Handball 12.09.2025

Frauen – Abstiegskampf pur in Bad Hersfeld und Großenlüder

Osthessen (jah/pf) – Nicht nur die Männer starten am Wochenende in die Saison, auch für die osthessischen Handballerinnen geht es endlich wieder um Punkte: In der Regionalliga will Aufsteiger TV Hersfeld unter Trainerin Sabine Teichmann den Klassenerhalt schaffen – die Vorzeichen sind jedoch nicht die besten. Das gleiche Ziel verfolgt unterdessen die Zweitvertretung der Festspielstädterinnen, die eine Liga darunter ebenfalls als Aufsteiger in die Saison gehen. Die HSG Großenlüder/Hainzell will sich unter Neu-Trainer Liviu Pavel ebenfalls in der Oberliga halten, und muss nach einem Umbruch schnell in Form kommen.

Sabine Teichmann will mit dem TV Hersfeld die Klasse halten – die Vorbereitung lief für den Aufsteiger jedoch alles andere als optimal. Fotos: Christine Görlich

Solveig Elsing und die HSG Großenlüder/Hainzell kämpfen in der Oberliga Nord ebenfalls gegen den Abstieg.

Regionalliga

Bei Sabine Teichmann und dem TV Hersfeld ist die Aufstiegseuphorie längst verflogen, was vor allem mit einer Thematik zusammenhängt: Während das Spielen mit Harz bis einschließlich Oberliga verboten ist, kommt das Hilfsmittel ab der Regionalliga zum Einsatz. Teichmann und Co. war diese Tatsache selbstredend bekannt – mit welchem Aufwand die Umsetzung verbunden ist, damit hat beim TVH aber niemand gerechnet: „Damit wir das machen durften, mussten wir unfassbar viel investieren und einen Hygieneplan bei der Stadt für die Halle vorlegen. Das alles hat ewig gedauert. Das ganze Drumherum hat sehr viel eingenommen. Dass das so läuft, war uns vorher nicht bewusst, und viele der Hürden und Anträge haben die Mädels selbst genommen und beantragt. Das trübt natürlich die ganze Aufstiegseuphorie“, konstatiert Teichmann und spricht deshalb von einer sehr schlechten Vorbereitung: „Die letzten sechs Wochen konnten wir zwar trainieren, aber auch nur sporadisch. Die Halle hatten wir durch Veranstaltungen meistens nur einmal die Woche und wenn wir dann trainiert haben, sagen wir mal um 20 Uhr, waren wir erst gegen 23 Uhr durch, da wir ja durch den Harz die ganze Halle reinigen mussten. Das bedeutet auch, dass wir außer diesen sechs Wochen noch nie mit Harz gespielt haben. Das ist schon ein ganz anderes Ballgefühl. Es wird einfach anders Handball gespielt“, klagt Teichmann und kann deshalb auch nur das offensichtliche Saisonziel Klassenerhalt formulieren: „Wir wissen nicht, wo wir stehen, aber die Mädels wollten den Aufstieg, also gehen wir das jetzt gemeinsam an. Wir haben aber bis jetzt auch noch nicht einmal alle sieben auf der Platte gehabt, die wir da wahrscheinlich für die erste Aufstellung sehen.“ Los geht es für die TVH-Frauen am Samstag um 18 Uhr mit dem Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten der Vorsaison, HSG Gedern/Nidda. „Das ist direkt ein Riesenbrett“, weiß Teichmann und bleibt daher realistisch: „Unser Fokus liegt auf den Spielen, wo wir wirklich Punkte holen können. Wir versuchen aber natürlich trotzdem alles, was möglich ist und hoffen, dass uns die Zeit etwas in die Karten spielt, sodass wir immer besser in den Flow reinkommen.“

 

