Lokales FD 24.09.2025

Bischofskonferenz in Fulda – Glaubensverlust belastet die Kirche

Fulda (sim) – Der Glaube an Gott ist stark rückläufig: Beim Studientag der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda diskutierten zahlreiche Vertreter aus Theologie, Soziologie und Pastoralpraxis am Dienstag über die Konsequenzen aus der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU). In einer Pressekonferenz wurden die zentralen Fragen zur Präsenz der Kirche in einer säkularen Gesellschaft beantwortet.

Von links: Prof. Dr. Thomas Schärtl-Trendel, Prof. Dr. Jan Loffeld, Bischof Dr. Peter Kohlgraf, Prof. Dr. Thomas Halik und Dr. Matthias Kopp

Die säkulare Gesellschaft stellt die Kirchen vor grundlegende Herausforderungen – dies wurde im Rahmen der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz und des Studientags „Die Sendung der Kirche inmitten einer säkularen Gesellschaft“ deutlich. Die 2023 veröffentlichte sechste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, an der sich die katholische Kirche erstmals aktiv beteiligte, bildet die Grundlage für die Diskussionen über Perspektiven kirchlichen Handelns.

Bischof Peter Kohlgraf, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, betonte, dass sich die Kirche nicht nur auf organisatorische Reformen beschränken dürfe: „Reformen allein reichen nicht. Wir müssen uns fragen, wozu wir gesendet sind – nicht nur, wie wir den Bestand sichern.“ Die KMU-Ergebnisse zeigen, dass der Glaube an einen personalen Gott selbst unter Kirchenmitgliedern stark rückläufig ist. Nur noch rund 13 Prozent der Bevölkerung leben eine aktiv geprägte Religiosität, während der Anteil der Kirchenmitgliedschaft deutlich höher liegt, aber nicht mehr mit gelebtem Glauben übereinstimmt. Der Prager Theologe und Soziologe Tomas Halík beschrieb die Situation als einen „epochalen Umbruch“. Kirche müsse lernen, aus der Minderheitenposition heraus kreativ zu wirken: „Wir befinden uns nicht in einer kurzfristigen Krise, sondern in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Die Zukunft liegt im Dialog mit der Gesellschaft auf Augenhöhe.“

Jan Loffeld, Pastoraltheologe an der Tilburg University in Utrecht, verwies auf die theologische Herausforderung: „Viele Menschen leben heute vollständig ohne Gott – und es fehlt ihnen nichts. Diese Realität müssen wir erst einmal aushalten, bevor wir sie bewerten.“ Die Idee einer angeborenen Sehnsucht nach Gott lasse sich empirisch kaum noch belegen. Thomas Schärtl-Trendel, Fundamentaltheologe aus München, betonte die Notwendigkeit neuer Formen der Glaubensvermittlung: „Wir konkurrieren mit weltanschaulichen Angeboten, die einfacher und lebensnaher erscheinen. Ein Rückzug in kirchliche Systemlogik ist keine Antwort. Es braucht ein glaubwürdiges, lebendiges Zeugnis, das über Lehre und Dogmatik hinausgeht.“

Einigkeit herrschte darin, dass strukturelle Anpassungen allein nicht ausreichen. Geistliche Erneuerung, Synodalität und Präsenz in spezifischen Lebenskontexten wie Kliniken, Schulen oder Gefängnissen sind zentrale Herausforderungen für die Zukunft der Kirche. Bischof Kohlgraf fasste die Situation zusammen: „Unsere Botschaft kann eine tragende Botschaft sein – gerade in einer Zeit, die von Brüchen und Unsicherheit geprägt ist. Aber sie muss so ins Wort gebracht werden, dass Menschen sie hören können.“

Bischofskonferenz am Dienstag. Fotos: Silas Messing