Lokales FD 10.09.2025

Fuldaer hinterzieht 420.000 Euro Steuern – Prozessauftakt

Fulda (jk) – Wegen Steuerhinterziehung in zwölf Fällen muss sich ein 48-jähriger Fuldaer vor dem Landgericht Fulda verantworten. Im Zeitraum von Januar 2016 bis Mai 2020 soll er mit seinem Unternehmen „Conserv-Media GmbH“ in Fulda Steuern in Höhe von etwa 420.000 Euro hinterzogen haben. Beim Prozessauftakt sagte der Anklagte aus.

Fotos: Justin Klenner.

Zum Prozessauftakt am Dienstagmorgen verlas die Staatsanwaltschaft die Anklage. Daraus gehe hervor, dass der 48-jährige im Zeitraum von etwas mehr als vier Jahren Steuern hinterzogen haben soll. Die Gesamthöhe betrage etwa 420.000 Euro, wobei die Kammer von einem höheren Betrag ausgehe. Grund dafür sei das Gehalt des Angeklagten, auf das er ebenfalls keine Steuern gezahlt habe. „Ich habe immer so viel genommen, wie wir gebraucht haben, um normal zu leben“, so der Angeklagte.

Im Jahre 2010 sei beim Angeklagten und seiner Ex-Frau erstmals die Idee aufgekommen, sich selbstständig zu machen. Wenige Jahre später sei das Ehepaar mit einem Onlinehandel mit einem Dropshipping-Geschäftsmodell an den Start gegangen. „Wir haben schnell gemerkt, dass es zu viel war“, erklärte er. Durch einen Freund, der ebenfalls selbstständig sei, sei der Angeklagte schließlich zu einem Steuerberater gekommen, der für die Buchhaltung und steuerliche Angelegenheiten zuständig gewesen sein soll. Auf Anraten jenes Steuerberaters habe der 48-Jährige 2014 sein Einzelunternehmen in eine GmbH umgemeldet, 2017 sei es dann zu einer Umsatzsteuer-Sonderprüfung gekommen. Darum habe sich der Steuerberater gekümmert. „Er hat mir gesagt, ich solle alle Unterlagen auf einen USB-Stick ziehen. Das habe ich dann auch gemacht und ihm vorbeigebracht“, erläuterte der Angeklagte. So habe der Steuerberater ihm vermittelt, die Umsatzsteuer-Sonderprüfung sei reinste Routine. Einen Abschlussbericht der Sonderprüfung habe der 48-jährige nie zu Gesicht bekommen. „Ich habe immer wieder nachgefragt, wie es läuft. Er hat mir immer gesagt, dass alles so weit gut ist“, betonte er immer wieder.

Im Jahr 2020 sei es schließlich zu einer Hausdurchsuchung gekommen, dabei seien neben den Geschäftsräumen auch die privaten Räume des Angeklagten und seiner Familie durchsucht worden. „Es wurden einige Andenken und Dinge von uns beschlagnahmt“. Diesen Vorfall habe seine Ex-Frau nicht gut verkraftet, die Ehe sei daraufhin zu Bruch gegangen, erklärte der Angeklagte. Was wirklich passiert sei, habe der 48-Jährige erst bei der Vernehmung durch die Beamten erfahren. „Ich habe vorher gar nicht gewusst, dass er kein Steuerberater ist“, erklärte er. Nach der Hausdurchsuchung habe der Angeklagte seinen Steuerberater gewechselt und noch versucht, Kontakt zu seinem ehemaligen Berater herzustellen, diese Bemühungen seien jedoch ohne Erfolg geblieben. „Erst bei meinem neuen Steuerberater habe ich einen Vergleich gehabt. Vorher hatte ich keinen Vergleichsmaßstab“, sagte der Angeklagte mehrmals. Bereits am Mittwoch soll die Verhandlung fortgesetzt werden.