„Wir können nicht mehr sagen, der Wald ist rein naturwissenschaftlich zu betrachten. Die sozialen Prozesse müssen mitgedacht werden“, sagte Tom Scheunemann aus dem Organisationsteam. Der wissenschaftliche Mitarbeiter ist an der Hochschule Fulda tätig. Für ihn steht fest: Der Wald ist ein Ort, an dem gesellschaftliche Veränderungen besonders sichtbar werden – ob durch Klimakrise, neue Nutzungsformen oder politische Auseinandersetzungen.
In kurzen Impulsen, sogenannten Pitches, stellten die Teilnehmenden ihre Forschung zu Themen wie Klimawandel, Waldbesetzungen, Biodiversität oder Waldfriedhöfen vor. Jeder Beitrag dauerte nur wenige Minuten und wurde anschließend offen diskutiert. Statt langer Vorträge lag der Fokus auf Austausch, Vernetzung und der Entwicklung gemeinsamer Fragestellungen. „Uns geht es vor allem darum, ins Gespräch zu kommen – über Disziplinen hinweg“, betonte Scheunemann. Deshalb seien auch gezielt Vertreter der Forstpraxis eingeladen worden. Ein zentrales Thema war am Donnerstag der Umgang mit Unsicherheit und Veränderung: Wie können soziale Konflikte im Wald sichtbar gemacht werden? Welche Interessen prallen aufeinander – etwa zwischen Forstverwaltung, Naturschutz, Wirtschaft und Zivilgesellschaft? Ein Beitrag vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) aus Frankfurt zeigte, wie Mediation in Gemeinschaftswäldern helfen kann, Spannungen zwischen verschiedenen Nutzergruppen zu lösen. Dabei wurde deutlich, dass viele Konflikte nicht technischer, sondern sozialer Natur sind – etwa wenn es um Entscheidungsprozesse, Beteiligung oder Vertrauen geht.
Die Diskussionen machten deutlich: Der Wald ist längst nicht mehr nur ein Ort für Forstwirtschaft, sondern ein Raum gesellschaftlicher Aushandlung – über Eigentum, Nachhaltigkeit, Zugang oder Zukunftsvorstellungen. Begriffe wie „Wald als Technonatur“ oder „Zukunft des möglichen Waldes“ zeigen, wie sehr sich das Verständnis vom Wald in Forschung und Praxis im Wandel befindet.
Die Tagung wird am Freitag fortgesetzt. Auf dem Programm stehen weitere Workshops, vertiefende Diskussionen und erste Überlegungen zu gemeinsamen Projekten. Themen sind unter anderem Waldplanung im Klimawandel, Rechte der Natur oder digitale Wissenspraktiken. Ziel ist es, das Netzwerk weiter zu stärken – und zu zeigen, dass der Wald nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich Zukunft hat.
