Lokales FD 20.09.2025

Talkrunde mit Glania und Co: Bis an die Grenzen und darüber hinaus

Fulda (jah) – Bis an die eigenen Grenzen gehen, und sogar darüber hinaus: Das hat wohl jeder in seinem Leben schon einmal erlebt – vor allem für Sportler ist das allerdings keine Seltenheit, sondern oftmals Alltag. Einen spannenden und detaillierten Einblick konnten nun die Besucher am Freitagabend im Fuldaer Kanzlerpalais gewinnen: Dort sprachen Jan-Philip Glania (Deutscher Meister im Schwimmen und Olympiateilnehmer), Sascha Gramm (Ultraläufer), Silke Kind (Ping-Pong-Parkinson) und Katharina Werthmüller (Vizemeisterin im Paraclimbing) in einer Talkrunde über körperliche und psychische Grenzen – und was es braucht, über sie hinauszuwachsen.

Fotos: Janosch Hensel

Vor allem in den „kleineren“ Sportarten stehen die Sportlerinnen und Sportler vor immer größeren Herausforderungen, wenn sie langfristig erfolgreich sein und in die Weltspitze vorstoßen wollen – beispielsweise in finanzieller Hinsicht, wie Jan-Philip Glania erklärte: Erst nach seiner Olympiateilnahme 2012 kam die Unterstützung von Sponsoren. „Die Sportförderung in Deutschland ist nicht gut. Von der deutschen Sporthilfe kommt zwar was, als Profisportler kommt man damit aber nicht weit.“ Positiv hingegen sei die Unterstützung aus seiner Heimatregion gewesen, wie der Petersberger Zahnarzt betonte: „Man muss zusehen, dass man es selbst in die Hand nimmt. Aber aus Fulda hatte ich immer den nötigen Rückhalt. Nur wenn dieser Background da ist, schafft man es nach oben.“ Seiner Karriere habe er damals einiges untergeordnet, leicht sei das nicht immer gewesen, wie der studierte Zahnmediziner verdeutlichte: „Morgens bin ich in die Uni gegangen, von zuhause dann direkt ins Training. Abends habe ich dann gelernt bis 24 Uhr, am nächsten Morgen ging es wieder in die Uni. Ich würde das aber nicht missen wollen. Allein die Erfahrungen, die ich gemacht habe und die Menschen, die ich auf dem Weg kennengelernt habe. Ich würde es genauso wieder machen.“

Bewegend war auch die Geschichte von Silke Kind, die im Ping-Pong-Parkinson aktiv ist. Sie sprach unter anderem über die Vorurteile, mit denen sie selbst, aber auch die meisten anderen, an Parkinson leidenden Menschen zu kämpfen haben: „Viele denken, Parkinson bekommt man erst, wenn man älter ist. Es bekommen aber auch viele Leute schon im jüngeren Alter. Oftmals ziehen die sich dann zurück, begeben sich in Selbstisolation.“  Mit dem Ping-Pong-Parkinson versuche Kind daher, gemeinsam mit vielen weiteren, dem entgegenzutreten: „Wir versuchen sie dann zu überzeugen, Tischtennis zu spielen, um aus diesem Loch rauszukommen.“

Aber nicht nur die Lebensgeschichten von Glania und Kind, auch die Erzählungen von Sascha Gramm und Katharina Werthmüller verdeutlichten den Besuchern im Kanzlerpalais: Mit Willen, der richtigen Einstellung und dem Glauben an sich selbst ist es möglich, bis an seine eigenen Grenzen zu gehen – und darüber hinaus.

Talkrunde im Kanzlerpalais in Fulda. Fotos: Janosch Hensel