Oberliga Nord

Ebenfalls um den Klassenerhalt kämpft die Reserve des TVH in der Oberliga – Trainerin Ute Berz steht mit ihrer Mannschaft vor einer schweren Saison. „Wir haben uns den Aufstieg durch konzentriertes und fleißiges Training verdient. Es zählt aber nur der Klassenerhalt, immerhin haben wir einen Altersdurchschnitt von vielleicht 19 Jahren.“ Die Punkte müssen deshalb gegen die direkte Konkurrenz her, ähnlich wie bei der ersten Mannschaft: „Wir müssen gegen die Teams auf unserem Leistungsniveau gewinnen.“ Helfen sollen dabei die Neuzugänge: Neben zahlreichen Jugendspielerinnen stießen Kreisläuferin Lilly Burau aus Rotenburg sowie Joline Wrabletz aus Fritzlar zum Team, nach einjähriger Babypause wird zudem Lisa Hedrich für die TVH-Reserve auflaufen. „Wir haben den Kader gut verstärkt, das oberste Ziel ist aber die Entwicklung der Jugendspielerinnen“, betont Berz, die mit ihrer Mannschaft zum Auftakt am Sonntag (17 Uhr) auswärts auf die SG Kirchhof II trifft. „Sie sind aus der Regionalliga runtergekommen und eine Wundertüte, da man nie weiß, wer da aus der ersten Mannschaft oder aus dem A-Jugend-Bundesligateam mitspielt. Wir werden alles geben und schauen, wie weit wir sind.“

Nach dem siebten Platz in der Vorsaison gehen außerdem die Frauen der HSG Großenlüder/Hainzell wieder in der Oberliga Nord an den Start – allerdings nicht mehr mit Anne Deckenbach als Trainerin, sondern mit dem neuen Coach Liviu Pavel, den der Verein Ende August präsentierte. Und eins weiß der neue Trainer bereits: „Wir haben noch ein bisschen Arbeit vor uns“. Testspiele wie gegen Bezirksoberligist Fischborn gingen verloren, das konnte Pavel aber begründen und legt den Fokus auf die Entwicklung des Teams: „Wir haben in der Vorbereitung viel ausprobiert und rotiert. Aus der A-Jugend und der zweiten Mannschaft haben wir Spielerinnen hochgezogen, die auch in der Liga ihre Chance bekommen sollen. Aber man merkt, dass sie da noch arbeiten müssen. Deshalb ist es gut, dass sie dabei sind“. Das Saisonziel der HSG heißt Klassenerhalt – immerhin sind auch einige Leistungsträgerinnen aus der Vorsaison weggebrochen. „Wenn alle mitmachen und mitziehen, so wie die letzten drei Wochen, bin ich ganz zuversichtlich“, sagt Pavel, der die Liga allerdings kaum kennt: „Ich habe 20 Jahre im Männerhandball trainiert, jetzt das erste Jahr bei den Mädels. Wenn ich Zeit habe, muss ich beim einen oder anderen Spiel am Wochenende, wenn wir nicht spielen, mal die künftigen Gegner ausspionieren“, schmunzelt der Coach. Doch Pavel ist voller Tatendrang und freut sich, dass es endlich losgeht. Zum Start wartet am Sonntag (16.30 Uhr) beim SV Reichensachsen aber direkt eine knifflige Aufgabe: In der Vorsaison verlor die HSG beide Spiele gegen den SVR. „Die haben Ambitionen, aufzusteigen, und eine starke zweite Mannschaft, wo sie sich jederzeit bedienen können“, hat sich der Trainer informiert: „Wir wollen peu à peu unsere Schritte in dieser Saison machen“, so Pavel abschließend, der unter anderem noch auf Außenspielerin Lea Schmitt (Urlaub) verzichten muss.

 

Bezirksoberligen

Auch eine Klasse weiter unten wird am Wochenende wieder Handball gespielt: In der Bezirksoberliga Melsungen-Fulda kämpfen unter anderem Alsfeld, der TV Neuhof, Rotenburg, FT Fulda, die HSG Waldhessen und der Hünfelder SV um Punkte, in der Offenbach-Hanau-Staffel geben der TV Flieden und der SV Hochland Fischborn ihre Visitenkarte bei den Teams aus der Rhein-Main-Region ab.