Intensive Beratungen zu kirchlichen Reformen und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen bildeten den inhaltlichen Schwerpunkt der Vollversammlung. Darüber hinaus gab es tägliche Gottesdienste im Fuldaer Dom und in der Michaelskirche.
Synodalität und kirchliche Reformen
Ein zentrales Thema war die Umsetzung synodaler Strukturen. Die Bischöfe bereiteten die kommende Sitzung des Synodalen Ausschusses im November vor. Zwei neue Handlungstexte sowie ein Entwurf für die Satzung einer künftigen nationalen Synodalversammlung wurden diskutiert. Ziel war eine stärkere Beteiligung von Laien an Leitungs- und Entscheidungsprozessen – bei gleichzeitiger Wahrung der bischöflichen Verantwortung. „Es geht nicht um ein Machtgerangel“, sagte Bätzing: „Sondern um neue Formen gemeinsamer Beratung und Entscheidung – im Geiste der Weltsynode.“ Zudem stellte die Konferenz die überarbeitete pastorale Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ vor, die Segensfeiern für nicht kirchlich verheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare ermöglichte. Der Austausch mit Rom dazu sei offen und transparent erfolgt.
Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs
Bätzing betonte erneut, dass das Thema sexueller Missbrauch dauerhaft wichtig bleibe. „Wir wissen, dass Anerkennung kein Schlussstrich sein kann – sondern Teil eines langen und schwierigen Prozesses“, sagte er. Die unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) hatte bis Ende 2024 rund 3340 Entscheidungen getroffen – etwa 77 Prozent aller Anträge. Die Höhe der Anerkennungsleistungen belaufe sich für den Zeitraum Januar 2021 bis Ende 2024 auf insgesamt 76.665.300 Euro. Kritik betroffener Personen bezöge sich weiterhin auf lange Bearbeitungszeiten und unzureichende Begründungen. Diese Hinweise wurden im Betroffenenbeirat gesammelt und ausgewertet.
Kirche und weltpolitische Verantwortung
Mit Blick auf die Sicherheitslage in Europa wurde über die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert. Die Bischöfe sprachen sich für eine Stärkung freiwilliger Dienste aus, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Auch die Lage im Nahen Osten wurde thematisiert. Die Bischöfe bekannten sich zur Solidarität mit Israel und dessen Selbstverteidigungsrecht, übten jedoch zugleich Kritik an der humanitären Situation im Gazastreifen. „Die Gewalt muss sofort enden – für Israel und für Palästina“, sagte Bätzing. Man fordere eine Waffenruhe, die Freigabe humanitärer Hilfen und eine Rückkehr zu Verhandlungen mit dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung.
Sozialstaat, Lebensschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Der Sozialstaat stehe aus Sicht der Bischöfe unter zunehmendem Druck – unter anderem durch den demografischen Wandel. Sie hielten Reformen für notwendig, warnten aber zugleich vor einer gesellschaftlichen Spaltung. In der Debatte um Schwangerschaftsabbrüche sprachen sie sich erneut für den Schutz des ungeborenen Lebens aus. Zugleich müsse das Selbstbestimmungsrecht der Frau berücksichtigt werden – gerade in schwerwiegenden Konfliktsituationen unter Einbeziehung von Ethikkommissionen. „Wir stehen für den Lebensschutz von Anfang bis zum natürlichen Tod – aber wir sehen auch die komplexen Lebenslagen, in denen Frauen Entscheidungen treffen müssen“, sagte Bätzing. Die Bischöfe betonten, dass es keine einfachen Lösungen gebe, und warben für eine verantwortungsvolle gesellschaftliche Auseinandersetzung. Ein menschenwürdiger Umgang mit betroffenen Frauen sei unerlässlich. Ziel müsse es sein, Lebensschutz und Mitgefühl gemeinsam zu denken – statt sie gegeneinander auszuspielen.
Haltung zu Populismus und Nationalismus
Die Deutsche Bischofskonferenz positionierte sich klar gegen völkischen Nationalismus und politische Radikalisierung. „Nationalismus in völkischer Form ist mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar“, betonte Bätzing. Extremismus bedrohe den gesellschaftlichen Diskurs – ebenso wie spaltende Tendenzen innerhalb der Kirche selbst.
Deutsch-polnische Beziehungen und historische Verantwortung
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war der Austausch mit dem polnischen Weihbischof Krzysztof Zadarko. Anlass war das Gedenken an den Briefwechsel der deutschen und polnischen Bischöfe von 1965. Für den 18. November sei eine gemeinsame Erklärung und eine Gedenkveranstaltung in Breslau geplant. Auch das Verhältnis der Kirche zu den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus kam zur Sprache. Die Bischöfe bekannten sich zur historischen Verantwortung und zur weiteren Aufarbeitung.
Strukturen, Ausblick und Personalfragen
Im internen Teil beschlossen die Bischöfe, die Zahl der Kommissionen von vierzehn auf acht zu reduzieren und strategisch neu auszurichten. Ziel sei eine effizientere und flexiblere Arbeitsweise. Die Umsetzung solle bis Herbst 2026 abgeschlossen sein. Bätzing kündigte an, nicht in den Ruhestand zu gehen, ließ aber offen, ob er für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender kandidieren werde. Die nächste Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wurde für den Zeitraum vom 23. bis 26. Februar 2026 in Würzburg angekündigt.
