Der Kardinal hob in seiner Danksagung hervor, wie wichtig ihm die Zusammenarbeit zwischen den Religionen sei: „Wir, das sind Juden, Christen und viele andere in Europa.“ Um eine Identität zu schaffen, brauche es den Dialog, erklärte er: „Nur der Dialog macht uns zu dem, was wir sind.“ Entsprechend habe er in seinem Leben stets das Gespräch und den Austausch gesucht. Hollerich erzählte, dass die Welt von Spannungen geprägt sei. Grund dafür sei die stetige Veränderung, was bei vielen Menschen für Ängste sorge. Der Geehrte meinte hierzu, dass es Vertrauen in die Menschen brauche, da Gott jede Person liebe und auf der Welt haben wolle: „Wie kann ich jemanden verurteilen, dem Gott verzeiht?“ Er appellierte daher an die Anwesenden: „Lasst uns den Dialog suchen.“
Kauder ging in der Laudatio auf die Biographie von Hollerich ein, welcher unter anderem 25 Jahre in Japan gelebt habe: „Dass er die japanische Sprache gelernt hat, war für Jean Claude Hollerich Ausdruck seines Interesses für die Menschen und die Kultur seines Gastlandes.“ Das Wirken, das der Preis würdige, durchziehe sein ganzes Leben: „Die Einheit Europas ist ihm ein Anliegen. Europa ist ein Friedensprojekt.“ Er verwies auf die Arbeit des Kardinals bei der Europäischen Bischofskonferenz. Der frühere Bundestagsabgeordnete ging außerdem auf die klaren Botschaften ein, welche Hollerich im August 2024 auf der Klosterinsel Reichenau zu Maria Himmelfahrt mitgegeben habe. Diese seien von Mitgefühl geprägt gewesen und hätten bei den Menschen den „Durst nach Glauben“ gestillt. „Ich wünsche unseren christlichen Kirchen viele Hollerichs! Dann muss uns nicht bange sein“, so Kauder abschließend.
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld berichtete in seiner Eröffnungsrede, dass der Winfriedpreis nun bereits zum 25. Mal vergeben werde. Er begrüßte zahlreiche Gäste, darunter die ehemaligen Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Alois Rhiel und Gerhard Möller, Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann, den Fuldaer IHK-Präsidenten Dr. Christian Gebhardt sowie mehrere geistliche Vertreter aus dem Bistum Fulda. Wingenfeld machte deutlich, dass es angesichts der Kriege in Europa und auf der Welt Vorbilder für die Verständigung brauche. Der Geehrte sei ein solches Vorbild, da er als „Brückenbauer“ immer wieder den Dialog suche. Mit dem Kardinal werde bereits die zweite Person aus Luxembourg mit dem Winfriedpreis ausgezeichnet, so der Oberbürgermeister. Die Geschichte zwischen dem kleinen Staat und Deutschland sei nicht immer friedlich gewesen. Gerade im zweiten Weltkrieg habe das Nazi-Regime Luxembourg überfallen und unterdrückt. Es sei daher „höchst bemerkenswert“, dass sich Hollerich nicht von Vorurteilen habe beeinflussen lassen und stattdessen offen agiert habe. Der Winfriedpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 2001 vergeben. Zu den bisherigen Geehrten gehören unter anderem Igor Levit, Katrin Eigendorf, Navid Kermani und Ulrich Wickert.
