Lokales FD 03.09.2025

Offener Austausch im Zentrum – Stadtgeflüster als Impuls für Fulda

Fulda (sim) – Im Malteser Zentrum Fulda ist am Dienstag das neue Projekt „Fuldaer Stadtgeflüster“ gestartet. Die Initiative des Malteser Hilfsdienstes möchte einen Begegnungsraum schaffen, in dem Menschen unterschiedlicher Generationen und kultureller Hintergründe miteinander ins Gespräch kommen, persönliche Erinnerungen teilen und voneinander lernen können.

Von Links: Christin Roos, Marion Wagner, Wolfgang Dippel und Waltraud Born. Foto: Silas Messing

Zur Auftaktveranstaltung kamen zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Ehrenamt zusammen. Mit dabei waren unter anderem der ehemalige Fuldaer Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel, Dr. Marion Wagner als stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Familie und Jugend in Fulda, Projektinitiatorin Waltraud Born sowie die Diözesangeschäftsführerin der Malteser Fulda, Christin Roos. Roos eröffnete die Veranstaltung mit einem symbolischen Beitrag: Ein kleiner „Malteser-Schlumpf mit Koffer“ stand für all die Geschichten, Erfahrungen und Ideen, die Menschen in die Stadt und in das Projekt mitbringen. „Dieser Schlumpf ist ein kleines Sinnbild dafür, was wir uns mit dem Stadtgeflüster wünschen – Menschen bringen ihre Geschichte mit, ihre Ideen, ihr Lachen, manchmal auch ihre Sorgen“, sagte Roos in ihrer Begrüßung. Sie betonte die Freude über den Projektbeginn und richtete ihren Dank an Waltraud Born: „Ohne ihren Einsatz und ihre Begeisterung würde es dieses Projekt nicht geben.“

Ehrengast Wolfgang Dippel gewährte den Zuhörenden einen sehr persönlichen Einblick in seine Zeit als Bürgermeister und seine Verbindung zur Stadt Fulda. In seinen Erzählungen verband er politische Erfahrungen mit Anekdoten aus dem Alltag – darunter Geschichten über die Fastnacht, lokale Bräuche oder auch den Umgang mit Verkehrsdelikten. „Ich musste mich anfangs an vieles gewöhnen – an die Fuldaer Sprache, an die Fastnacht und an eine Stadt, die auf eine ganz eigene Weise funktioniert“, so Dippel. Besonders eindrücklich waren seine Schilderungen zu einem Unfall, durch den er selbst auf einen Rollstuhl angewiesen war. „Das hat meinen Blick auf viele Dinge verändert. Plötzlich merkt man, wo überall Barrieren sind – nicht nur baulich, sondern auch im Kopf.“ Dippel betonte, wie sehr ihn die Offenheit der Fuldaer Bevölkerung berührt habe: „Ich habe Fulda als eine Stadt erlebt, in der man schnell aufgenommen wird – wenn man bereit ist, sich einzulassen.“ Mit Blick auf das Stadtgeflüster sagte er: „Der Austausch zwischen den Generationen ist kein Luxus, er ist eine Notwendigkeit. Nur wenn wir reden, lernen wir voneinander – das ist gelebte Demokratie.“

Auch Wagner richtete sich an die Gäste und hob die Bedeutung des Projekts für die Stadtgesellschaft hervor. Als selbst Zugezogene sprach sie über die Kraft des Erinnerns und die verbindende Wirkung von persönlichen Geschichten. „Das Stadtgeflüster ist wie eine Reise – zurück in die Vergangenheit, aber auch hinein in unsere gemeinsame Zukunft“, sagte sie. Das Erzählen und Zuhören sei kein Selbstzweck, sondern schaffe echte Verbindung: „Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entsteht Nähe – über alle Altersgrenzen und kulturellen Unterschiede hinweg.“ Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen nicht politische Diskussionen, sondern echte Lebensgeschichten. Die Teilnehmenden erzählten, hörten zu, lachten gemeinsam – und entdeckten dabei Verbindendes, wo zuvor vielleicht Unterschiede gesehen wurden. „Es ist diese Offenheit, die das Projekt trägt“, so Wagner weiter. „Nur wenn wir einander wirklich zuhören, kann Respekt entstehen.“ Das Projekt setzt bewusst auf diesen persönlichen Zugang und möchte auch bei künftigen Veranstaltungen weitere Menschen erreichen. Christin Roos betonte zum Abschluss: „Fulda ist eine Stadt, die von der Vielfalt ihrer Menschen lebt. Es ist schön zu sehen, wie viele sich mit dieser Stadt verbunden fühlen – egal ob sie hier geboren wurden oder erst seit Kurzem hier leben.“ Das Stadtgeflüster solle genau dafür Raum schaffen – „ehrlich, vielfältig und berührend“.