Welch historische Bedeutung das Duell hat, wissen die Protagonisten beider Vereine selbst am besten: Borussia gegen Germania, zwei Namen, die in Fulda Strahlkraft haben. Das zeigte schon das Duell im Mai 2023, als der SCB vor 1500 Zuschauern am Gallasiniring A-Liga Meister wurde. Damals noch bei den Germanen an der Seitenlinie war Pece Bosevski, der im Sommer darauf die Seiten wechselte und seither mit Marko Karamatic die Borussia coacht. Nicht nur aufgrund der Verbundenheit zu beiden Vereinen wird es ein besonderes Spiel: „Ich war in der C-Jugend von Germania zu Borussia gewechselt und wir durften damals zwei Spiele im Stadion machen, unter anderem ein Stadtpokalfinale. Das ist schon was Besonders, ein ganz anderes Feeling. Das sollte man genießen – und wir wollten alles dafür tun, den Jungs von heute das auch möglich zu machen“.
Auch für die Zuschauer soll es ein Erlebnis werden, hofft Bosevski, der einst sogar als Balljunge der ersten Mannschaft von Borussia bei Highlight-Spielen wie gegen Nürnberg dabei war: „Für alle Begeisterten von Borussia Fulda wollen wir ein Erlebnis schaffen. Für alle Fans, auch die älteren, dass sie wieder mal ins Stadion kommen und sich an frühere Zeiten erinnern können. Der Verein hat allen viel gegeben und dafür spielen wir Fußball“. Bosevski selbst ist auch stolz, den Weg begleitet zu haben – bei beiden Vereinen. Damals ging es mit den Germanen unter Timo Peikert und ihm aufwärts, nun steht er mit Borussia an der KOL-Spitze. „Der Verein hat viel abbekommen in den letzten Jahren. Jetzt scheint wieder die Sonne, und das sollte man genießen“, sagt der Co-Trainer, der auch zum FSV noch gute Kontakte hat: „Das ist tiptop. Ab und zu telefoniere ich noch mit dem einen oder anderen, und man macht sich natürlich gegenseitig heiß vor so einem Spiel“. Im Abschlusstraining am Montag wolle das Trainerteam die richtige „Stimmung“ reinbringen, so Bosevski: „Das wird ein ganz anderes Spiel, als irgendwo auswärts oder auf unserem B-Platz“. Er freue sich zudem, dass die Germanen mit dem 4:2-Sieg bei Ehrenberg am Sonntag ebenfalls pünktlich fürs Derby in Fahrt gekommen sind, und zeigt sich diplomatisch: „Wenn du acht Siege gefeiert hast, freut sich jeder, der gegen uns gewinnt, als wäre er Meister geworden. Aber keiner sollte so parteiisch sein, sondern man sollte das Fußballherz sprechen lassen und ins Stadion kommen“. Einige Borussen-Fans machen es vor: Viele nahmen Urlaub für das Highlight, hat Bosevski erfahren: „Die sind bei der Bundeswehr irgendwo an der Grenze und fahren am Mittwoch her. Das ist lobenswert“.
Brüder-Premiere an der Seitenlinie
Doch das Derby bietet noch viel mehr Geschichten: Mit Marko und Zeljko Karamatic stehen zwei Brüder an der Seitenlinie. „Er macht gute Arbeit dort“, lobt Germanen-Coach Zeljko seinen jüngeren Bruder. Selbst durfte Zeljko Karamatic am Sonntag aufatmen: Das 4:2 in Wüstensachsen war ein Befreiungsschlag nach zuvor drei Pleiten am Stück. „Wir hatten in der Woche viele Gespräche, haben uns tiefergehende Gedanken gemacht. Dann kriegen wir in der ersten Minute einen Schlag und liegen hinten, aber die Jungs haben Moral gezeigt und nicht aufgegeben“, war Karamatic stolz. Damit dürfte der FSV bereit sein fürs Derby – und der Trainer schmunzelt: „Ich könnte 18 Spieler aufstellen. Es sind alle heiß. Wir haben das auch gerne mitgemacht, weil so ein Spiel auch finanziell eine gute Sache ist. Aber natürlich kommen da auch Erinnerungen hoch, das ist Tradition pur“, so Zeljko Karamatic, der selbst früher Stadtderbys vor 6000 Zuschauern spielte. Auf das Bruderduell freue er sich ebenfalls und merkt an, „dass wir als Trainer das erste Punktspiel gegeneinander machen. In Freundschaftsspielen liegt er vorne – mit den Spielen von früher liege ich aber vorne“, stichelt der Germania-Trainer. Doch er weiß auch um die Schwere der Aufgabe: „Borussia hat kaum Gegentore bekommen und ist hinten sehr stabil. Aber in erster Linie liegt es an uns. Wenn wir alles raushauen und nach 90 Minuten knapp verlieren, gratuliere ich dem Gegner“.
1000 Zuschauer das Ziel
Organisatorisch wiederum sind die Vorbereitungen in vollem Gange: Borussen-Vorstand Oliver Hasenauer spricht Anfang der Woche von über 400 verkauften Tickets, der SCB hofft am Mittwochabend auf eine vierstellige Kulisse. „Da hoffen wir natürlich auch, dass das Wetter mitspielt“, so Hasenauer. Die Prognose am Montag verspricht zumindest trockenes Wetter. Hasenauer weist darauf hin, dass die Karten (je vier Euro) am besten noch im Vorverkauf erworben werden, damit es am Einlass schneller geht: Im Segment (Duume 2, Fulda) sowie im Sporthaus Marquardt (Heinrichstr. 11, Fulda) gibt es die Tickets.
Es wird am Mittwochabend nur einen Eingang geben, und zwar am Funktionsgebäude – also keinen Eingang an der Haupttribüne. Dabei haben die Borussen zwei Abendkassen geöffnet, sowie eine für Dauerkarteninhaber und diejenigen, die im Vorverkauf Tickets gekauft haben. Sitzplätze werden auf beiden Geraden vergeben. Zwei Verkaufsstände gibt es, insgesamt sind rund 30 Menschen im Einsatz – etwa 20 als Ordner, so Hasenauer. Dazu gibt es noch die eine oder andere Hürde für den Verein: Die Bandenwerbung muss vom B-Platz rüber ins Stadion geschafft werden, auch die LED-Leinwand würden die Borussen gerne nutzen und arbeiten noch an den Grafiken. Mit Florian Kummer wurde auch ein Stadionsprecher arrangiert.
Borussia kehrt fürs Derby ins Stadion zurück: „Das wird Gänsehaut pur“
