Die Veranstaltung begann mit einem herzlichen Willkommen an alle Gäste, die den Saal des Kulturzentrums Fulda füllten. Von Beginn an war zu spüren: Hier geht es nicht nur um Zahlen oder juristische Fachsimpeleien, sondern um Menschen und Geschichten. Unter dem Motto „Ehe schließen und zusammenleben“ war der Tag bewusst nicht nur auf das romantische Ideal ausgerichtet – sondern auch auf die Realität, dass viele Ehen eben nicht halten. Trennung und Scheidung wurden offen thematisiert – nicht als Scheitern, sondern als Teil der Lebenswirklichkeit. Passend dazu wurde ein neues Informationsprojekt vorgestellt: Eine kostenfreie Broschüre, die Betroffenen – aber auch interessierten Paaren – kompakte Informationen rund um Ehe, Standesamt, Trennung und rechtliche Folgen bietet.
Dass der Verband in Fulda heute so präsent ist, war 2007 kaum absehbar. Damals gründete sich die Gruppe mit gerade einmal zwei Mitgliedern – inspiriert durch eine Veranstaltung in Bad Kissingen. Was klein begann, wuchs schnell: Heute zählt der ISUF Fulda über 500 Mitglieder in der Region und ist damit der zweitgrößte Verband seiner Art bundesweit. Monatliche Veranstaltungen und Vorträge in Fulda und im Umland, offene Infotreffen und individuelle Beratung gehören mittlerweile zum festen Angebot. Besonders beeindruckend: Alle aktiven Mitglieder im Organisationsteam haben eigene Trennungs- oder Scheidungserfahrungen. Dieses Erfahrungswissen macht die Arbeit des ISUF so besonders – weil die Unterstützung nicht nur aus Theorie besteht, sondern aus gelebter Erfahrung und echter Empathie. Das ehrenamtliche Kernteam aus 14 Personen bringt sich mit enormem Engagement ein – aus dem Wunsch heraus, anderen zu helfen, weil jeder ehrenamtliche selbst einmal Hilfe gebraucht hat.
Ein Highlight der Veranstaltung war der Vortrag des Fachanwalts für Familienrecht und ISUF-Bundesvorstandsmitglieds Thomas Goes. Er nahm die Zuhörenden mit auf eine spannende Reise durch die Entwicklung des Familienrechts in Deutschland. Von den patriarchalen Strukturen der Nachkriegszeit über die umfassenden Reformen von 1977 – etwa im Namensrecht, im Unterhalt, im Versorgungsausgleich – bis hin zu aktuellen Fragen rund um Kinderbetreuung, moderne Familienformen und das Abstammungsrecht. Goes machte deutlich, dass das Familienrecht ständig im Wandel ist – und oft erst reagiert, wenn sich gesellschaftliche Realitäten längst verändert haben. Besonders intensiv diskutiert wurde die Frage, wie Unterhaltsregelungen und Betreuungsmodelle heute fair gestaltet werden können – vor allem im Sinne der Kinder.
Auch der gesellschaftliche Kontext kam nicht zu kurz. Mit über 129.000 Scheidungen im Jahr 2024 betrifft das Thema mehr als ein Drittel aller Ehen in Deutschland. Trennung ist längst keine Ausnahmeerscheinung mehr – und hat weitreichende Folgen, nicht nur für die Betroffenen selbst. Wohnraumbedarf, psychische Belastungen, gesundheitliche Auswirkungen und vor allem die Lebenssituation von Kindern sind eng mit Trennungsprozessen verknüpft. Der ISUF reagiert darauf nicht nur mit Beratung, sondern auch mit einem klaren präventiven Ansatz: durch Informationsangebote, offene Gesprächsrunden und den Aufbau von Netzwerken. Ziel ist es, Paaren rechtzeitig Hilfen an die Hand zu geben – und nicht erst dann, wenn die Beziehung am Ende ist.
Wertschätzung für diese Arbeit kam auch aus Berlin: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend übermittelte durch den parlamentarischen Staatssekretär Michael Brand (CDU) ein offizielles Grußwort. Darin wurde der ISUF Fulda für seine „unverzichtbare Beratungs- und Orientierungsarbeit“ gewürdigt. Besonders hervorgehoben wurde das Engagement für faire Trennungsregelungen und kindgerechte Lösungen. Auch die Beratungsstelle für Ehe, Familie und Leben des Bistums Fulda sprach ihren Dank aus – nicht zuletzt für die gute und enge Zusammenarbeit mit dem Verband. In vielen Fällen vermittelt man Ratsuchende gegenseitig weiter – zum Beispiel dann, wenn juristische Beratung oder persönliche Begleitung notwendig wird.
Nach dem offiziellen Teil wurde das Buffet eröffnet – bei Fingerfood und Gesprächen wurde der Austausch weitergeführt, neue Kontakte geknüpft und alte Geschichten geteilt. Was bleibt, ist der Eindruck eines Vereins, der sich mit viel Herzblut und Sachverstand einem Thema widmet, das oft im Schatten steht – aber hunderttausende Menschen betrifft. Der ISUF Fulda hat in den vergangenen 50 Jahren nicht nur Zahlen bewegt, sondern Leben verändert. Und das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit offenen Armen. Mit Hoffnung und Motivation blickt der Verband nun nach vorne – auf weitere Jahre der Unterstützung, Beratung und Gemeinschaft. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen, denn klar ist: Trennung ist kein Einzelfall – aber mit der richtigen Begleitung muss niemand diesen Weg allein gehen.
