Konkret geht es um Abschnitt A der Baumaßnahme: Er verbindet die Umspannwerke Mecklar und Dipperz. Hierbei handelt es sich um eine Verstärkung des bestehenden 380-Kilovolt-Netzes durch die Nutzung der vorhandenen Leitungstrasse. „Dort wollen wir Ende 2026 mit dem Bau beginnen, aktuell warten wir noch auf die Baugenehmigung“, erklärt Tom Wagner, Referent für Beteiligung beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet: „2029 wollen wir dann Abschnitt A in Betrieb nehmen, bis 2031 soll die Leitung dann mit dem Umspannwerk Bergrheinfeld/West in Bayern verbunden werden.“
Mit Projekten wie der Fulda–Main-Leitung soll das Stromnetz an die Anforderungen der Energiewende angepasst werden. Sie sollen die Übertragungskapazität erhöhen, den Transport von Strom über weite Entfernungen sichern und die Möglichkeit schaffen, regional erzeugte erneuerbare Energien in das überregionale Netz einzuspeisen. Künftig werden in Mecklar drei Leitungen aus Nord- und Ostdeutschland zusammentreffen. Die Fulda–Main-Leitung übernimmt dabei die Weiterleitung in den Süden, indem sie die bestehende Verbindung nach Dipperz verstärkt und eine Versorgungslücke im Dreieck Dipperz–Großkrotzenburg–Bergrheinfeld/West schließt. Auf der Infoveranstaltung wollte Tennet nun aufkommende Fragen der unmittelbar betroffenen Bürger beantworten, zahlreiche Experten auf verschiedenen Gebieten der Firma stellten sich der Kritik – denn durch die Baumaßnahmen müssen Anwohnerinnen und Anwohner in Dipperz und Umgebung mit empfindlichen Einschneidungen rechnen: Einige Straßen sind während der Maßnahmen nicht befahrbar, dazu kommen die Felder, die beispielweise Landwirte während der Baumaßnahmen nicht bewirtschaften können. „Mein Pachtland ist weg und es sieht wirklich trostlos für mich aus“, ärgert sich beispielsweise Reiner Nüchter, nebenberuflicher Landwirt aus Wisselsrod: „Natürlich werden Entschädigungen gezahlt, aber damit kann ich meine Tiere nicht füttern. Was fehlt, ist das verlorene Land.“ Von den Entschädigungen müsse Nüchter versuchen, die ausbleibende Ernte zu ersetzen, „was aber gerade in knappen Jahren schwierig ist. Mich trifft das hart.“ Statt Entschädigungszahlungen hätte sich Nüchter gewünscht, die Verantwortlichen hätten sich um anderes Land als Kompensation bemüht. „Auch wenn mir natürlich klar ist, dass man nur schwer an Land kommt. Aber sie könnten wenigstens so kulant sein, sich um andere Flächen zu bemühen.“ Auch von der Gemeinde Dipperz zeigte sich der nebenberufliche Landwirt enttäuscht: „Traurig war, dass bei der Veranstaltung in Bebra kein einziger aus der Gemeindevertretung vor Ort war.“
Die Meinung von Reiner Nüchter ist dabei kein Einzelfall – das wissen auch die Verantwortlichen bei Tennet: „Die Begeisterung der Anwohner hält sich in Grenzen, das merken wir. Es ist eine weitere Infrastruktur, keiner schreit da Juhu“, betonte Tom Wagner: „Wir haben viele Anregungen erhalten und Gespräche geführt, jetzt wollen wir den Anwohnern aufzeigen, wie wir damit umgegangen sind. Es gibt viele Fragen von den Flächenbetreibern, die versuchen wir so gut es geht zu beantworten. Deswegen gibt es zum Beispiel eine Rahmenvereinbarung mit dem Bauernverband, was die Entschädigungen angeht“, zeigte sich Wagner abschließend bemüht – Bürgern wie Reiner Nüchter ist das aber nicht genug.
