Vor ziemlich genau zehn Jahren, 2015, beschäftigte sich Dietrich Hartmut Koch mit verschiedenen Finanzgeschäften – und stieß dabei auf den Begriff „Trüffelinvestment“. „Da habe ich mich dann eingelesen und ziemlich schnell gedacht: Das kannst du auch“, erinnert sich Koch zurück. In der Folge hielt der Wallenroder Ausschau nach einem Grundstück, auf dem eine mögliche Trüffelplantage entstehen könnte – und wurde dabei sogar in der Nähe seines Heimatortes fündig. Mit der Unterstützung von ehemaligen Mitarbeitern Kochs und einer Gärtnerei ging es dann ans Eingemachte: Dem Konzipieren von Trüffelbäumen. „Dazu haben wir Haselnusssträuchern Trüffelgene eingeimpft und nach zwei bis drei Jahren der intensiven Pflege konnten wir sie dann Ende 2020 auf der Plantage ausbringen“, berichtet der Gründer von Hessens erster Trüffelplantage. Die eigentliche Arbeit begann jedoch erst, denn: Um am Ende wirklich Trüffel ernten zu können, bedürfen die Setzlinge einiger Pflege, Aufmerksamkeit – und vor allem Zeit: „Da gehört vieles dazu, vom Pflanzenschutz über das Düngen bis hin zum Entnehmen von Bodenproben“, klärt Koch auf: „Beispielsweise muss der pH-Wert im Boden jederzeit über sieben liegen, dazu muss das Klima stimmen. Trüffel brauchen viel Wärme. Aber da kommen uns die Temperaturen in Europa glücklicherweise etwas entgegen“, ist Koch hoffnungsvoll, kann jedoch noch keine Prognose abgeben, ob und wann die edlen Pilze geerntet werden können: „Es ist sehr schwer abzuschätzen, wann wir wirklich mit Trüffeln rechnen können. Das Ganze ist für die meisten Neuland. Aktuell sind wir in dem Stadium, in dem sich die Trüffelwurzel bildet. Vielleicht dauert es noch weitere fünf Jahre, bis wir erste Resultate haben, vielleicht geht es aber auch schneller.“ Das sei von vielen Faktoren abhängig, wie der Unternehmer betonte: Unter anderem kämpfen der Gründer und sein Team schon von Anfang an gegen Wühlmäuse, die den Pflanzen zu schaffen machen. „Da versuchen wir es mit Trockeneis und werden dann im Frühjahr sehen, ob das erfolgreich war, oder ob es neue Löcher auf dem Feld gibt.“
Der 81-Jährige ist hörbar stolz auf das, was er mit seinem Team bislang geleistet hat – und das mit Recht: Immerhin war Kochs Trüffelplantage ein Pilotprojekt und zumindest im Bundesland Hessen das Erste – und seinerzeit auch das Einzige. „Und im Endeffekt ist ja das Tolle an der Sache: Es lässt sich ein dreifacher Nutzen daraus ziehen: Zum einen hat man natürlich die Trüffel unter der Erde, zum anderen die Nüsse über der Erde und dann ist da ja noch das Holz der Bäume: Wenn die Bäume 25 oder 30 Jahre stehen, hat man Edelholzerträge von aktuell 3000 Euro pro Festmeter“, betont der Dietrich Hartmut Koch.
Auf Kochs Plantage stehen aktuell insgesamt 210 Bäume, die in den kommenden Jahren im Idealfall alle Trüffelpilze tragen sollen – und obwohl Koch alleiniger Gesellschafter der GmbH ist, profitiert er nicht alleine davon, sollte die Ernte erfolgreich ausfallen. Denn: Alle Interessierten haben die Möglichkeit, eine Patenschaft für die Trüffelbäume zu übernehmen: „Wer Pate wird, bezahlt dann Patenschaftsgeld und trägt somit zum Erhalt und der Pflege der Bäume bei. Das Minimum sind drei Bäume, und je mehr Patenschaften übernommen werden, desto höher ist am Ende die Beteiligung am Ertrag“, erläutert der 81-Jährige, verweist aber auch auf das Risiko: „Es gibt keine Garantie, dass wir in den nächsten Jahren wirklich Trüffel ernten werden. Aber das ist eben das unternehmerische Risiko, was mit einer Beteiligung verbunden ist.“ Aktuell gebe es 52 Paten, die insgesamt Patenschaften für 120 bis 130 Bäume übernehmen – ausreichend „freie“ Bäume gibt es also noch. Um allen Interessierten das Thema näherzubringen, veranstaltet Koch mit seinem Team außerdem einmal jährlich eine Patenschaftsveranstaltung, direkt auf der Plantage. „Die ist meistens im September, da haben wir dann auch einen Trüffelexperten vor Ort“, so Koch. Dabei werde auch stets überprüft, ob sich bereits Trüffel gebildet haben: „Das war bei der Veranstaltung 2025 noch nicht der Fall“, sagt Koch, der mit 81 Jahren bereits über den Tellerrand hinaus blickt und an die langfristige Zukunft denkt: „Ich habe auf jeden Fall Interesse daran, irgendwann einen Nachfolger zu finden. Partner sind also immer erwünscht.“
