Den Ursprung der deutschen Demokratie stärken und Erinnerungsorte schaffen, die die Entwicklung sichtbar machen: Die Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“, die vom Bund ins Leben gerufen wurde und ihren Sitz in Frankfurt hat, hat sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der wechselvollen deutschen Demokratiegeschichte zu fördern.
Fulda fehlte bisher auf der „Deutschlandkarte der Demokratie“, die aus digitalen Angeboten und einer analogen Plakette besteht. Nun war das Fuldaer Stadtschloss dran: Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld dankte dabei für die Initiative aller Beteiligten und gab an: „Wir haben hier rund 40.000 Besucher pro Jahr. Es ist ein Ort der Demokratie, und das wollen wir vermitteln. Das ist eine große Aufgabe in unserer vielfältigen Gesellschaft, aber auch eine große Chance – einerseits durch das digitale Zeitalter, doch auch das Haptische ist dabei sehr wichtig“. Demokratie sei eine große Errungenschaft in der Historie, die es zu pflegen gelte.
Hermann-Josef Klüber ging derweil darauf ein, wie der Förderverein auf die Stiftung aufmerksam wurde: Er berichtete vom 92. Deutschen Archivtag, der in zwei Wochen in Fulda stattfinden wird. Dazu organisierte der Förderverein ein Rahmenprogramm, stolperte dabei über die Archivschule Marburg als ebenfalls ausgezeichneten Ort der Demokratiegeschichte, und wurde hellhörig: „Von A bis Z war alles dabei, außer F für Fulda – das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen“, schmunzelte Klüber. Das Stadtschloss sei einer von acht historischen Orten in Fulda, die dabei in Frage kamen.
„Schloss und Demokratie – wie passt das zusammen?“
Warum die Wahl dann auf das Stadtschloss fiel, begründete Dr. Markus Lang, Programmreferent der Stiftung. Er lobte: „Sie haben uns wunderbar überzeugt. Dieses Stadtschloss gehört auf unsere Karte“. Lang erzählte von den Anfängen der Demokratie, die an anderen Orten auf der Karte sogar bis vor die Französische Revolution zurückgehen. Die Geschichte in Fulda ist etwas jünger, aber ebenso spannend: „Die Menschen sollen sich wundern: Schloss und Demokratie – wie passt das zusammen?“, so Lang. Dadurch könne historisch-politische Bildung vermittelt werden. „Demokratiegeschichte kann uns Mut machen, und heute ist unsere Demokratie wandelbar. Es braucht Haltung und Einsatz der Menschen“.
Dies hatte auch Bundestagsabgeordneter Michael Brand aufgegriffen, der stolz war, dass seine Heimatstadt nun auch auf der Karte auftauche: „Demokratie funktioniert nicht von oben, sondern braucht ein Fundament“. Das Stadtschloss solle als auserkorener Ort nun Erinnerungen an die Wurzeln der Demokratie schaffen, ein Ausgangspunkt zur Orientierung sein, besonders aber eine Aufforderung, „sich für unsere Demokratie stark zu machen. Sie steht und fällt mit der inneren Haltung eines jeden“.
Im Beisein einiger Vertreter des Fördervereins „Freunde des Museums“ und des Geschichtsvereins der Stadt sowie der Stadtverordnetenversammlung und -verwaltung wurde die Plakette am Eingang dann feierlich enthüllt – der QR-Code verlinkt direkt auf die entsprechenden Inhalte, die federführend von Dr. Thomas Heiler angefertigt worden sind. „Vom Fürstabt bis zum Oberbürgermeister“, schmunzelte Brand. Weit über 100 Plaketten sind bislang vergeben worden, unter anderem auch an die deutsche Botschaft in Prag, die bisher einzige im Ausland.
Der Stiftungseintrag des Stadtschlosses Fulda: https://www.demokratie-geschichte.de/karte/12020
