Lokales FD 04.09.2025

Kampf gegen Schwarzarbeit: Neue Ausweispflicht im Friseurhandwerk

Fulda (fp) – Die Bundesregierung hat kürzlich eine Verschärfung der Ausweispflicht im Friseurhandwerk beschlossen. Künftig müssen Angestellte bei Kontrollen des Zolls jederzeit nachweisen können, dass sie sozialversicherungspflichtig in den Betrieben beschäftigt sind. Damit will der Bund gegen Schwarzarbeit und andere illegale Machenschaften in diesem Gewerbe vorgehen. In Fulda wird die Regelung gelassen aufgenommen und sogar stark befürwortet.

Archivfoto: Christine Görlich

Durch die Verschärfung des Gesetzes sind Saloninhaber künftig in der Pflicht, bei einer Kontrolle neben den Personaldaten ihrer Mitarbeiter auch verschiedene andere Dokumente, wie beispielsweise einen Sozialversicherungsnachweis, Nachweise zum Angestelltenverhältnis und Steuerunterlagen ihrer Mitarbeiter, vorweisen zu können, berichtet Jürgen Ressel, Geschäftsführer von Cutting Crew und der Haargalerie in Fulda. Er stellt klar: „Aber noch ist das Gesetz nicht da. Wir wissen noch gar nicht, welche Nachweise anfallen.“ In dem Gesetz sieht der Friseurmeister den Versuch der Regierung, der vielen Barbershops, die seiner Meinung nach oft illegal und ohne nötige Qualifikationen geführt werden, Herr zu werden. Diese würden ihren Angestellten oft hohe Löhne, aber keine Sozialleistungen und natürlich auch keine Steuern, zahlen, wodurch niedrige Preise möglich wären, so Ressel: „Aber warum soll der eine Steuern zahlen und der andere nicht? Das ist nicht fair.“ Der Friseurmeister ist selbst ein flammender Befürworter der Verschärfung. „Ich hoffe, dass mehr Kontrollen kommen. Wir hatten in den ganzen Jahren hier nur ein oder zwei. Das ist viel zu wenig“, sagt er weiter.

Bereits betroffen von einer Kontrolle war Yvonne Günzel, Inhaberin des Haar- und Kosmetikstudios „X-Style“ in der Rabanusstraße in Fulda. „Das war eine ganz krasse Situation“, schildert sie die Großkontrolle des Zolls und des Finanzamts: „Da sind erstmal 13 Mann bei mir im Laden gestanden und haben die Ausweise meiner Mitarbeiter kontrolliert.“ Natürlich hätten die Beamten nichts gefunden, denn ihre Mitarbeiter seien alle sauber. Sie spricht sich ebenfalls für die Verschärfung der Regelung aus. „Natürlich ist das sinnvoll. Es muss kontrolliert werden, sonst kriegst du die schwarzen Schafe gar nicht raus“, erklärt sie und ergänzt: „Wenn du mit dem Auto angehalten wirst, musst du doch auch nachweisen, dass du einen Ausweis und einen Führerschein hast. Hier ist es nicht anders.“ Nur durch Kontrollen könne einwandfrei bestätigt werden, dass die Arbeit in den Salons in Ordnung sei, stellt sie klar.

Neben der Schwarzarbeit – also dem nicht versicherungs- und steuerpflichtigen Anstellen von Arbeitskräften – besteht allerdings noch ein weiteres Problem in der Branche: Fehlende Meisterqualifikationen. Viele Salonbesitzer würden ihren Laden ohne einen Meistertitel betreiben, was in Deutschland nicht zulässig sei, erklärt Dmitri Slabowski, Inhaber des „Slabowski – Hair&Beauty“ in der Paul-Klee-Straße in Fulda. Der 47-Jährige ist seit fast drei Jahrzehnten Friseur und war einige Zeit auch stellvertretender Obermeister der Friseurinnung in Fulda war. „Die Barber Shops wachsen ohne Ende“, stellt er heraus: „Wir wissen oft gar nicht, wer die eigentlich betreibt und ob die das dürfen.“ Er wünsche sich verstärkte Kontrollen, um das nachzuprüfen, gerade weil er nicht nur einmal Anfragen zum Erwerb seines Meistertitels bekommen hat. „Ich finde es nicht schön“, erklärt er: „Da kommen Menschen zu mir und fragen mich, ob sie meinen Meister kaufen können. Das ist nicht legal und ich mache das nicht.“ Durch diese Vorgehensweise würde nicht nur der Ruf, sondern auch die Qualität der Arbeit im Friseurhandwerk leiden, stellt er klar: „Wenn ich einen Meister mache, bin ich über Jahre verpflichtet mich weiterzubilden. Das macht jemand, der einen Betrieb, aber keinen Meister hat, nicht. Da geht es um Qualität.“