku etwas länger. Die App-Entwicklung läuft parallel zur Hardwareoptimierung – Updates sind angekündigt, Testergebnisse fließen direkt ins Entwicklerteam nach Shenzhen zurück. „Für längere Übungseinheiten, wo es auch um Genauigkeit geht, kann man ihn sehr gut nutzen“ berichtet Uli Fromm, Trainer von Rot-Weiß Fulda.

Die Idee zum Roboter entstand in China aus einem alltäglichen Problem: Viele Tennisbegeisterte finden dort nur schwer regelmäßige Spielpartner. Aus dem Wunsch nach einem flexiblen Trainingsgerät wurde ein marktreifes Konzept. Inzwischen läuft eine internationale Kickstarter-Kampagne, etwa 100 Vorbestellungen gehen pro Woche ein – auch aus Europa und den USA. Der Preis liegt zwischen 2500 und 3000 Euro, je nach Ausstattung. Die Serienproduktion ist für Oktober geplant.

Der in Fulda getestete Prototyp von „Acemate“ bleibt dauerhaft vor Ort – er wird vom Verein Rot-Weiß Fulda übernommen und dort weiter eingesetzt. Damit ist Fulda nicht nur Teststandort, sondern zugleich einer der ersten Plätze weltweit, an dem mit dem smarten Roboter langfristig trainiert wird. Die offizielle Vorstellung für die Öffentlichkeit in der Region folgt am Sonntag beim Turnier von Rot-Weiß Fulda am Frauenberg. In den Spielpausen wird der Roboter live demonstriert – samt App-Steuerung, Infomaterial und einem Ausblick auf das, was technisch noch möglich werden könnte.

Vorstellung des Tennis-Roboters. Fotos: Silas Messing