Der Weg von Paulina Schmitt ins Unternehmen ihres Vaters war nicht vorgezeichnet, wie sie berichtete: „Eigentlich hatte ich mich nie in der Nachfolge gesehen. Mein Opa, mein Vater haben so viel aufgebaut, es wäre schade gewesen, dass alles wegzuwerfen.“ Nach dem Abitur arbeitete sie zuerst in sozialen Projekten der Flüchtlingshilfe, bevor sie mit 19 Jahren von der Pike auf im Unternehmen der Familie anfing – zuerst in der Produktion, mit dem dort teilweise raueren Umgangston: „Das war schon sehr hart ungewohnt. Dort konnte ich lernen, dass es wichtig ist, ganz unten anzufangen.“ Dass sie heute in der Lage ist, auch selbst alle Fertigungsschritte bis zur fertigen Wurst alleine auszuführen, bringe ihr durchaus Respekt der Mitarbeiter ein. Zwangsläufig habe sich auch die Vater-Tochter-Beziehung geändert, immerhin war Peter Schmitt nicht mehr nur Vater, sondern auch Chef: „Es war dann auch gut, erst einmal rauszugehen, um zu studieren und Einblicke in andere Unternehmen zu bekommen. Unternehmensnachfolge ist nicht nur fachliche Qualifikation, sondern auch menschliche Reife und Entwicklung.“
Seit diesem Jahr ist Paulina Schmitt eine von drei Geschäftsführern im Unternehmen. Sie berichtete von neuen Impulsen, welche sie einbringen konnte: „Die Themen sind heute so viel mehr und komplexer geworden, da ist vieles viel schwieriger geworden.“ Peter Schmitt habe noch eine ganz andere Art der Mitarbeiterführung gelernt als sie. Insgesamt zog sie aber ein sehr positives Fazit dazu, den Schritt gewagt zu haben: „Wir sollten alle eine Vision für unser Leben haben, wo wir wissen, das möchte ich machen. Es ist cool, jetzt in der vierten Generation Fleisch und Wurst zu produzieren. Manchmal würde ich zwar gerne schneller springen, größere Schritte machen – finde es aber total toll, wie es gerade läuft.“
Einen etwas anderer Weg hatte Tanja Hengst genommen, bevor sie 2022 das 1991 gegründete Maschinenbauunternehmen ihres Vaters übernahm – auch wenn sie von Anfang an dabei war: „Mein Vater hat bei uns im Haus angefangen. Als Kind ging ich nur in den Keller und war mitten im Betrieb.“ Nach dem Studium war sie aber beim Unternehmen Siemens beschäftigt, für das sie weltweit unterwegs war. Während der Elternzeit mit einem Zwilling erkrankte ihr Vater und sie übernahm, nach Rücksprache mit ihrem Mann, das Maschinenbauunternehmen mit vier Mitarbeitern. Mit neuen Ideen und Kunden macht sie es seitdem zukunftsfähig. Produktion und Lagerhallen wurden modernisiert, der Kundenstamm wurde ausgebaut und eine umfangreiche Qualitätssicherung etabliert. Unternehmern und Unternehmerinnen gab sie mit auf den Weg: „Nachfolge braucht Vision und neue Wege.“ Wie sehr ihr das gelungen ist, sieht man an der Nominierung für den Hessischen Gründerpreis.
Eingeladen hatte der Mentorenstammtisch, welcher jeden zweiten Dienstag im Monat an wechselnden Orten sattfindet. Heike Kunte-Link bringt dort erfahrene Unternehmer zusammen mit Nachfolgern, um gemeinsam zu profitieren. Zu den allgemeinen Rahmenbedingungen meinte Kunte-Link: „Ziel ist immer die Freiheit. Wir haben uns alle selbstständig gemacht, um frei zu sein. Da werden uns aber immer wieder Steine in den Weg gelegt.“
Zudem gaben Christine Acker und Ximena Lopez von „Jumpp – Anlaufstelle Unternehmensnachfolge“ ein Einblick in die Arbeit des gemeinnützigen Vereins aus Frankfurt. Dieser begleitet seit über 40 Jahren Frauen und seit 15 Jahren auch Männer bei der Unternehmensnachfolge. Am besten funktioniere die Übergabe, wenn sie langfristig geplant werde – „es ist oft ein Prozess von ein bis zwei Jahren“, sagten sie und machten darauf aufmerksam, als Unternehmer einen „Notfallplan“ zu haben. Immerhin 14 Prozent aller Wechsel würden durch Unfall, Krankheit oder Tod erfolgen, wofür aber nur ein Drittel der Unternehmer vorher Vorsorge getroffen hätten.
