Lokales FD 12.09.2025

Hohe Belastungen durch Bürokratie – Zweiter Fuldaer Wirtschaftstalk

Fulda (as) – „Regeln.Routinen.Reformen – Wie viel Bürokratie verträgt die Wirtschaft?“: Unter diesem spannenden Titel hatte die IHK Fulda zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte am Donnerstag in den Marmorsaal des Stadtschlosses eingeladen. In mehreren informativen Vorträgen und Diskussionen beschäftigten sich die Anwesenden mit den Schwierigkeiten von bürokratischen Hürden im Unternehmensalltag (update 20.45 Uhr).

Foto: Andreas Schellenberg

Von links: Michael Konow, Christian Gebhardt, Jakob Slenczka, Bernhard Hahner, Patrick Arend, Frank Aletter und Bodo Antonic. Foto: Andreas Schellenberg

Dr. Christian Gebhardt, Präsident der IHK Fulda, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste im Saal. Er stellte fest, dass Bürokratie ein alltägliches Thema in der deutschen Wirtschaft sei und von vielen als negativ bewertet werde. Er sprach sich entsprechend dafür aus, aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus abzubauen. Damit sei keine komplette Deregulierung gemeint, sondern die Besinnung auf „kluge, praxistaugliche Ideen“. Gebhardt hob hervor: „Wenn wir Bürokratieabbau ernst nehmen, gewinnen wir alle.“ Dazu brauche es den Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. „Ich wünsche uns einen tollen Austausch“, ergänzte der IHK-Präsident.

Unter dem Titel „Zwischen Pflicht & Paradoxon: Wenn gute Absichten Prozesse lähmen“ berichtete Dr. Bodo Antonic, Interimsmanager von der Unternehmensberatung „Die Kontur“, über die verschiednen Formen der Bürokratie. Mit einigen persönlichen Anekdoten erzählte er, dass die unterschiedlichen Auflagen für die Arbeit in den Unternehmen nicht immer schlecht seien. Neben der externen Bürokratie, die beispielsweise durch die Politik komme und mit der umgegangen werden müsse, gebe es noch die „Firmokratie“, also interne auferlegte Prozesse. „Das ist selbstgemachtes Elend, und das brauchen wir nicht“, fasste der Interimsmanager zusammen. Er stellte die Ergebnisse einer Studie vor, bei der 2500 Menschen befragt worden waren. Von diesen hätten 80 Prozent angegeben, dass sie unter der Bürokratie leiden würden. Er verwies anhand verschiedener Beispiele darauf, in welchen Fällen teils unnötige Arbeit geleistet werde. Und: „Das kostet Geld.“

Frank Aletter, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, besprach mit einem Vortrag unter dem Titel „Wettbewerbsfähig trotz Bürokratie? Was Betriebe jetzt brauchen“ die aktuellen Herausforderungen für viele deutsche Unternehmen. Es folgte eine spannende Diskussion unter dem Thema „Die Hürden unseres Unternehmensalltags“, der vom Fuldaer IHK-Geschäftsführer Michael Konow moderiert wurde. Patrick Arend, Geschäftsführer der Goldbach Zerspanungs-GmbH & Co. KG, Bernhard Hahner, Geschäftsführer der Hahner Technik GmbH & Co. KG, sowie Jakob Slenczka, CFO der Lampenwelt GmbH, erzählten über ihre Erlebnisse und Erwartungen in Sachen Bürokratie. Die drei wünschten sich mehr Mut und Pragmatismus von der Politik statt Eingrenzungen durch überbordende Bürokratie. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, sich auszutauschen und das eigene Netzwerk zu erweitern.

Wirtschaftstalk in Fulda. Fotos: Andreas Schellenberg