Lokales FD 27.09.2025

„Gelb Yellow Jaune“ – Avantgardistische Ausstellung in Villa Walther

Fulda (jah) – Eine Zeitreise über 60 Jahre zurück in die Vergangenheit können Kunstliebhaber seit Freitag in der in der Villa Walther in Fulda machen: Kuratorin Susanne Walther präsentierte dort am Freitagnachmittag die neue Ausstellung „Gelb Yellow Jaune“ von Franz Erhard Walther, die bereits für das Jahr 1965 geplant, jedoch nie realisiert wurde – bis heute.

Foto: Janosch Hensel

Die von Walther 1964 in einem Plakatentwurf sowie einer Planzeichnung präzise konzipierte Einzelausstellung „GELB“, die für 1965 in den Räumen der damaligen Galerie Junge Kunst in Fulda vorgesehen war, beruhte auf der Idee, in jedem der acht Galerieräume jeweils eine gelbe Arbeit zu präsentieren. Die Werke – sämtlich in jener Zeit von Walther bevorzugt und programmatisch eingesetzten Farbe Gelb ausgeführt – sollten den zwischen 1962 und 1964 entwickelten Werkentwurf in unterschiedlichen Ausprägungen sichtbar machen. Sie bestanden aus gelbem Nesselstoff und gelbem Vinyl, waren aus Pappe gefertigt und anschließend entweder mit Nessel überzogen oder mit gelber Farbe patiniert. Fast alle Objekte zielten darauf ab, Handlungen der Besucherinnen und Besucher zu ermöglichen oder anzuregen. Viele der für die Ausstellung konzipierten Arbeiten sind in Walthers Skizzenheft aus den Jahren 1962/63 dokumentiert.

Zusätzlich zu der eigentlichen Ausstellung „Gelb Yellow Jaune“ im Obergeschoss der Villa Walther findet sich im Erdgeschoss eine wichtige Ergänzung, um die Intention und Aussagen hinter den Kunstwerken von Franz Erhard Walther verstehen zu können: Dort wird das Wirken des Künstlers um das Jahr 1965 herum aufgezeigt, insbesondere die Widrigkeiten, mit welchen sich der Freigeist damals auseinandersetzen musste. „Hier wird aufgezeigt, wie man die Ausstellung einordnen kann, mit welchen Fragestellungen sich Franz Erhard Walther auseinandergesetzt hat und warum es ihm wichtig war, diese Arbeiten zu machen“, erklärte Kuratorin Susanne Walther: „Wir wollen mit unserer Arbeit hier die freie Gesellschaft bewahren und fortführen. Das ist die Legitimation die es braucht, um das zu tun, was wir hier tun. Das braucht es Orte wie die Villa Walther, wo das möglich ist.“

Die avantgardistische Ausstellung stehe schließlich sinnbildlich für die Radikalität, die Walther mit seinen Kunstwerken bereits damals versucht habe, umzusetzen und auszudrücken: „Es war eine Zeit des Umbruchs, eine Art Ausstieg aus dem Bild heraus. Die Betrachter sollten Teil der Werke sein“, betonte der Künstler selbst. Vor allem zur damaligen Zeit sei dies jedoch schwierig gewesen, für Walther ging es in Deutschland und im New York der 1960er Jahre um nichts weniger als das existenzielle Fortbestehen, da das Publikum Walthers Interpretation von Kunst oft nicht nachvollziehen konnte – das hob auch Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld hervor, der ebenfalls zur Eröffnung gekommen war: „Ich stelle mir die damalige Kunstszene ganz anders vor als heute. Die Frage damals war, wird die Kunst überhaupt verstanden beziehungsweise ist die Gesellschaft schon so weit, diese Kunst auch als solche zu erkennen? Verbunden mit den existenziellen Fragen steht die Ausstellung damit auch für das, wofür die gesamte Villa Walther steht“, betonte der OB: „Deswegen ist es heute ein ganz besonderer Anlass, eine Ausstellung zu eröffnen, die bereits vor 60 Jahren schon hätte eröffnet werden sollen. Das zeigt auch, dass Franz Erhard Walther hier in Fulda jede Menge bewegt hat.“

Ausstellungseröffnung "Gelb Yellow Jaune" in der Villa Walther. Fotos: Janosch Hensel