"Papst Franziskus war zwar nicht der Erste, der das Soziale und Ökologische zusammen dachte, aber sein Wort hat natürlich Gewicht", erklärt Sebastian Koch, Bildungsreferent der Akademie, in seiner Begrüßung. Es sei wichtig, Transformation nicht eindimensional zu denken, denn vermeintlich stringente und gebotene Lösungen im Ökologischen können unbeabsichtigt zu Problemen im Sozialen führen. Benedikt Kern fügt hinzu, dass bei Franziskus neben dem Blick auf die soziale und die ökologische Frage der religiöse Aspekt hinzukomme, konkret die Gottesfrage.
Der Name der Enzyklika ist Programm. Nicht nur, weil der Papst damit auf den Sonnengesang des heiligen Franziskus verweist. "Zum Menschen gehört wesentlich, über die Schöpfung zu staunen, sie zu bewundern und sich an ihr zu erfreuen", erklärt Kern dazu. Der Papst nennt aber auch die bittere Realität als Folge der Ausbeutung der Umwelt. "Die Welt ist zu einem überbordenden Müllhaufen geworden", formuliert er drastisch. Was er meint: Schadstoffe in der Luft, Wasserverschmutzung, Wegwerfkultur.
Darunter leide die natürliche sowie die menschliche Umwelt. Denn die ökologische Krise sei nicht zu denken ohne die soziale Krise – im Kleinen wie auf globaler Ebene. Der Papst bleibe aber nicht bei der Kritik des Kapitalismus beziehungsweise der wirtschaftlichen Strukturen – lokal wie weltweit – stehen. Für Franziskus gehe es darum, den Individualismus zu überwinden und stattdessen das Miteinander in den Vordergrund zu stellen – also Solidarität und Nächstenliebe.
Julia Lis verweist darauf, dass das heutige Wirtschaftssystem in 500 Jahren gewachsen ist. Das auf das Individuum zentrierte Denken habe seine Wurzeln in der Aufklärung (18. Jahrhundert). Die natürliche Umwelt ist dabei Objekt der Ausbeutung zum Nutzen der Menschen. Für Franziskus stehe daher fest: Das Wirtschaftssystem mit der obersten Maxime Wachstum muss sich ändern. "Es geht schlicht darum, Fortschritt neu zu definieren." Dazu gehört für ihn auch ein neuer Lebensstil.
Sind wir aber zu einer solchen Umkehr bereit? Schließlich hätten die vielen Initiativen wie etwa Klimakonferenzen kaum etwas bewirkt. Lis und Kern kritisierten in diesem Zusammenhang das Narrativ des Katastrophismus. Solche Bilder seien nicht zielführend, denn sie würden einer gesellschaftlichen Lähmung Vorschub leisten – wie das Kaninchen vor der Schlange. Vom Katastrophismus unterscheide sich die Apokalypse im biblischen Sinn. Das Ende ist offen und nicht alles ist rational und naturwissenschaftlich voraussehbar. Und es gibt Hoffnung – auch mit Blick auf die Zukunft und das Ende, auf Erlösung.
