osthessen-zeitung.de 19.09.2025

Akademieabend über den Dalai Lama mit Franz Alt

Fulda (pm/sim) – In der Katholischen Akademie Fulda fand ein Akademieabend zum Thema „Der 14. Dalai Lama und sein unermüdlicher Einsatz für die Freiheit Verfolgter und Entrechteter – durch die Haltung innerer Friedfertigkeit und der bewegenden Kraft des Mitgefühls“ statt. Mehr als 60 Interessierte waren, gekommen, um den renommierten Journalisten, Theologen und Buchautor Franz Alt zu hören, der über Leben, Wirken und Spiritualität des Dalai Lama sprach.

Von links: Akademiedirektor Gunter Geiger, Franz Alt und Alexandra GF Weltkloster. Foto: Katholische Akademie

Durch den Abend führten Akademiedirektor Gunter Geiger und Alexandra Mann, Vorsitzende des Vereins Weltkloster, der die Veranstaltung mitorganisiert hatte. In ihrer Begrüßung charakterisierte Mann den Dalai Lama als einen Menschen, „der allen Menschen helfen will – nicht nur den Tibetern“. Franz Alt, der den Dalai Lama bereits 40 Mal getroffen hat, sprach über persönliche Begegnungen und spirituelle Gedanken des geistlichen Oberhaupts. Besonders eindrücklich war seine Schilderung einer Reise nach Tibet, auf der seine Frau beim Ausstieg aus dem Flugzeug sagte: „Hier war ich schon einmal.“ Dieses Erlebnis interpretierte Alt im Sinne einer Reinkarnation, an die auch der Dalai Lama glaubt. Wiedergeburt ist für ihn Motivation, die Erde für kommende Generationen lebenswert zu erhalten: „Denn wenn ich wieder auf den Planeten komme, dann will ich doch, dass es diesem gut geht.“

Alt betonte, dass der Dalai Lama Mitgefühl mit allen Lebewesen – nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Tieren und Pflanzen – als Sinn des Lebens versteht. Gleichzeitig stellte der Referent fest, dass die Menschheit derzeit genau das Gegenteil tut: Täglich verschwinden laut Alt rund 180 Tier- und Pflanzenarten. Auch Wasser, das für alles Leben notwendig ist, werde durch die Erderwärmung immer knapper. Anders als bei Kriegen seien die Folgen dieser Entwicklung zunächst oft unsichtbar – bis es zu spät sei. Ein zentrales Anliegen des Abends war auch die Energiewende. Alt sprach sich vehement für erneuerbare Energie aus: „Sonnenlicht und Wind gibt es kostenlos – das sind Geschenke des Himmels im Wortsinn.“ Kritik an politischen Entscheidungen, die die Energiewende verzögern, bezeichnete er als Unsinn.

Für den Dalai Lama ist Ethik wichtiger als Religion. „Wir Menschen zerstören die Umwelt, führen Kriege. Auch wegen Religionen wurden Kriege geführt“, sagte Alt. So etwa der Moskauer Patriarch Kyrill, der den Krieg in der Ukraine als „heiligen Krieg“ bezeichnet habe – laut Alt eine „Gotteslästerung“. Das Verhältnis von Ethik und Religion veranschaulichte Alt mit einem Bild des Dalai Lama: Ethik sei wie Wasser, Religionen wie Tee – also Wasser mit Zusätzen. Alt ergänzte: „Ethik ist angeboren, Religion anerzogen.“ Der Dalai Lama lebt seit 1959 im Exil und gilt als einer der ältesten Flüchtlinge der Welt. Alt sprach auch über das Leid der tibetischen Bevölkerung unter dem chinesischen Regime. Von sechs Millionen Tibetern sei rund eine Million getötet worden – ein kultureller Völkermord, so der Referent. Dennoch verweigere sich der Dalai Lama dem Hass. Auf die Frage, wie er über seine Feinde denke, etwa in Peking, habe er geantwortet: „Ich kenne keine Feinde. Es gibt nur Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe.“ Ein weiteres Zitat des Dalai Lama, das Alt dem Publikum mitgab: „Eine Welt, die Hitler und Stalin überlebt hat, wird auch einen überleben.“ Als Seitenhieb auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping erinnerte Alt an eine Aussage des Dalai Lama: Er wolle 113 Jahre alt werden – „damit ich die Chinesen noch lange ärgern kann“.