Poseck hob in seinem Vortrag hervor, dass er kein Patentrezept für den Umgang mit „Fake News“ und der zunehmenden Polarisierung im Internet habe: „Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld.“ In Deutschland habe sich nach dem zweiten Weltkrieg eine Demokratie entwickelt, die Freiheit und Wohlstand für die Menschen gebracht habe: „Deshalb muss es unser Auftrag sein, unsere Demokratie zu schützen.“ Er merkte an, dass die Diskussion mit Menschen unterschiedlicher Meinungen erhaltenswert sei. Von außen gebe es jedoch Bedrohungen, etwa durch Länder mit anderen politischen Systemen: „Fremde Staaten betreiben ganz bewusst Sabotage.“ Auch im Inneren sei die Demokratie unter Druck geraten, so der Innenminister: „Rechtsextremismus ist die größte Bedrohung.“ Er verurteilte auch andere extremistische Strömungen von links oder von Islamisten. Die aktuelle Weltlage biete einen guten Nährboden für falsche Behauptungen und bewusste Irreführung, so Poseck: „Der unsichere Mensch ist besonders empfänglich für Desinformation.“
Der hessische Politiker bewertete die sozialen Medien in diesem Zusammenhang einerseits als Motor für mehr Kommunikation und gleichzeitig als möglichen Raum, um Falschinformationen zu verbreiten. Gerade junge Menschen würden hierbei gezielt angesprochen, erläuterte er: „Wir müssen auf Prävention setzen, um vor Desinformation zu warnen.“ Ein Verbot sozialer Medien für gewisse Altersgruppen sei dabei keine effektive Lösung, meinte der Minister und ergänzte: „Wir müssen weiter die Diskussion führen.“
Gunter Geiger, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Fulda und Vorstandsvorsitzender des Vereins AKSB, begrüßte die Gäste im Saal und erzählte von dem umfangreichen Angebot zur politischen Bildung in der Katholischen Akademie. „Gemeinsam kann man etwas bewegen“, führte Geiger weiter aus und bedankte sich bei allen für ihre Teilnahme. Sein besonderer Dank galt der Stadt Fulda für die bisherige Zusammenarbeit. Bürgermeister Dag Wehner ging in seinem Grußwort ebenfalls auf die zunehmende Polarisierung in den sozialen Medien ein. Er betonte: „Digitale Kompetenz sollte integraler Bestandteil der schulischen Bildung sein.“ Außerdem brauche es einen allgemeinen Konsens, „Fake News“ nicht zu tolerieren und stattdessen gute journalistische Arbeit zu stärken. Prof. Dr. Murad Erdemir, Direktor der Medienanstalt Hessen, beschrieb die primäre Arbeit seiner Anstalt in der Prävention, der Intervention und der Repression. „Medienbildung ist weit mehr als ein ‚nice to have‘“, erläuterte Erdemir. Um das Vertrauen in Informationen und Demokratie wieder zu festigen, brauche es klare Werte: „Das schafft Stärke und Vertrauen.“ Über den „Wahlkampf im Zeitalter sozialer Medien – Medien, Demokratie und Fake News“ referierte während der Tagung Prof. Dr. Lutz M. Hagen, Direktor am Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden.
Bei der weiteren Fachtagung hatten Fachkräfte wie Interessierte die Gelegenheit, über den Umgang mit „Fake News“ zu diskutieren und sich untereinander auszutauschen. Bei der Fachtagung „Gefangen im Netz der Desinformation: Wege zur Aufklärung und effektive Handlungsstrategien“ gab es mehrere spannende Vorträge zu hören, etwa zu den Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz (KI), soziale Plattformen wie TikTok und den Einflüssen auf die Demokratie. Organisiert wurde die Veranstaltung von mepodi, einer Kooperation der Medienanstalt Hessen, der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland und der Katholischen Akademie des Bistums Fulda.
